Mahnende Worte am Volkstrauertag
Aleppo als Bankrotterklärung der Weltpolitik

Bürgermeister Peter Braun legte am Kriegerdenkmal in der Kirchturm-Arkade einen Kranz zur Erinnerung an die 107 Gefallenen und Vermissten nieder. Bild: bö
Vermischtes
Schmidmühlen
14.11.2016
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Gesenkte Fahnen - die Melodie vom guten Kameraden und der Ehrensalut waren ein äußeres Zeichen zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten aus Schmidmühlen und Winbuch.

(bö) "Ich empfinde es als unsere große Aufgabe, die Generation, die seit über 70 Jahren in Europa in Frieden und Freiheit lebt, daran zu erinnern, dass es auch schon andere Zeiten gegeben hat." Diese mahnenden Worte richtete Bürgermeister Peter Braun bei den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag an die Bürger. Zugleich forderte er sie auf, dafür Sorge zu tragen, dass diese Schreckensereignisse von Krieg und Vertreibung sich niemals wiederholen dürfen. "Das ist jetzt unsere Verantwortung und Aufgabe all denen gegenüber, deren mahnende Stimmen schon lange verstummt sind."

Neid und Missgunst


Braun zitierte aus einem Brief einer ehemaligen Schmidmühlenerin Die Frau schrieb, sie betrachte aus der Ferne "eine erhebliche Veränderung des Zusammenhaltes und des Zusammenlebens". Immer weniger Bürger würden sich engagieren, Neid und Missgunst machten sich breit. "Radikale politische Meinungsäußerungen nehmen zu. Angst vor der Zukunft stellt sich ein", teilte sie mit.

Die Gemeinde gedachte der Vermissten und Gefallenen der beiden Weltkriege, einzeln wurden ihre Namen aufgerufen. "Ich hoffe, dass diese Liste niemals ergänzt werden muss", sagte Braun. Hinterfrage man den Sinn der Veranstaltung am Kriegerdenkmal, dann stelle sich schnell die Frage, ob "wir aus der Vergangenheit gelernt haben". Diese Frage sei nicht nur an die "hohe Politik" gerichtet, "sondern an jeden von uns". Nie passieren dürfen, dass die Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung in Vergessenheit geraten. "Es ist für die nachfolgenden Generationen die besondere Aufgabe, die Menschen immer wieder an die Opfer zu erinnern", erklärte der Bürgermeister.

"Gerade einmal eine Fußball-Halbzeit dauerte die Anfangsoffensive bei der Schlacht an der Somme. Nach 45 Minuten waren allein auf britischer Seite 8000 Menschenleben ausgelöscht, bis zum Ende des Tages waren es gut 20 000 junge Männer gewesen, die gefallen sind", blickte Pfarrer Werner Sulzer auf die Schlacht im November 1916 zurück. In vier Monaten waren damals auf beiden Seiten 1,2 Millionen Soldaten gefallen - "für wenige Quadratkilometer Flächengewinn". Das von der Massenproduktion geprägte industrielle Zeitalter habe damals Einzug gehalten im Krieg. "Der Tod wurde massenhaft produziert", fuhr er fort.

Zutiefst alarmierend


Die Einsicht, die die Völker Europas auf bitterste Weise mit Blut von Millionen von Menschen bezahlt haben, gerate heute allmählich in Vergessenheit. Wer Ängste und Egoismen bei den Menschen wecke und füttere, züchte ein Monster heran, das sich irgendwann nicht mehr bändigen lasse. "Das muss eigentlich alle, die verantwortlich denken, zutiefst alarmieren", meinte Sulzer und betonte: "Mich zumindest beunruhigt das in erheblichen Maße." Der Blick dürfe nicht an den Grenzen Europas aufhören. "Unsere Welt ist derart nahe zusammengerückt, dass sich Konflikte außerhalb Europas auf uns auswirken." Eine Bankrotterklärung internationaler Politik sei für ihn die Lage in Syrien, stellvertretend dafür stehe der Name Aleppo. Dort würden Zivilisten, vielfach Kinder, auf dem Altar geopolitischer Interessen geopfert.

Selbst wenn ein auf wenige Stunden begrenzter Waffenstillstand als humanitärer Akt verkauft werde, sei das nur widerlich und zynisch. "Mit den Opfern dieser Welt hoffe ich zutiefst, dass die Beteiligten für ihre Entscheidungen einmal gerade stehen müssen. Denn an den Händen der beteiligten Akteure klebt das Blut von Unschuldigen", so der Pfarrer.
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