Stück "Madame Bäuerin" spielt nicht auf dem Buchberg, sondern in der Stadt
Diesmal ganz ohne den Berg

Teresa Reindl und Claudia Saller (von links) müssen sich ganz schön plagen mit dem Teppichklopfer. Die Wäscheleine fehlt bei dieser Probe noch. Macht nix. Maxi Nagler und Michael Zeiler (von rechts) springen einfach als Pfosten ein. Dabei lässt sich sogar mit links noch eine SMS verschicken. Die Leine wird sich auch noch irgendwo finden. Ansonsten ist das Nagler-Anwesen in Schnaittenbach heuer die perfekte Kulisse für die Buchberg-Bühne.
Kultur
Schnaittenbach
04.05.2015
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Auf einmal steht der Schiermoser-Bauer mitten in der Liebesszene. Da gehört er natürlich nicht hin. Aber wohin mit ihm? Es ist halt doch nicht ganz einfach, wenn ein Theater umzieht. Doch es hat auch Vorteile: Die Freilichtbühne, die den Buchberg im Namen trägt, aber heuer nicht dort spielt, hat diesmal mitten in der Stadt die perfekte Kulisse.

Der Bauer im Stück "Madame Bäuerin" heißt Schiermoser. Nicht Höchstbauer, wie damals bei der Geierwally. "Der Aierl" - nur so kennt man Peter Kraus - muss das Kunststück hinbekommen, sich aus seiner unvergessenen Paraderolle des tyrannischen Hofbesitzers von damals zu verabschieden und in eine diesmal eher schlitzohrige Variante zu schlüpfen.

Aber zuerst muss er aus der Liebesszene raus. Am besten, er verschwindet in seine Werkstatt. Wer steht wo - und wie kommt man stückgerecht von A nach B? Solche eher logistischen Fragen spielen bei den Proben der Buchbergbühne diesmal eine besondere Rolle. Auf dem Buchberg, wo der Schnaittenbacher Theaterverein bereits seit 1997 zu Hause ist, kann er heuer wegen des Hüttenumbaus nicht spielen. Pausieren wollte die Truppe um Vorsitzenden Thomas Reiß und Spielleiter Stefan Reindl aber trotzdem nicht. Und hatte Glück - in Gestalt von Elisabeth und Martin Nagler. Die beiden sind treue Fans der Buchbergbühne und haben ihr spontan ihr Domizil drunten im Ort als Ausweich-Spielstätte zur Verfügung gestellt: Ein liebevoll restauriertes historisches Anwesen, das nahezu perfekt als Schiermoser-Hof anno 1917 durchgeht. "Eine Kulisse brauchen wir diesmal nicht", freut sich Stefan Reindl darüber, dass die Naglers "das Remmidemmi auf sich nehmen": Schließlich treten sie ihr Privatgrundstück praktisch für drei Wochen an die Öffentlichkeit ab.

Kleinod mit Charme

Reindl schwärmt jetzt schon von diesem "Kleinod, dieser Idylle: Das hat auch seinen Charme". Natürlich fehlt der Buchberg trotzdem ein bisschen. Die Kälte, die dort oben bei den ersten Proben im März herrscht, nicht: Sie ist mit ins Tal hinuntergezogen. Die Fangemeinde auch. Kurz nach Vorverkaufsbeginn Anfang Dezember waren alle Karten weg.

Diesmal gab es noch weniger davon als sonst, denn die Tribüne passt in den neuen Spielort nicht komplett hinein, muss deshalb ein bisschen verkleinert werden. Und weil das Gelände leicht abfällt, ist auch noch ein Unterbau aus Holz fällig. Gut, dass die Buchbergbühne treue Unterstützer hat. Zimmerer und Tierfreund Hans Weiß, der dem Verein schon für die Geierwally seinen Steppenadler Lena zur Verfügung gestellt hat, kümmert sich um dieses Fundament.

Das Problem mit der Brille ist dagegen noch nicht gelöst. Stefan Kumeths Rolle, der Schiermoser-Junior, verlangt extrem dicke Gläser. So dick, dass Kumeth damit praktisch blind ist - "wie, wennsd durch a Weizenglasl schaust". Ein Handicap, das ihm Kopfzerbrechen bereitet. Und manchmal sogar Kopfschmerzen. Spielleiter Reindl hofft, dass ein Optiker mit einem Kniff für Abhilfe sorgen kann. Vom Tisch ist das Dilemma, das den Aierl beschäftigt hat. Er muss in einer Szene im Nachthemd aus dem Haus kommen - und danach eigentlich an anderer Stelle angezogen weiterspielen. Ein pragmatischer Regie-Trick macht's möglich. Der Schiermoser-Senior schlüpft einfach auf der Bühne in seine Hose und marschiert dann weiter. "Für solche Dinge müssen wir halt jetzt bei der Probe Lösungen finden", winkt Reindl ganz entspannt ab.

Madame urlaubt

Dass Madame Bäuerin alias Christina Nagler zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Schiermoser-Hof urlaubt (wie im Stück vorgesehen), sondern in Ägypten (wie es das wahre Leben wollte), beunruhigt den Regisseur nicht. Es gibt ja noch ein paar Proben bis zur Premiere. Die wird, wie auch die folgenden sieben Aufführungen, in ganz neuem Licht zu sehen sein.

Die Buchbergler haben nämlich nicht nur neue Stühle angeschafft, sondern auch eine komplett neue Lichtanlage, mit LED-Technik. "Dadurch können wir mit Farb-Stimmungen arbeiten", nennt Reindl einen Vorteil. Noch wichtiger war allerdings, dass diese Technik weniger Strom braucht. Das werden die Theaterleute besonders merken, wenn sie auf ihrem Berg zurück sind. Dort reichte die Stromversorgung nur für maximal zehn Scheinwerfer. Für eine ordentliche Aufführung ist das eigentlich zu wenig. Die neue Technik kann zudem problemlos drei Wochen draußen hängen bleiben, ohne dass Wetterschäden zu befürchten sind: Also auch dies eine Sorge weniger.

Das Knie muss warten

Noch eine gab es, die galt Alfons Nagler, den seit der Geierwally alle nur "Kletter" nennen - nach seiner damaligen Rolle. Der Kletter müsste eigentlich unters Messer, eine Knieoperation ist nötig. Aber er wollte seine Buchbergbühne nicht hängen lassen. Wer sonst hätte denn den Großvater spielen sollen? Also hat er kurzerhand seine OP um sechs Wochen verschoben. Damit kann er auch die Kirwa auf dem Schiermoser-Hof mitfeiern. Die mündet direkt in die Pause - weshalb sich die Zuschauer am Ende dieser Szene unters Kirwavolk mischen und mitfeiern dürfen. "Und essen und trinken - was übriggeblieben ist", fügt Reindl lachend hinzu.

So wunderbar der Ausweich-Spielort auch ist, samt Traum-Kulisse und Kirwa: "Wir wollen schon wieder rauf auf den Berg", gesteht Reindl. "Da gehören wir einfach hin." Das werden vermutlich auch viele der Zuschauer so sehen. Gut möglich, dass einige aus Gewohnheit zur Aufführung hinauffahren. Deshalb soll droben bei der Hütte auf jeden Fall ein Schild darauf hinweisen, dass die Buchbergbühne heuer wirklich "nur" der Schnaittenbacher Theaterverein ist - und drunten im Ort spielt.
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