Freilichtbühne verlässt den Berg

Das "Bühnenbild" steht schon: Die Gebäude des Schnaittenbacher Rath-Hofes bilden die perfekte Kulisse für ein bäuerliches Lustspiel - diesen Blick werden die Zuschauer haben. In den idyllischen Bauerngarten zwischen B 14 und Ehenbach zieht 2015 die Freilichtbühne am Buchberg um. Bild: Hartl
Kultur
Schnaittenbach
14.11.2014
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Eigentlich soll der Hütten-Anbau im Frühjahr fertig sein. Doch Verzögerungen sind am Bau immer drin. Für die Freilichtbühne am Buchberg, die hier normalerweise ihre Aufführungen hat, ein unkalkulierbares Risiko. Sie spielt deshalb im nächsten Jahr nicht auf dem Buchberg. Und feilt trotzdem schon an einem neuen Stück.

Als der Trachtenverein, dem die Buchberghütte gehört, heuer damit begonnen hat, diese um einen Anbau mit einer großen Überdachung zu erweitern, war für den Theaterverein schnell klar, dass er diese Spielstätte 2015 nicht nutzen kann. Vorübergehend in einem Saal zu gehen, stand aber nicht zur Diskussion: "Wir sind eine Freilichtbühne - und bleiben uns treu", betont Vorsitzender Thomas Reiß.

Im Freien oder gar nicht

Damit gab es nur zwei Alternativen: Entweder gar nicht auftreten - oder einen anderen Platz unter freiem Himmel finden. Letzteres war dann gar nicht so schwer, wie mancher befürchtet hatte. Das Schnaittenbacher Ehepaar Nagler, große Fans des Theatervereins, die auch schon einmal dessen Fundus bei sich untergebracht hatten, hatten diesem früher schon einmal den garten seines Anwesens direkt gegenüber des Schnaittenbacher Rathauses als Spielstätte angeboten. Darauf kamen Vorsitzender Thomas Reiß und seine Vereinskollegen jetzt zurück - und sind ganz begeistert vom Ausweichquartier im sogenannten Rath-Garten, zwischen B 14 und Ehenbach. Ein alter Bauernhof, den die Familie Nagler restauriert hat, mit einer großen Grünfläche.

Natürlich ist die Freude beim Verein groß darüber, dass die Naglers dieses Kleinod für die Buchberg-Spielzeit 2015 der Allgemeinheit öffnen wollen. Selbst viele Schnaittenbacher wüssten nicht, welche Idylle sich hinter den Gebäuden an der Ortsdurchfahrt verbirgt, sagt Kerstin Donhauser vom Theaterverein: "Das wird sicher ein Aha-Effekt."

Neue Herausforderung

Den hatten auch die Theaterleute, als sie sich das Areal zum ersten Mal als neue Spielstätte anschauten: "Das ist natürlich nicht mit dem Buchberg vergleichbar, aber es hat was", sagt Spielleiter Stefan Reindl begeistert. Natürlich bedeute der Umzug einen gewissen Aufwand: Da die Freilichtbühne schon seit 1997 auf dem Buchberg zu Hause ist, haben sich die Abläufe dort inzwischen gut eingespielt. Jetzt müssen sie sich drunten in der Stadt wieder ganz neu einrichten. "Das ist definitiv eine neue Herausforderung", betont Thomas Reiß, schon alleine wegen des Aufbaus der Tribüne. Die ist 22 Meter breit - und passt damit nicht komplett in den Rath-Garten. Sie wird geteilt und hintereinander aufgebaut, dabei gehen etliche Plätze verloren. Statt der 320 Zuschauer werden diesmal nur rund 200 Platz finden.

"Wir werden aber deshalb nicht öfter spielen", fügt Reiß gleich hinzu. Theater spielen er und seine Mitstreiter schließlich "aus Spaß" - und deshalb wollen sie es bei den insgesamt acht Aufführungen belassen. Der größere Aufwand bei der Tribüne wird durch einen kleineren beim Bühnenbild wettgemacht: Der restaurierte Bauernhof als Kulisse passt wunderbar zum neuen Stück "Madame Bäuerin". Die Theaterleute haben eines gesucht, "das dieses Ambiente perfekt einbindet" - und sind fündig geworden. Jetzt gilt es, die Rollen zu besetzen, danach muss der Text überarbeitet und einstudiert werden, bevor Ende März die Proben im Freien beginnen.

Traditionell bewirtet die Freilichtbühne ihre Zuschauer in der Pause. Das will sie auch am neuen Spielort tun. Zusätzlich ist das Nagler'sche Wirtshaus, der Goldene Löwe, freitags geöffnet. "Und es gibt ja noch ein paar weitere Wirtshäuser", in denen die Zuschauer vor und nach den Auftritten gut aufgehoben seien, meint Reindl.

Der Umzug ins Dorf bedeutet die Buchbergbühne eine Rückkehr zu ihren Wurzeln: Im Vitusheim haben die Theaterleut' 1991 angefangen. Bis 1996 waren sie dort, dann wurde das alte Heim abgerissen. Um nicht auf den Neubau warten zu müssen, verlagerte der Verein seine Aktivitäten dann auf den Buchberg. Damals eigentlich nur eine Übergangslösung, für ein Jahr. Danach stand fest, "einmal Freilicht, immer Freilicht", wie es Reindl lachend ausdrückt. Deshalb hoffen er und seine Mitstreiter trotz der Begeisterung über ihren neuen Spielort, dass sie bald wieder hinauf können auf "ihren" Berg.
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