Eine Stadt feiert sich selbst

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (rechts) überreichte in seiner Funktion als "Patenonkel" dem Schnaittenbacher Bürgermeister Sepp Reindl ein Exemplar der limitierten Auflage des Amberger Stadkrugs.
Lokales
Schnaittenbach
29.10.2014
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Schnaittenbach feierte den 60. Jahrestag der Stadterhebung - und viele Ehrengäste, aber auch zahlreiche Bürger feierten mit. Und natürlich die Paten.

Bürgermeister Sepp Reindl bezeichnete die Erhebung des Marktes Schnaittenbach zur Stadt vor 60 Jahren als eine der "bedeutendsten Feierstunden unserer Ortsgeschichte". Nach einem witzigen Einakter der Arbeitsgruppe Theater der Grundschüler, die ebenfalls dieses Ereignis thematisierten, erinnerte sich der Gemeindepräsident der Patenstadt Buchberg in der Schweiz, Hanspeter Kern, an die Anfänge der Patenschaft und die Verwechslung der Postleitzahlen.

An alter Handelsstraße

Nach den Grußworten von Michael Cerny, dem Oberbürgermeister der Patenstadt Amberg, und stellvertretendem Landrat Franz Birkl sowie einem Musikstück der Ehenbachtaler Trachtenkapelle hielt Bürgermeister Sepp Reindl seine Festansprache. "Schnaittenbach, vor 60 Jahren vom Kaolinabbau und der Landwirtschaft mehr geprägt als heute, ein wohl eher kleiner Ort an der bereits im Mittelalter bedeutenden Handelsstraße von Nürnberg nach Prag gelegen, und von der räumlichen Nähe zum Eisernen Vorhang nicht gerade bevorteilt, erhielt durch diese Stadterhebung zweifelsohne einen enormen Anschub", betonte er und warf einen Blick in die Zukunft. Der dramatische und rasante Wandel der Gesellschaft mit niedriger Geburtenrate, höherer Lebenserwartung und einer zunehmenden Wanderbewegung vom ländlichen Raum in die städtischen Ballungszentren stelle die Kommunalpolitik vor erhebliche infrastrukturelle Schwierigkeiten.

Heute könne eine aktive Bürgerbeteiligung an der künftigen Gestaltung des ländlichen Raumes nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Der Entwicklung der Entvölkerung ganzer Landstriche kann nur erfolgreich entgegentreten werden, wenn es gelingt, in einer globalen Welt den Menschen Orientierung zu geben, damit sie sich in ihrer Heimat zu Hause fühlen können, ohne darauf zu verzichten, sich weltweit umzuschauen", sagte er.

Reindl nahm Bezug auf das Thema Heimat und stellte fest: "Je mehr uns täglich eine Fülle von Informationen und weltweiten Datenflüssen überrollt, umso mehr brauchen die Menschen einen festen Halt, von dem aus sie die täglichen Anforderungen meistern." Gerade dabei bekomme der Begriff Heimat eine neue Bedeutung, "für jeden von uns in einer anderen Definition". Damit im direkten Zusammenhang stehe die Frage, ob man gerne in seiner Stadt wohne. Denn dies sei ein einfacher, aber aussagekräftiger Indikator für die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Wohnort.

Nötige Infrastruktur

In diesem Zusammenhang verwies der Schnaittenbacher Bürgermeister auf die Bemühungen der Stadt auf kulturellem und sozialem Gebiet und die enormen Investitionen in die weichen Standortfaktoren. Selbstverständlich müsse die Stadt die nötige Infrastruktur für die Bürger schaffen. Begriffe wie demografischer Wandel, Integration, Inklusion, Digitalisierung, Individualisierung oder lebenslanges Lernen nannte Reindl als Schlagworte der heutigen Zeit, an denen sich die Kommunen, aber ganz besonders die hohe Politik zu orientieren hätten.
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