40 Jahre Skilift Mertenberg
Bis zur letzten Flocke

Der ganze Stolz des Mertenberger Lift-Teams: Der 140 PS starke Pistenbully aus den Kitzbüheler Alpen. Bild: upl
Freizeit
Schnaittenbach
13.02.2015
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Schnaittenbach: Skilift Mertenberg |

Frau Holle hat viele Freunde - besonders in den Dörfern, die am Buchberg liegen. Der Chef des Mertenberger Skilifts zum Beispiel hat ein spezielles Verhältnis zum Schnee und 140 PS unter der Haube seines Pistenbullys.

Stefan Walter hat alles gegeben. Am Mertenberger Skilift haben er und seine Helfer quasi bis zur letzten Flocke gekämpft. Am Mittwoch aber mussten sie aufgeben. Der warme Westwind hat der Schneedecke derart zugesetzt, dass Skifahren nicht mehr möglich war. Das Seil steht, der Pistenbully bleibt im Schuppen.

Mitbringsel aus Österreich

Für einen relativ überschaubaren Abfahrtshang leisten sich die drei Betreiberfamilien ein recht komfortables Gerät zur Pistenpflege. Rolba-Turbotrac 140 heißt das Baby, dem Stefan Walter gerne mal einen Klaps auf die Karosserie gibt. Es trinkt Winterdiesel und kann von Geburt an krabbeln - zum Beispiel den Hang zum "Köihranger" hinauf. "Steffl" und die anderen Miteigentümer haben den Pistenbully vor neun Jahren beim Skifahren in Österreich entdeckt. "Der war früher in den Kitzbüheler Alpen unterwegs", erzählt er. "Wir haben da einen gekannt, über den wir einen guten Preis bekommen haben." Weil sich nach der Saison 2005/06 etwas Geld in der Kasse angesammelt hatte, schlugen die Liftbetreiber zu. "Dann haben wir das Trumm mit einem Hänger geholt."

Stefan Walter wirft den Motor der Raupe an. Wenn die US-Armee in Grafenwöhr zum Manöver ausrückt, dröhnt es ganz ähnlich. Der Pistenbully knattert, dass an seinem hölzernen Unterstand die Bretter vibrieren. Sobald der Fahrer den Rückwärtsgang eingelegt hat, gibt das Gefährt zur Warnung der Skifahrer - wie seine großen Brüder auf den Pisten der Hochalpen - ein beständiges Piepen von sich. Fräse und Walze verwandeln die vereiste Piste wieder in einen Hang aus "gführigem Schnee", natürlich mit den dazugehörigen Rillen. Laut Herstellerbeschreibung schafft der Turbotrac 42 000 Quadratmeter pro Stunde. Walter braucht für die Pistenaufbereitung in Mertenberg ungefähr 30 Minuten.

Das alles geht natürlich nur bei ausreichender Schneelage. Um Frau Holle nachzuhelfen, haben die Mertenberger da so ihre Tricks. "In den 80er-Jahren sind wir regelmäßig zum Schneefahren ausgerückt." Vor Hofeinfahrten, an Straßenrändern, in Hohlwegen - wo auch immer sich in der Umgebung Schnee aufgetürmt hatte - holten ihn die Familien Walter, Piehler mit Bulldog und Anhänger und Weidner ab. "Wir haben den Schnee dann da hin geschaufelt, wo die größten Löcher waren." Mittlerweile verzichten die Liftbetreiber auf diese schweißtreibende Arbeit. "Wenn's nicht geht, dann geht's halt nicht."

Walze aus Autoreifen

In den Zeiten vor der Pistenraupe präparierten die Buben der Betreiberfamilien den Abfahrtshang. Die Väter hatten dazu ein eigenes Gerät entwickelt: ein Gestänge, an dem nebeneinander zehn Autoreifen befestigt waren. Diese Art von Walze zogen die Burschen dann mit Skiern ins Tal, so lange, bis der Schnee plattgedrückt war. "In den Anfangsjahren war das noch ganz anders", erzählt Helmut Piehler (72). Damals arbeiteten die Gäste selbst an der Pistenaufbereitung mit. "Die Leute fuhren mit dem Schlepper rauf und traten den Hang Schritt für Schritt runter. Heute unvorstellbar, aber früher hat sich da keiner was dabei gedacht."

Nicht nur der Schlepplift, auch die Wärmestube an der Talstation ist nun für unbestimmte Zeit geschlossen. "Das war's dann wohl für heuer", mutmaßt Stefan Walter. 14 Tage surrte in diesem Winter das Liftseil - lange genug, um zu verkünden, dass die Gaudi am "Köihranger" die nächsten Jahre weitergeht.
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