40 Jahre Skilift Mertenberg
Am Seil hängt ein Lebenswerk

Der "Köihranger" Anfang der 60er-Jahre. Aus der ganzen Region strömten die Brettlfans nach Mertenberg, obwohl es hier noch gar keinen Lift gab. Es war dieser Andrang, der die Initialzündung für den Bau des Skiliftes war. Bild: privat
Freizeit
Schnaittenbach
06.02.2015
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Schnaittenbach: Skilift Mertenberg |

Ida (76), Rosmarie (67) und Resi (72) sind echte Oberpfälzer Skisport-Pioniere. Vor fast 50 Jahren halfen sie ihren Männern dabei, am Mertenberger "Köihranger" einen der ersten Skilifte in der Region zu bauen. Das Seil läuft heute noch wie am Schnürchen.

Wenn sie durch das Fenster der Talstation Richtung Mertenberg blicken, dann schauen sie auf ihr Lebenswerk: Ida Walter, Rosmarie Piehler und Resi Weidner dürfen getrost als Mütter des kleinen Skiliftes am Osthang des Buchberges bezeichnet werden.

Mit glänzenden Augen erinnern sie sich an den Jahrhundertwinter 1962/63, als ganz Deutschland von November bis Februar unter einer dicken Schneeschicht lag. Damals erlebte der Skisport in der Oberpfalz einen fulminanten Aufschwung. An Sonntagen tummelten sich Tausende Brettlfahrer am Mertenberger "Köihranger" - obwohl es noch gar keinen Lift gab. "Irgendwann hat unser Vater gesagt: Da gehört ein Seil her", erzählt Ida Walter.

Mit einem VW-Motor

Ihr Vater, das war der Bürgermeister der ehemals stolzen selbstständigen Gemeinde Kemnath am Buchberg. Und das Seil, das er ins Gespräch gebracht hatte, sollte kommen. Alsbald lief ein etwa 100 Meter langer Strang aus stählernen Drähten um ein sich drehendes Rad, angetrieben von einem ausrangierten VW-Motor. "Das ist nicht lange gut gegangen", erzählt Karl Walter (75). "Der Motor hat viel zu schnell angezogen, da hat es die Leute bloß so aus der Spur geschmissen."

1967 entschlossen sich die Familien Walter, Piehler und Weidner, einen neuen Lift zu bauen. Eine wagemutige Entscheidung, die sie bis heute nicht bereuen. Nicht nur das Schleppseil, auch ihre Freundschaft hat über all die Jahre gehalten. Mittlerweile haben die "Jungen" den Lift übernommen. Sie führen das Werk ihrer Eltern weiter. "Wir sind alle ein bisschen Ski-verrückt", erzählt Sohn Stefan Walter. "Das musste ja so kommen, weil wir mit diesem Lift aufgewachsen sind."

Mit dem Mertenberg-Lift verhält es sich wie mit so mancher Einrichtung draußen auf den Dörfern. "Es geht nicht ums Geld. Wir machen es halt aus Spaß an der Freud", sagt Resi Weidner. Das merkt jeder, der die Wärmestube betritt und dort die Senioren der Betreiberfamilien antrifft. Wer gerade da ist, zwickt die Fahrkarten, gibt Hilfestellung beim Einstieg oder fährt halt selber Ski. So wie Helmut Piehler (72), der sich zum Einkehrschwung ein Weizen gönnt.

Wieder ein kleines Polster

Stefan Walter ist stolz, dem Ort und der ganzen Region eine solche Anlage bieten zu können. "Erst vor kurzem war wieder der TÜV da - alles tiptop in Ordnung", unterstreicht er. Er freut sich vor allem, weil es endlich ausreichend geschneit hat. "Sonst wäre es der dritte Winter ohne Liftbetrieb gewesen." Das wäre an die finanzielle Substanz der Eigentümergemeinschaft gegangen. Nachdem das Liftseil nun aber schon die zweite Woche surrt, blickt Walter entspannt in die Zukunft. "Jetzt haben wir wieder ein Polster für zwei magere Jahre."
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