Buchbergbühne probt die Bettleroper
Immer schön das Brustbein zur Sonne!

Kultur
Schnaittenbach
04.04.2016
320
0
 

Bürgermeister Sepp Reindl ist schon ein richtiger Gauner. Nur das mit dem Tanzen ist nicht ganz sein Ding. Die leichten Mädchen vom Buchberg tun sich dagegen nur bei ihren ersten Schritten ein bisschen schwer. Das liegt an den verruchten, aber wenig flexiblen Netzstrumpfhosen.

Da haben Spielleiter Stefan Reindl und Regieassistentin Sibylle Kiener ordentlich was angerichtet: Die braven Moidln der Freilichtbühne am Buchberg werden plötzlich zu ausgschamdn Bordsteinschwalben, Bürgermeister Sepp Reindl klaut wie ein Rabe und "der Kletter" alias Alfons Nagler muss zwei knieoperierte Tanzbeine schwingen. Aber so ist das halt, wenn man die Bettleroper von John Gay (später von Bert Brecht zur Dreigroschenoper verarbeitet) auf dem Buchberg inszeniert.

Kneifen gilt nicht!


Das mit dem Tanzen ist so eine Sache - da war nicht gleich jeder in der Truppe begeistert. Doch die Schnaittenbacher Laienspieler sind dann doch echte Profis: Kneifen gilt nicht! Und so wird diesmal nicht nur geschauspielert, sondern auch gesungen und getanzt auf dem Buchberg. Momentan allerdings üben sie noch im Gymnastikraum des Sportzentrums, wofür Reindl und seine Mannschaft dem TuS dankbar sind: Hier können sie wetterunabhängig Charleston und Tango einstudieren.

Der Chef hat's im Knie


TuS-Übungsleiterin Kornelia Köppl - vielen bekannt durch ihre Faschingsinszenierungen - zeigt den Theaterleuten, wie's geht. Sie war sofort bereit, als Choreografin und Trainerin mitzumischen. "Lieber einfach, aber dafür akkurat", lautet ihre Devise für die Schrittfolgen. Das gilt auch für den Chef. Stefan Reindl soll eigentlich einen Tango mit der Spelunken-Jenny aufs Parkett legen. Aber das geht heute nicht: Knieprobleme. Die haben die leichten Mädchen nicht. Sie schwingen ihre Beine in hohem Bogen über die Stuhllehnen. Doch dann: Ratsch! Die Netzstrumpfhosen, heute extra für den Fototermin mit der AZ angezogen, halten diese Choreografie nicht aus. Das wird noch eine Spezialaufgabe für die Kostüm-Verantwortlichen. Oder ein teuerer Spaß: Neue Strumpfhosen für jede Aufführung?

Stefan Reindl nimmt's gelassen. Die eigentliche Herausforderung ist eine andere: Ein Klavier muss rauf auf den Berg. Kein Keyboard. Ein echtes Piano. Für handgemachte Musik. Dieses Problem ist noch nicht gelöst. Aber daran wird nicht gerüttelt: Diesmal gibt es zum Freilichtspiel echte Live-Musik. Das sind die Schnaittenbacher Mackie Messer einfach schuldig. Also spielen Andrea Eichenseer, Christian Hausler und Maximilian Nagler Klavier, Kontrabass und Schlagzeug mitten im Wald.

"Als Bettler hast a Lebm!"


Doch zuerst einmal bemühen sich räudige Straßenkinder, lumperte Bettler, die dümmste Polizei der Welt und der Club der schwarzen Witwen, sich keine Knoten in die Beine zu tanzen. Und dabei doch möglichst leichtfüßig zu singen - "Als Bettler hast a Lebm!" Da muss man sich schon konzentrieren. Und ein paar Runden probieren. "Des check i ned", gesteht einer der Bettler. Macht nix, dafür wird ja geübt. Mit Musik geht's dann aber doch schon überraschend gut.

"Gfallt ma. Sauguad. Wird!" Der Chef ist zufrieden. Und ein bisschen Lob ist immer noch die beste Motivation. Miteinander und übereinander lachen natürlich auch. Dazu gibt's an diesem Nachmittag reichlich Gelegenheit. Auch dank einer Vorgabe der Choreografin. "Brustbein zur Sonne" lautet Kornelia Köppls Eselsbrücke für eine möglichst aufrechte Haltung. Der Aierl alias Peter Kraus interpretiert das auf seine Art, stellt Stefan Reindl fest und lacht laut: "Das, was du da machst, ist ist eher ,Ranzen zum Tresen'!"

Es gibt noch KartenWomöglich haben einige Fans, die den Vorverkaufsstart verpasst haben, die Hoffnung schon aufgegeben. Doch diesmal gibt es auch für Spätentschlossene noch eine Chance - für alle sieben Aufführungen der Bettleroper der Freilichtbühne am Buchberg sind noch Karten erhältlich. Gespielt wird am Freitag, 27. Mai, 3. und 10. Juni, am Samstag, 4. und 11. Juni, sowie am Sonntag, 29. Mai und 5. Juni auf dem Buchberg, jeweils um 20 Uhr. Die Karten kosten unverändert 12 Euro und sind übers Internet erhältlich (www.buchbergbühne.de).(eik)
Weitere Beiträge zu den Themen: Theater (266)Freilichtbühne am Buchberg (16)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.