Auf den Spuren der Bernsteinstraße im östlichen Landkreis der Oberpfalz
Bernstein-Fieber

Solche bis zu zwei Meter tiefe Gräben durchziehen die Wälder auf dem Buchberg, Rotbühl und Friedrichsberg - Reste der Bernsteinstraße, die vor mehr als 1000 Jahren quer durch den östlichen Landkreis führte. Bild: upl
Freizeit
Schnaittenbach
24.10.2014
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Sie gilt als einer der sagenumwobensten Handelswege Europas: Die Bernsteinstraße, die das Römerreich mit der Ostsee verband. Franz Flammersberger hat sich auf ihre Spuren begeben und ist im östlichen Landkreis fündig geworden.

Wenn Franz Flammersberger zwischen Buchberg und Steinköppl durch die Wälder streift, hört er noch die Hufschläge der Lasttiere, die hier einst entlangzogen. "Ich bin wirklich jeden Meter dieser alten Handelsstraße in der mittleren Oberpfalz abgegangen", erzählt der 72-jährige Heimatforscher aus Schnaittenbach. "Ich kann den Pulsschlag dieser uralten Lebensader noch immer spüren."

Naabtal zu sumpfig

Flammersberger ist überregional als Experte für Altstraßen bekannt und fest überzeugt, dass die sagenumwobene Bernsteinstraße von Süden kommend über Haselbach, Pittersberg, Trisching, das Oberland nach Schnaittenbach und von dort weiter Richtung Norden führte. Vor ihm haben sich bereits andere auf die Suche nach dem exakten Streckenverlauf begeben, darunter auch der Regensburger Professor für Regionalgeografie, Dietrich Manske. Auch er vermutete die Bernsteinstraße "auf dem westlichen Höhengestade der Naab".

Das Naabtal selbst kommt für Flammersberger wie auch Manske nicht in Frage, weil die weitläufige Flussaue zur Zeit des Bernsteinhandels (etwa 1000 vor Christus bis zum Ende der Römerzeit) größtenteils versumpft gewesen sein muss. Entlang der Höhen über Pittersberg, Steinköppl und Buchberg aber gibt es zahlreiche Hinweise auf Kultstätten und Befestigungsanlagen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit - wichtige Begleiter für das fahrende Volk auf einer Handelsstraße besagter Epoche.

Auf den Spuren von Karl des Großen

Pittersberg beherbergt mit seiner exponierten Lage die Urkirche für das Gebiet zwischen Amberg und Schwandorf, die Entstehung des Gotteshauses reicht laut Flammersberger in das 8. Jahrhundert zurück. Nach drei Stunden Gehzeit Richtung Norden folgt der Burgstall auf dem Steinköppl und wieder gut eine Stunde später die Wüstung Wetterdorf bei Witzlricht mit den benachbarten Hügelgräbern. Es folgt der vermutlich in der Zeit Karls des Großen (um 800) gegründete Ort Hainstetten.

Er soll einst Sitz einer eigenen Pfarrei gewesen sein. Darauf weist zumindest ein Kirchenvisitationsprotokoll aus dem Jahr 1593 hin. Im Volksmund hält sich bis heute die Sage von einem Kloster, das einmal in Hainstetten gestanden haben soll. Vorbei an der Burgruine Haldenrode ("Schlössl" genannt) und der Keltenschanze auf dem Buchberg führt die Route hinunter nach Schnaittenbach.

Wo die Lasttiere scharrten

Wer der Wegbeschreibung Flammersbergers folgt, der findet uralte Hohlwege, von denen oft mehrere parallel die Hänge hinauf- und hinunterführen. Allein 30 solcher nebeneinander verlaufenden Gräben hat der Heimatkundler zwischen Buchberghütte und Demenricht gezählt. Diese Auffächerung von tief eingegrabenen Steigen ist typisch für Altstraßen. Wenn eine Rinne zu tief geworden war, legten die Handelsreisenden mit ihren Lasttieren oder Fuhrwerken unmittelbar daneben einen neuen Weg an - heute oft kaum mehr zu erkennen. Viele Altstraßen sind umgepflügt, eingeebnet oder überbaut worden.

Unweit des Rotbühl-Senders jedoch schwingt sich die Bernsteinstraße wie eine Bobbahn hinunter zur Fensterbachquelle - auf etwa 500 Metern Länge ist der alte Handelsweg dort besonders gut erhalten. Wer den Waldboden in der Umgebung mit offenen Augen betrachtet, der findet auch hier die Spuren der Gräben, die sich nebeneinander den Hang hinunterziehen. "Die Stelle, an der die Altstraße den Ehenbach überquerte, dürfte die Keimzelle Schnaittenbachs gewesen sein", ist der 72-Jährige überzeugt. Flammersberger hat seine Erkenntnisse bereits 1995 in einem Beitrag für die heimatkundliche Schrift "Der Eisengau" zusammengefasst. In dem 27 Seiten langen Aufsatz setzt er sich detailliert mit der Geschichte und dem Verlauf der Bernsteinstraße auseinander.
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