Das Haus Gottessegen
Gottessegen wird platt gemacht

Das Haus Gottessegen der evangelischen Kirchengemeinde in Schnaittenbach soll noch in diesem Jahr abgebrochen werden. Bild: sh
Lokales
Schnaittenbach
08.08.2015
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der evangelischen Kirchengemeinde Schnaittenbach in der Alten Kolonie/Am Ruttmann Kai ist bald Geschichte. Nachdem es schon seit 2007 leer steht und es von den evangelischen Christen nicht mehr genutzt wird, soll das Gebäude noch in diesem Jahr abgerissen werden.

(sh) Mit dem Abbruch geht ein Kapitel evangelischer Geschichte von Schnaittenbach zu Ende. Von 1958 bis 2007, also fast 50 Jahre lang, feierte die evangelische Kirchengemeinde im Haus Gottessegen ihre Gottesdienste. Nun hat es ausgedient und soll laut Beschluss des Kirchenvorstands dem Erdboden gleichgemacht und das Gelände als Bauplatz veräußert werden.

Viele Vertriebene

Aus der Chronik geht hervor, dass bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nur insgesamt drei evangelische Familien in Schnaittenbach wohnten. 1950 waren es bereits 150 evangelische Christen. Der Zuzug vor allem der Vertriebenen nach dem Krieg war der Grund dafür, dass sich der Bevölkerungsanteil der Protestanten vervielfachte. Damals wurden die evangelischen Gottesdienste im Jugendraum der katholischen Bekenntnisschule abgehalten.

Als die Kommune diesen zu einem dringend benötigen Klassenzimmer umfunktionierte, musste die evangelische Gemeinde notgedrungen in einen kleinen Nebenraum ausweichen. Nach Lage der Dinge konnte es sich dabei nur um ein Provisorium handeln. In dieser Notsituation bot sich 1957 die Möglichkeit, die freigewordene Kirchenbaracke in der Pfarrei Rötz zu erwerben. Darüberhinaus konnte in der Alten Kolonie in der Nähe des Schnaittenbacher Bahnhofs ein zentral gelegenes Baugrundstück gekauft werden, das sich als Gotteshausstandort eignete.

Die Kirchenbaracke umfasste neben einem Gottesdienstsaal ein Jugendzimmer, einen Versammlungsraum und eine kleine Mesnerwohnung. 1958 wurde dieses neue evangelische Gemeindegebäude, das Haus Gottessegen, eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Die Amberger Kaolinwerke aus Hirschau spendeten damals eine kleine Glocke und der damalige Bundespräsident Theodor Heuss die Altarbibel. Das Kruzifix über dem Altar wurde von Hans Fritsche aus Elbart bei Freihung geschnitzt.

1972 wurde der Innenraum der evangelischen Kirche renoviert. Er bot Platz für über 100 Gottesdienstbesucher. Daneben fanden dort früher auch Seniorenkreise, Konfirmandenkurse, Arbeitskreissitzungen sowie gesellige und bildende Veranstaltungen statt. Von 1960 bis zu seinem Ableben übte das Ehepaar Adolf und Selma Primuth und dann die Familie Bier bis zu ihrem Auszug im Jahre 2007 den Mesnerdienst und die Hausmeistertätigkeit aus.

Steht seit Jahren leer

Seitdem steht die evangelische Kirche leer. Aufgrund des harmonischen Miteinanders zwischen den katholischen und evangelischen Pfarrern Josef Irlbacher und Roman Breitwieser finden die evangelischen Beerdigungsgottesdienste in der Schnaittenbacher Pfarrkirche statt. Außerdem werden in Absprache mit dem Seniorenzentrum Haus Evergreen dort alle 14 Tage Gottesdienste angeboten, die von den Gläubigen gut angenommen werden. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit, evangelische Gottesdienste in Hirschau mitzufeiern.

Diese guten Regelungen und, so Pfarrer Breitwieser, die alljährlich für das leerstehende Gebäude angefallenen Unterhaltskosten, sonstige Ausgaben und Aufgaben wie Winterdienst oder Straßenreinigung haben dem evangelischen Kirchenvorstand die Entscheidung leichter gemacht, das Haus Gottessegen noch in diesem Jahr abzureißen und das frei werdende Grundstück als Bauplatz zu veräußern. Die Inneneinrichtung, wie Bänke, Stühle und auch ein Harmonium, hat die evangelische Kirchengemeinde bereits an Interessenten verschenkt.
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