Es klappt auch ohne den Berg

Da staunt nicht nur der feine Herr Assessor, Wolfgang Gerhards (rechts): Die Buchbergbühne bringt auch mal schnell eine komplette Kirwa auf die Bühne. "Madame Bäuerin" Christina Nagler gefällt das - wie das Landleben überhaupt. (Bild: Steinbacher)
Kultur
Schnaittenbach
17.05.2015
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Das mit der Butter ging daneben. Die Zuschauer haben vermutlich gar nicht mitbekommen, dass sie die eigentlich live aufs Brot geschmiert bekommen sollten. Hungern musste trotzdem keiner. Und auch sonst traf die Premiere der Freilichtbühne am Buchberg den Geschmack ihrer Fans - trotz oder gerade wegen des ungewohnten Spielorts.

Für den Theaterverein ist das ehemalige Rath-Anwesen mitten in Schnaittenbach mehr als nur ein Ausweichquartier, gestand Spielleiter Stefan Reindl den Zuschauern: "Wir haben uns verliebt" in die Idylle des von Elisabeth und Martin Nagler mit viel Herzblut renovierten Hofs.

Mehr als ein Ausweichort

Das Stammdomizil der Schauspieler, die Bühne hinter der Buchberghütte, stand wegen des dortigen Umbaus heuer nicht zur Verfügung. "Ohne euch würde es dieses Theater diesmal nicht geben", dankte Reindl den Hausbesitzern für die Gastfreundschaft. Martin Nagler winkte da nur ganz bescheiden ab und lud die Zuschauer ein, "dahn Se se einfach freia". Schwer zu sagen, wer sich dann am Ende mehr freute - das Publikum oder die Akteure auf der Bühne. Wobei die diesmal eigentlich gar keine war. Der ganze Hof wurde munter bespielt und lieferte die quasi maßgeschneiderte Kulisse für die "Madame Bäuerin", ein Lustspiel von Lena Christ. Es greift den Kulturclash der Zeit um 1900 auf: Auf dem Schiermoser-Hof treffen zwei Welten aufeinander - die der vornehmen, gestelzten Städter und die des einfachen, aber stolzen und gar nicht so dummen Bauernstands.

Städtisches Anstandsgehabe trifft unter der Regie von Stefan Reindl auf pralles, bäuerliches Leben. Bilder: Wolfgang Steinbacher

Was kommt heraus, wenn sich zwei Vertreter dieser beider Welten ineinander verlieben? Ganz klar: Ein höchst kurzweiliger Theaterabend unter freiem Himmel. Dass dabei auch ohne platte Schenkelklopfer viel gelacht werden konnte, dafür sorgte nicht zuletzt die perfekte Besetzung. Spielleiter Stefan Reindl und Regieassistentin Sibylle Kiener hatten damit wieder voll ins Schwarze getroffen. Wobei diesmal besonders die weiblichen Charaktere das ganz große Kino boten. Köstlich: Christiane Freitag als gnadenlos überkandidelte Rechtsrätin Scheuflein, die ohne ihr Riechtüchlein im verachteten Odeur des Ländlichen keinen Atemzug tun kann.

Den Oscar des Abends hat sich allerdings Claudia Saller erspielt. Die Schiermoserin ist nämlich im wahren Leben eine ganz Miechade - das sei dem Publikum an dieser Stelle versichert. Saller brachte trotzdem scheinbar mühelos die perfekte Zwiderwurzn auf die Bühne, die sich so herrlich aufregen konnte über die zammazupften Schejsen aus da Stod: Das muss ihr erst einmal einer nachmachen!

Dieses Lob darf man aber getrost auch auf den Rest der Truppe ausdehnen - die Spielfreude war bei jedem einzelnen und in jeder Minute spürbar, bis hinein in die Nebenrollen. Für eine davon nahm Alfons Nagler nicht nur Übelkeit durch Pfeifenrauch in Kauf. Er verschob sogar seine Knieoperation. Er hatte natürlich völlig Recht: Wer sonst hätte den Großvater spielen sollen? Und vor allem: Wer hätte die kleine Panne mit der Butter so entspannt wegpaffen sollen?

Die fast perfekte Illusion

Das Fassl, in dem das Streichfett live im Stück gestampft werden sollte, war so voll, dass der Rahm herauslief und es nix wurde mit dem Ausbuttern. Hat aber keiner gemerkt. Dafür bekam Peter Kraus, der Aierl, die volle Aufmerksamkeit: Als er am Ende seiner mürrischen Frau ins Gewissen redete, war es mucksmäuschenstill unter dem nächtlichen Sternenhimmel im Schnaittenbach von anno 1918. Oder fast. Denn der Verkehr auf der B 14 lässt sich selbst abends nicht ausbremsen. Ohne ihn wäre die Illusion wirklich perfekt gewesen.
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