Rettung in letzter Minute
Friedhofsmauer einsturzgefährdet

16 mit Schraubfundamten im Boden verankerten Lisenen geben dem denkmalgeschützten Mauerwerk Standsicherheit. Bilder: bö (2)
Vermischtes
Schmidmühlen
16.12.2015
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Mit dem Bau einer Rampe ist das Friedhofsgebäude künftig barrierefrei zu erreichen. Die Arbeiten werden in den nächsten Tagen erledigt.

Es war schon recht brenzlig: Regenfälle haben zuletzt die Befürchtung aufkommen lassen, dass die bereits stark geneigte Friedhofsmauer in Schmidmühlen wirklich einstürzen würde.

Damit es nicht so weit kommt, hat jetzt die Sanierung begonnen. Die Sicherung der Friedhofsmauer ist die letzte große Baustelle des Jahres in Schmidmühlen. Es geht um Teilbereiche der einsturzgefährdeten Wand auf einer Länge von 50 Metern.

"Wir haben noch auf den Bescheid der Denkmalschutzbehörde aus dem Landratsamt warten müssen", berichtet Bürgermeister Peter Braun, dem schon die Zeit davonzulaufen schien. Jetzt sieht es besser aus: "Wenn das Wetter in den nächsten zwei Wochen hält, dann können wir die Sanierungsmaßnahme bis Weihnachten noch weitgehend schaffen."

Fingerspitzengefühl gefragt


"Dass es eine sehr feinfühlige und sensible Arbeit zwischen den Gräberreihen sein wird, das können Sie sich vorstellen", gab Braun im Gespräch mit der AZ zu bedenken. Es mussten Grabsteine entfernt und Ruhestätten abgedeckt werden, um an die Mauer heranzukommen. Deshalb dankte Braun auch ausdrücklich den Grabbesitzern für ihr Verständnis.

Bereits im Frühjahr war auch für Laien erkennbar, dass sich die Mauer deutlich nach innen geneigt hatte - im stark verformten Teil zwischen 15 und 17,5 Zentimeter pro Meter Wandhöhe. Die Prüfung durch einen Statiker hat ergeben, dass die Standsicherheit des Bauwerks im südwestlichen Bereich auf gut 50 Metern nicht mehr gewährleistet ist - und es daher als einsturzgefährdet eingestuft werden musste. Eine schnelle Notsicherung hat hier wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.

Das Sicherungs-Konzept von Architekt Dietmar Rieger beruht auf der Überlegung, dass die zur Gräberseite geneigte Mauer kein Auflager hat, das das Kippen verhindert. Abhilfe soll auf relativ einfache Weise möglich sein: Die jetzt und auch später noch geneigte Mauer soll sich an Lisenen (Pfeilervorlagen) aus Stahlbeton "anlehnen". Diese werden jeweils zwischen zwei Doppelgräbern mit einer Breite von 30 Zentimetern angefügt. Gehalten wird diese Sicherung von insgesamt 52 in den Boden eingelassenen Schraubfundamenten, die an der Außenseite zur US-Wohnsiedlung hin verankert werden. Am etwa 50 Meter langen, einsturzgefährdeten Abschnitt werden insgesamt 16 Lisenen errichtet.

Problem: Hinterfüllung


Nach Ansicht eines Sachverständigen-Gutachtens ist die Hauptursache des Problems die Hinterfüllung mit Erde an der Außenseite: Sie hat Wurzeln und Nässe in die Mauer gebracht. Die Anschüttung war für die einst frei stehende Umfriedung eine horizontal gerichtete Belastung. Folge war "ein Kippmoment, das durch das Eigengewicht der Mauer aufgenommen werden muss", heißt es in der Expertise. Wie Bürgermeister Peter Braun informierte, werden die Arbeiten noch vor Weihnachten vorangetrieben.

An der Außenseite der Mauer, zur US-Siedlung hin, erledigt das Erdbau- und Baggerunternehmen Michael Hummel umfangreiche Sicherungs- und Freilegungsmaßnahmen. Die Arbeiten innen sind Sache der Firma Staufer Bau aus Rieden. Die Schalungen für die Lisenen hat die Zimmerei Fischer aus Schmidmühlen gefertigt. Im Frühjahr wird dann noch die Mauerabdeckung erneuert.

Im BlickpunktEine weitere, jedoch wesentlich kleinere Baustelle im Friedhof ist derzeit die Errichtung einer Zugangsrampe zur Leichenhalle als barrierefreier Zugang.

Für den Denkmalschutz ist die Friedhofsmauer ein Anlageteil eines Baudenkmals nach dem Denkmalschutzgesetz. In der Denkmalliste heißt es: "Friedhof, katholische Friedhofskirche St. Georg, Saalkirche, verputzter Massivbau mit Satteldach, Zwiebeldachreiter und eingezogenem Chor um 1550/1560; mit Ausstattung, Leichenhaus, eingeschossiger, verputzter Massivbau mit Walmdach und in Arkaden geöffneter, dreiseitig vorspringender Vorhalle mit Dachreiter, frühes 20. Jahrhundert, Grabkreuz, schmiedeeisern, 19. Jahrhundert samt Friedhofsmauer."

Wegen dieser Einstufung war nicht nur eine baurechtliche, sondern auch eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis nötig. (bö)
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