Vier Schnaittebacher radeln nach Paris
Vom Buchberg bis zum Eiffelturm

So sehen Sieger aus oder Bezwinger der Tour Schnaittenbach-Paris (von links): Andreas Donhauser, Bernhard Nittke und Oliver Lassmann. Oben sitzt Günter Bösl.
Freizeit
Schnaittenbach
23.09.2016
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Ohne Pannen ging die Reise nicht ab: Auf den letzten Kilometern vor Paris musste noch einmal ein Schlauch geflickt werden.

Der Weg zum Champs-Élysées ist schwer: Vier Freunde aus Schnaittenbach haben sich vorgenommen, binnen einer Woche nach Paris zu radeln. Kaum gestartet, war das 1060-Kilometer-Projekt in Hirschau aber schon wieder beendet - vorerst.

Nicht einmal zehn Minuten hatten Günter Bösl (54), Andreas Donhauser (49), Oliver Lassmann (48) und Bernhard Nittke (55) in die Pedale getreten, da gab es schon die erste Panne. "Auf einem Vorderrad saß der Mantel nicht korrekt. Wir mussten drei verschiedene Mäntel montieren, bis es endlich passte", berichtet Nittke. Der holprige Start trübte die Stimmung nicht und erwies sich auch nicht als schlechtes Omen für das Unternehmen. "Wir kamen dann zügig voran." Nach etwa neun Stunden und 147 gefahrenen Kilometern erreichten die Biker das erste Etappenziel Oberdachstetten bei Rothenburg ob der Tauber.

Pralinen im Vorbeifahren


Paris war der Fixpunkt des Quartetts, das sich ansonsten eher dem Fußballspielen beim TuS Schnaittenbach widmet. Doch schnell stellte sich entlang der Route Richtung Westen heraus, dass der Weg das bessere Ziel war. Unterwegs trafen die Freunde aus der Oberpfalz jede Menge nette Menschen, die sie jeweils für kurze Zeit teilhaben ließen an ihrem Leben. So wie den Konditor in dem französischen Dörfchen Esternay (Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine). Der Mann kam extra aus seinem Laden und reichte den Schnaittenbachern Pralinen, die er selber hergestellt hatte.

Bevor es zu solchen Begegnungen mit freundlichen Franzosen kam, hatten die Radl-Abenteurer aber doch noch ein paar Herausforderungen zu bewältigen. Die Weiterfahrt am dritten Tourtag (Etappe von Bad Friedrichshall im Landkreis Heilbronn nach Malsch im Kreis Karlsruhe) gestaltete sich etwas schwierig, weil der Lotse das Navigationsgerät versehentlich wieder Richtung Schnaittenbach programmiert hatte. "Und so leitete das Navi den gesamten Tross wieder 17 Kilometer zurück", schmunzelt Nittke. Das Team nahm den Lapsus natürlich sportlich und feierte den orientierungserprobten Postboten Andreas Donhauser. "Er hat gecheckt, dass wir nach Osten statt nach Westen fahren."

Wegen des kleinen Schlenkers - es handelte sich um ein Warm Up von 34 Kilometern - startete die dritte Tagesetappe nach etwa eineinhalb Stunden in Bad Friedrichshall neu. Am nächsten und vierten Tag ging es von Malsch Richtung Frankreich. Kurz vor 10 Uhr überquerte die Gruppe den Rhein und wurde von einem französischen Grenzpolizisten mit den Worten "Bonjour la France" begrüßt. Große Frankophonisten sind die TuS-Fußballer ja nicht. Aber für ein "Vive la France" als Antwort hat es noch gereicht, was bei dem Grenzer für Begeisterung sorgte. "Den Mann hatten wir eindeutig auf unserer Seite", erzählt Nittke. "Weitere Grenzkontrollen hatten wir da nicht zu befürchten."

Freudentränen am Ziel


Der zweite Plattfuß folgte. Kurz nach der Grenze musste Oliver Lassmann einen Schlauch flicken und eine Nacktschnecke von seinem Fahrradrahmen lösen. "Spötter behaupten ja, das Tier sei während des Fahrens aufgesprungen", merkt Nittke augenzwinkernd an. Über Zabern, Sarrebourg und Toul führte die Strecke weiter nach Vitry-le-François und Coulommiers. Von dort aus traten die vier Schnaittenbacher am achten Tag die Schlussetappe an - den Streckenabschnitt mit den meisten Höhepunkten. Schon am Vormittag öffneten die vier einen Pikkolo, um auf den 1000. Kilometer anzustoßen. Nachmittags musste der Moment gefeiert werden, als sie das Ortstaferl von Paris passierten. Eine halbe Stunde später standen die Biker dann schon unter dem Eiffelturm. "Das war der emotionalste Moment der Reise", erzählt Nittke. "Wir haben uns umarmt und die eine oder andere Freudenträne weggewischt."

Natürlich musste noch der Triumphbogen besucht werden. Und weil die Oberpfälzer sangesfreudige Gesellen sind, geschah das mit einem kräftigen, vierstimmigen "Oh, Champs Élysées" während der Fahrt auf der Prachtstraße. Den Arc de Triomphe umgibt ein Kreisverkehr, bei dem zwölf Straßen zusammentreffen. "Als wir dort einen Radfahrer sahen, der sich wagemutig durch dieses Gewusel wagte, sagten wir uns: Was der kann, das können wir auch!" Mit ein paar freundlichen Handzeichen und unter lautem Hupen der Autofahrer radelten die Schnaittenbacher dann auch noch zur inneren Plattform des Triumphbogens - alles in allem für jeden Einzelnen ein innerlicher Triumph.
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