Buchbergfest: Reeder Jürgen Ruttmann erklärt, was er an der Oberpfalz schätzt
"Hier ist nun meine Heimat"

Für den gebürtigen Hamburger Jürgen Ruttmann ist nun Schnaittenbach seine Heimat. Bild: gf
Lokales
Schnaittenbach
05.08.2015
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Großartig sei das neue Ambiente an der Buchberghütte, betonte der Schnaittenbacher Bürgermeister Sepp Reindl am Sonntag zum Auftakt des Buchbergfests. Die vielen Besucher freuten sich über lauschige Plätzchen im schattigen Umfeld der Hütte. Peter Meier, der Vorsitzende des Heimat- und Volkstumsvereins Ehenbachtaler, ging auf die sanierte Buchberghütte ein, wo die Küche auf dem neuesten Stand sei. Auch die Bühnenüberdachung sei fertig. Er brenne darauf, dass auf der Freilichtbühne wieder Theater gespielt werde.

Festredner Jürgen Ruttmann, Gründer und Inhaber der Schnaittenbacher Hochsee-Reederei MST, hatte zunächst leichte Zweifel gehabt, ob er am Buchberg der ideale Vortragende sei. Aber nachdem er schon 40 Jahre in der Oberpfalz lebe, werde er auch das hinbringen. Beim Buchbergfest habe man sonst Festredner, die mehr mit Heimat und Brauchtum zu tun hätten als ein Norddeutscher. Anhand seines Lebenslaufs, so Ruttmann, wolle er zeigen, was Heimat für ihn bedeute.

Gerade 19 Jahre alt sei er gewesen, als er seine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann in England und Schottland begann. Zwei Jahre habe er dann in Spanien gearbeitet, dort seine Frau kennengelernt. Danach lebte er fast fünf Jahre in Chicago, Savannah und Baltimore. Nach der Heirat 1970 habe es seine Frau und ihn nach Europa zurückgezogen. Nach vier Jahren in Rotterdam eröffnete sich eine berufliche Möglichkeit, nach Deutschland zurückzukehren. Er habe sich zunächst nicht vorstellen können, was ihn in der Oberpfalz erwarte, doch sei er schnell von der schönen Landschaft begeistert gewesen: "Nicht so flach wie in Norddeutschland oder Holland."

Als Ruttmann seine Reederei gründete, bezeichnete eine norddeutsche Zeitung Schnaittenbach als einen Ort im "bayerischen Kongo". Ruttmann stellte klar, dass in seiner Kindheit Hamburg seine Heimat war, aber nach 40 Jahren sei er hier angekommen: "Die Oberpfälzer sind mir ans Herz gewachsen, hier sind unsere drei Kinder zur Welt gekommen, hier ist nun meine Heimat." Sie habe nur einen Nachteil: Ehenbach, Vils und Donau seien für seine Hochseeschiffe zu flach, aber wenigstens eine Vilsplätte erinnere an MST, denn diese Plätte habe er finanziert. Noch etwas verbinde die Oberpfalz mit dem Meer: Versteinerte Muscheln zeugten davon, dass hier alles einmal "Land unter" war. Weniger bekannt sei, dass die meisten Seeleute aus Bayern kommen und dass Bayern mit 17 Seemannschören mehr habe als Hamburg und Bremen zusammen.

Mit einer Plakette bedankte sich Peter Meier bei Ruttmann, damit der nicht vergesse, "wo er dahoam ist". Pfarrer Josef Irlbacher mahnte in seiner Predigt beim Waldgottesdienst, dass in einer Zeit, in der Millionen von Flüchtlingen aus Kriegs- oder Krisengebieten nach Europa fliehen, Nächstenliebe mehr denn je gefragt sei. Seine Kirche gehe mit gutem Beispiel voran und gewähre einem Syrer und einem Iraker Kirchenasyl.
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