"Die vielen Kreuze, Marterln, Bildstöcke und kleinen Kapellen als Zeichen tiefster Frömmigkeit sind ein besonderes Merkmal unserer bayerischen Heimat." Der Schnaittenbacher Helmut Richter hat sich mit viel Herzblut der Pflege dieser Flurdenkmale verschrieben.
Schützende Hand über Marterln

Bürgermeister Josef Reindl (links) begrüßte es sehr, dass Bebbo Schuller (Mitte) das Lebenswerk von Helmut Richter (rechts) fortführt und die Flurdenkmäler von Schnaittenbach erfasst und betreut. Bild: ads
Lokales
Schnaittenbach
13.05.2015
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(ads) Nach vier Jahrzehnten übergab Richter die Arbeit zur Erhaltung der Schnaittenbacher Flurdenkmale nun an Bebbo Schuller, der deren Betreuung in seinem Sinn fortführt. Bürgermeister Josef Reindl zeigte sich hocherfreut, dass Richter seine Lebensaufgabe in zuverlässige Hände abgeben konnte.

"Allzu achtlos gehen wir an den Zeugen vergangener Zeiten vorüber und wissen nicht, was auf diesem Bildstock oder jenem Kreuz geschrieben steht, geschweige denn, dass wir deren Entstehungsgeschichte kennen. Allzu unaufmerksam sind wir in unserer Geschäftigkeit diesen Glaubenszeichen gegenüber geworden", stellte Helmut Richter bei der offiziellen Übergabe seiner ehrenamtlichen Dienste als Betreuer der Flurdenkmäler von Schnaittenbach und Umgebung an Bebbo Schuller fest.

Von Vorfahren gehört

Im Vorfeld hatte Richter beim Senioren-Aktiv-Treff der Pfarrei St. Vitus einen Vortrag über die Flurdenkmale gehalten. "Nur alteingesessene, ältere Leute, die es wiederum von ihren Vorfahren gehört haben, können oftmals noch Auskunft über Entstehungsanlass und das -jahr dieser Flurdenkmäler geben", meinte Richter. Meist seien mit diesen Kreuzen, Marterln, Bildstöcken und kleinen Kapellen persönliche Schicksale oder der Ausdruck von Dank und innerer Frömmigkeit verbunden. Manchmal rankten sich auch geheimnisvolle Geschichten und Sagen darum.

Um ein weiteres Absinken der Flurdenkmäler in die Vergessenheit zu verhindern, hat Richter bereits 1975 zusammen mit dem damaligen Hauptlehrer Rudolf Plank und mit Bruno Martin eine Zusammenstellung aller Flurkreuze und Bildstöcke für die Stadt Schnaittenbach (ohne Holzhammer/Neuersdorf und Kemnath) gefertigt.

Die Unterlagen zu diesem Thema hatte ein angehender Lehrer aus Moos bei Amberg geliefert, der darüber seine Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen verfasst hatte. Diese Angaben waren die Basis für das in den Jahren 1982 bis 1985 erarbeiteten Sammelbands, wobei auch alle Flurdenkmale und kleine Kapellen aus den Ortsfluren Holzhammer/Neuersdorf und Kemnath Eingang fanden. Die Originalausgabe dazu steht in der Stadt- und Pfarrbücherei. Außerdem wurde sie bei der neu aufgelegten Stadtchronik als Anhang berücksichtigt.

"Im Zusammenhang mit der Herausgabe des Sammelbandes konnte ich auch erreichen, dass zwischen 1986 bis 1989 26 Flurdenkmäler mit einem Gesamtaufwand von 24 420 Mark restauriert wurden", erinnerte Richter. Die Kosten dafür habe überwiegend die Stadt getragen, aber auch Privatpersonen und er selbst hätten sich daran beteiligt. 2007 organisierte er im Rathaus eine Ausstellung und brachte ein Büchlein mit den 80 im Stadtgebiet vorhandenen Flurdenkmälern heraus.

Kultureller Beitrag

"Ich hoffe, dass die Erforschung und Dokumentation der Flurdenkmäler, in die ich in 35 Jahren viel Freizeit und auch Geld eingebracht habe, einen kulturellen Beitrag für die Stadt darstellt", meinte Richter. Es gebe wohl nicht viele Kommunen, die über eine solche Dokumentation verfügten. Als glücklichen Umstand bezeichnete er es, dass sich Bebbo Schuller bereit erklärt hat, seine Arbeit zur Erhaltung der Schnaittenbacher Flurdenkmäler fortzuführen.

Heimatverbundenheit sowie die Liebe zur Natur und zur Schöpfung bewegten Beppo Schuller (09622/71 79 67, bebbo.schuller@t-online.de) nach eigenen Aussagen dazu, dieses Ehrenamt zu übernehmen. "Für mich sind die Flurdenkmäler im weitesten Sinne kleine Kunstwerke, die ohne Beschützer früher oder später verfallen", betonte er. Er möchte eng mit der Bevölkerung zusammenarbeiten, um noch nicht bekannte Geschichten zu den Flurdenkmälern zu erfahren oder Instandsetzungs-Wünsche entgegenzunehmen.
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