Seltenen Wespenbussard ausgewildert
Übungsplatz verleiht Flügel

Fernseh-Tierarzt Dr. Volker Döring hat auf dem Kreuzberg in Schmidmühlen einem seltenen Wespenbussard in die Freiheit entlassen. Bild: bö
Vermischtes
Schmidmühlen
27.06.2016
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"Ihr könnt doch sicher einen Wespenbussard gebrauchen, oder?" Nach dieser Anfrage des bekannten Fernseh-Tierarztes Dr. Volker Döhring aus Gerolzhofen blieb Forstdirektor Dr. Markus Perpeet, Leiter des Bundesforstbetriebes Hohenfels, erstmal die Spucke weg.

"Sind Sie noch da?" fragte der Landtierarzt aus Franken. Der hatte bei den Jagden des Bundesforstes seit vielen Jahren als Tiernotarzt verletzte Jagdhunde versorgt. Mittlerweile hatte sich Dr. Perpeet am Telefon wieder gefangen und sagte zu: "Wann kommen Sie mit dem Bussard vorbei?"

Döring kümmert sich nicht nur um landwirtschaftliche Nutztiere, sondern hat in seiner Praxis auch eine Wildtier-Auffangstation eingerichtet, in der er wilde Findelkinder betreut - zum Beispiel aus dem Nest gefallene Vögel.

Der Wespenbussard, ein noch nicht flugfähiger Jungvogel, war in einem Vorgarten gefunden und bei Döring abgeliefert worden: unverletzt, aber unterernährt.

Döring päppelte den Greifvogel ein Jahr lang liebevoll wieder auf - mit speziellen Insektenmaden, die nicht ganz billig sind. "3000 Euro hat mich der Spaß gekostet", gibt er mit einem Kichern zu: "Aber was tut man nicht alles für Wespenbussarde mit unbekanntem Migrationshintergrund!"

Für die bevorstehende Freilassung des seltenen Tieres musste nun alles ganz schnell gehen: Genehmigung bei der höheren Naturschutzbehörde in Regensburg einholen und einen Startplatz suchen, von dem aus der Bussard schnell Anschluss an seine Artgenossen im Übungsplatz findet, ohne dass durch die Auswilderungsaktion die laufende militärische Übung gestört wird. Am Kreuzberg im Forstrevier Schmidmühlen wurde man fündig: Eine leicht windige Hügelkuppe bietet einen weitem Ausblick, Einzelbäume für eine Rast bei einem eventuellem Freiheits-Schock und viele Erdinsekten, die Hauptbeute des Wespenbussards.

Mit einem unsentimentalen "Mach's gut" warf Döring den zuvor beringten Bussard in die Luft. Mit kräftigen Flügelschlägen gewann das Tier gleich an Höhe, als sei es nie in einer Volière gewesen. Wenn Wespenbussarde Gefühle haben - die hätten die am Boden Zurückbleibenden in diesem Augenblick sehr interessiert.
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