Treffen in Schmidmühlen knüpft an alte Tradition an
Die Fliege ist etwas für Könner

Das erste Fliegenfischer-Treffen in Schmidmühlen nutzten viele Experten, um ausgiebig zu fachsimpeln. Dabei beließ man es natürlich nicht bei der Theorie, sondern teilte auch ganz praktische Tipps. Bilder: pop (2)
Vermischtes
Schmidmühlen
02.04.2016
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Das Binden der künstlichen Fliegen ist eine Kunst für sich: Es verlangt viel Fingerspitzengefühl, diese speziellen Köder möglichst naturgetreu nachzuahmen. Nur wenn das gelingt und wenn man auch die besondere Technik mit der Rute beherrscht, kann man Forelle und Co. damit überlisten.

Fliegenfischen gilt unter Anglern als Königsdisziplin schlechthin. Schließlich sind dazu nicht nur ausgefeilte Techniken, sondern auch besondere Köder, nämlich Kunstfliegen, nötig. Schmidmühlen ist seit Generationen eine Anlaufstelle für Experten auf diesem Gebiet.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Stammtische im ehemaligen Gasthaus Rubenbauer - lang ist es her. Der Fischereiverein Schmidmühlen knüpfte nun an diese Tradition an - und lud erstmals zu einem Fliegenfischer-Treffen ein. Im Dorfgemeinschaftshaus in Winbuch standen nicht nur Erfahrungsaustausch und Kennenlernen im Vordergrund, sondern auch das Anfertigen von künstlichen Fliegen. Organisiert hatte all dies Vorstandsmitglied Hans Eiber mit Hilfe weiterer passionierter Fliegenfischer und -binder aus der Region und darüber hinaus.

Attraktives Gewässer


Dass gerade der Fischereiverein Schmidmühlen bei diesem Thema Akzente setzen kann, kommt nicht von ungefähr. Der Verein ist in der glücklichen Lage, seinen Mitgliedern (im begrenzten Umfang auch Gastanglern) mit der Lauterach ein attraktives Salmoniden-Gewässer anbieten zu können, in dem man ausschließlich "mit der Fliege" versuchen kann, Forelle, Äsche oder Saibling zu überlisten.

Die Lauterach gilt als Urbild eines Oberpfälzer Jurabaches. Sie entspringt in Lauterhofen und fließt auf ihrem Weg zur Mündung in die Vils in Schmidmühlen noch durch die Gemeinden Kastl und Hohenburg. Aufgrund dieser besonderen geologischen Ausgangslage gehört sie, wie auch die Wiesent oder die Pegnitz in der Fränkischen Schweiz, zu den ertragreichen, sommerkühlen Salmoniden-Gewässern. Aufgrund von ergiebigen Grundquellen entlang ihres gesamten Laufs bleibt die Wassertemperatur auch im Sommer in der Regel deutlich unter 20 Grad. Im Winter schwankt sie um 8 Grad. Die Lauterach ist ein noch weitgehend naturbelassener Bach und bei Anglern weithin bekannt.

Wer hier beim Fischen erfolgreich sein will, muss den Umgang mit der sensiblen Fliegenrute allerdings bestens beherrschen. Es ist ein sehr guter, sich selbst erhaltender Bestand aus gut wachsenden Bach- und Regenbogenforellen sowie Äschen vorhanden. Alle drei Arten laichen im Gewässer ab. Die Fische ernähren sich vorrangig von Insekten und ihren Larven, etwa den Eintags- und Köcherfliegen, aber auch von ins Wasser gefallenen Land-Insekten wie Ameisen, Käfern oder Raupen. Größere Bachforellen fressen außerdem die hier vorkommenden Mühlkoppen, Stichlinge und Elritzen und Krebse. Nachahmungen dieser natürlichen Vorbilder kann man kaufen oder, wie es viele Fliegenfischer tun, selbst herstellen. Letzteres konnte man beim Treffen in Winbuch ausprobieren oder seine bereits vorhandenen Fertigkeiten verfeinern.

Saisonbeginn am 16. April


Die Fliegenfischer-Saison beginnt an der Lauterach für Mitglieder am Samstag, 16. April. Tageskarten für Gäste sind begrenzt erhältlich ab Sonntag, 1. Mai (Info: www.fischereiverein-schmidmuehlen.de).

Im BlickpunktBeim Fliegenfischen verwendet man Trocken- oder Nassfliegen.

Eine Trockenfliege treibt auf der Wasseroberfläche. Dies wird durch Imprägnieren und/oder die Verwendung schwimmfähigen Materials wie Rehhaar erreicht. Trockenfliegen imitieren meist lebende Insekten mit Flügeln, die gerade aus der Larve geschlüpft sind.

Nassfliegenfischen gilt als die älteste Form des Fliegenfischens. Experten, die diese Kunst beherrschen, stellen mit bis zu 20 Zentimeter langen Streamern aus Haaren und Federn (Nachbildungen von kleinen Beutefischen) mit Erfolg kiloschweren Hechten in der Vils nach. (pop)


Einst den Wohlhabenden vorbehaltenHistorischen Quellen zufolge übten das Fliegenfischen bereits die alten Mazedonier vor 2000 Jahren in den tosenden Bächen ihrer gebirgigen Heimat aus. Als Mutterland dieser speziellen Form des Fischfangs wird jedoch England angesehen.

Im 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galt diese Angelmethode als besonders elitär - konnten sie doch vor allem die Wohlhabenderen an den nur ihnen zugänglichen Gewässern ausüben.

Das war vor vielen Jahren vielleicht auch an der Lauterach so. Heute ist es aber jedem Interessierten zu den allgemein üblichen Konditionen des Fischereivereins möglich, die Fliegenrute in die Hand zu nehmen und sich in allen Vereinsgewässern an einer breiten Palette von Fischarten zu versuchen. (pop)
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