Tag des offenen Denkmals in Schmidmühlen
Das älteste Wasserrad

Baptist Fischer (vorn) mit Besuchern. Bild: pop
Vermischtes
Schmidmühlen
13.09.2016
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Einst gab es viele Mühl- und Wasserräder im Landkreis. Dazu gehörte die alte Mühle in Schmidmühlen (mit ihrem Rad in der Bildmitte) in der Schlocht, hier auf einer Aufnahme um 1920. Bild: pop

verdankt seinen Namen zwei einst wichtigen Industriezweigen, die beide auf Wasserkraft angewiesen waren: Schmieden und Mühlen. Ein ergiebiges Thema beim Tag des offenen Denkmals.

Schmiede und Mühlrad finden sich auch im Wappen Schmidmühlens. Hier gab es früher vier Mühlen. Am linken Lauterach-Arm befanden sich Obere und Untere, am rechten die Hammer- und die Zeitlermühle. Beim Tag des offenen Denkmals rückte das Wasserrad der Letzteren, einer ehemaligen Papiermühle, in den Fokus der Öffentlichkeit.

Als diese 1877 vollständig zerstört und aufgelöst wurde, erhielt der damalige Besitzer, Josef Zeitler, am 20. Februar 1877 die "Concession zur Errichtung einer Mahlmühle und einer Schneidsäge" auf dem Grundstück. Seither heißt die Anlage nicht mehr Papier-, sondern Zeitlermühle. Diese befindet sich jetzt im Besitz der Zimmerei Fischer.

Wie Baptist Fischer erzählt, ist das Recht zum Betrieb einer (Papier-)Mühle im Grundbuch immer noch eingetragen. Wenige Meter flussaufwärts war die Hammermühle (Gebäude ehemals Kino-Meier). Ähnlich wie die anderen beiden, die Obere (Bereich Poststraße) und die Untere Mühle (entlang der Pfarrer- Härtle-Straße; heute ist hier auch die Sparkassen-Filiale untergebracht) waren es Getreidemühlen in Einheit mit einem Sägewerk.

Diese Kombination schien durchaus sinnvoll. Denkbar ist zumindest, dass, wenn nicht Getreide zu Mehl gemahlen wurde, die Wasserkraft, die man mit dem Rad gewann, zum Holz-Schneiden verwendet wurde. Das Rad der ehemaligen Papiermühle dreht sich immer noch - es gilt damit als das einzige und wohl älteste Wasserrad, das in der Region immer noch im Betrieb ist.

Im Blickpunkt

Dass man beim Tag des offenen Denkmals einen Blick auf das Wasserrad werfen konnte, ist dem Seniorchef der Zimmerei, Baptist Fischer, zu verdanken. Von außen sieht man von der Anlage nicht viel, man hört nur das monotone Plätschern des Lauterachwassers. Erst wenn man die große Türe öffnet, erkennt man, welche Kraft dahinter steckt: Noch heute erzeugt sie Energie.

Auf einer überdimensionalen Achse gelagert, drehen 36 Schaufeln das Rad (Durchmesser 5,5 Meter) sechs bis sieben Mal in der Minute. Wie schnell, das hängt auch von der Wassermenge ab, die aus dem Triebwerkskanal zugeführt wird. Das Rad bewegt sich rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.

Die Lauterach war über alle Jahrhunderte hinweg die wichtigste Lebensader für den Ort: Sie begründete den Wohlstand, verursachte aber auch große Hochwasser-Schäden. Die Wasserkraft wurde schon vor dem 19. Jahrhundert genutzt: Zwischen Schmidmühlen und Ransbach dienten zahlreiche Wasserschöpfräder zur Bewässerung der Talwiesen.

In den damals häufig trockenen Sommern konnte durch diese Technik drei- bis viermal statt zweimal im Jahr reichlich Heu gemacht werden. Beim katastrophalen Hochwasser 1909 wurden die meisten Wasserräder durch Treibgut zerstört. Zwischen den beiden Weltkriegen gingen dann die Schöpfräder endgültig verloren.

Eines der bedeutendsten profanen Bauwerke des Landkreises rückte beim Denkmaltag in den Blickpunkt: das Hammerherrenschloss (auch Unteres Schloss). Zur Jahrtausendwende aufwendig saniert, bietet es Räume für Markt und Pfarrei, aber auch für viele Vereine und vielfältige Veranstaltungen.

Es bestimmt neben dem Turm der Pfarrkirche und dem Oberen Schloss die Silhouette des Markts und ist ohne Zweifel dessen Prunkstück. Im Barockbau steckt noch der mittelalterliche Kern. Bei der Restaurierung wurde der ursprüngliche Eingang wiederentdeckt. Über dem spätgotischen Spitzbogenportal befindet sich ein Wappen der Erbauer des ersten Hammerschlosses, der reichen Kaufmanns-Familie Altmann. Unter Hektor Johann von Fischbach erhielt das Hammerschloss um 1700 sein anspruchsvolles Aussehen. Das sogenannte Herrenzimmer wartet mit dem kunsthistorischen Höhepunkt auf - einer stolzen Bellona, Göttin der Kriegskunst, im freigelegten Fresko. Daneben stießen die Moriskentänzer, eigentlich im Oberen Schloss eingelagert, auf großes Interesse. Besucher aus der Oberpfalz, aus Oberbayern und sogar aus Baden-Württemberg kamen zum Denkmaltag nach Schmidmühlen.
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