CSU-Arbeitskreis zur Umweltsicherung und Landesentwicklung
Arbeiten am guten Klima

Wohin mit überschüssigem Solarstrom, der im Haus nicht gebraucht wird? Es gibt Alternativen. Die Investition in Photovoltaik lohnt sich dann, wenn man den so erzeugten Strom vom eigenen Hausdach selbst verbraucht und gerade nicht benötigte Energie speichert. Dieser Hausbesitzer in Schmidmühlen nutzt den Doppeleffekt mit der Brauchwasseraufbereitung. Bild: bö
Wirtschaft
Schmidmühlen
05.08.2016
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Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist nicht mühelos zu schaffen. In Schmidmühlen traf sich jetzt ein Arbeitskreis, der sich zum Ziel gesetzt hat, Orte zukunftsfähig zu machen. Dazu gehört zum Beispiel auch, Traditionen in Frage zu stellen.

"Für die Zukunftsfähigkeit der Orte und insbesondere der Ortskerne sollten Lösungsansätze anhand von kommunalen Entwicklungskonzepten und -plänen erarbeitet werden", sagte das Vorstandsmitglied und Architekt Hans Braun im CSU-Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesentwicklung (AKU). Das Gremium erörterte die Frage, wie Dörfer und Städte in Zukunft im Landkreis idealerweise aussehen sollen.

Dazu gehöre auch, traditionelle Denk- und Handlungsweisen in Frage zu stellen. Wünschenswert seien Entwicklungskonzepte und Bauleitplanungen, die Wohnen, Arbeiten, Bildung und Erholung, also Mischnutzungen in den Ortskernen zulassen. "Das ist sicher ein schwieriger Spagat", sagte Braun. Seiner Meinung nach sei dabei die Denkmalpflege ein wichtiger, aber nicht der wichtigste Planungsbereich. Laut Arbeitskreisleiter Kreisrat Sebastian Schärl setzt sich der AKU als Reaktion auf Bevölkerungswandel und Leerstände im Ortskern für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung ein und wirbt in den Gemeinden für den Grundsatz "Innenentwicklung vor Außenentwicklung".

Gelobt wurde die ehrenamtliche Arbeit der Energieschule Amberg-Sulzbach, die im ZEN angesiedelt ist. Sie unterstützt Schulen, die die Themen Energie und Klimaschutz in ihren Alltag integrieren und entsprechende Kompetenzen aufbauen.

Chancen für Bürgerenergie


Zur Umsetzung der Energiewende sei eine gute Klimabildung ein wichtiger Baustein zum Erreichen der Klimaziele im Landkreis, stellte Bürgermeister Markus Dollacker (Ensdorf) fest. Bundestag und Bundesrat haben das Erneuerbare-Energien-Gesetzt (EEG) beschlossen. Die Mitglieder des Arbeitskreises verschafften sich einen Überblick über das neue Ökostrom-Gesetz, das die Förderung völlig umstellt.

Die politisch festgestellten Preise werden auf wettbewerbliche Ausschreibungen ausgerichtet. Für eine dezentrale Energiewende in Bürgerhand sieht der AKU mit dem neuen EEG bessere Chancen für die Bürgerenergie. So erhalten entsprechende Projekte bei Auktionen einen Zuschlag, der sich automatisch am höchsten Gebot orientiert. Mit dem Ausschreibungsverfahren für Neu- und Bestandsanlagen wird eine Anschlussregelung für Bioenergieanlagen eingeführt.

Den bayerischen Bemühungen sei es zu verdanken, dass die Biomasse im EEG 2017 bei den Ausschreibungen berücksichtigt wird. Damit wird einer wesentlichen Grundforderung des AKU entsprochen, die Biomasse für eine marktgerechte Stromerzeugung und gleichzeitig als einen zuverlässigen indirekten Speicher für Strom und Wärme zu nutzen.

Positiv für die Bürgerenergie wertete der AKU die Tatsache, dass Mieter in Häusern mit Eigenheimbesitzern von Solaranlagen gleichgestellt werden. "Damit wird es künftig deutlich einfacher, Haushalte in Miethäusern mit günstigem Solarstrom vom eigenen Dach zu versorgen", sagte Bürgermeister Florian Junkes (Hohenburg), Ausdrücklich begrüßten die AKU-Vorstandsmitglieder, dass der überwiegende Teil der Gebäude-Photovoltaik von dem Systemwechsel hin zu Ausschreibungen verschont bleibt. Bis zu einer Leistung von 750 Kilowatt kommen Bauherrn mit einer privaten Solaranlage weiter in den Genuss der gesetzlichen Förderung.

Der AKU erkennt aber nach wie vor, dass im neuen EEG die Beharrungskräfte der alten Energiewirtschaft noch stark sind, wie der Kampf um den Kohleausstieg zeigt. Nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofes ist die 10-H-Regelung verfassungsgemäß. Darüber sei der AKU nicht glücklich, so Schärl, weil die Bedeutung der Windkraft für den Klimaschutz in der Urteilsbegründung keine Rolle gespielt hat.

In Hand der Kommunen


Nach Auffassung von Bürgermeister Roland Strehl (Kümmersbruck) liegt der Ausbau der Windenergie jetzt mehr denn je in kommunaler Hand. Er wies darauf hin, dass Gemeinden mit nachhaltigen Bebauungsplänen die 10-H-Regelung nicht beachten müssen. Selbst die Zustimmung der Nachbargemeinde sei bei Einhaltung der Immissionsschutzbestimmungen nicht notwendig. "Die Gemeinden, die ihre eigene Energiezukunft aktiv in die eigenen Hände nehmen und gestalten, werden künftig die Profiteure sein", sagte Sebastian Schärl.

Jetzt wird es an den Bürgermeistern und kommunalen Entscheidungsträgern liegen, durch geordnete Bebauungspläne der Energiewende wieder Schwung zu geben und die erneuerbaren Energien zu fördern.Arbeitskreisleiter Sebastian Schärl
1 Kommentar
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 07.08.2016 | 00:01  
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