Gottesdienst und Gedenkstunde am Volkstrauertag
Friede niemals sicher

Lokales
Schnaittenbach
17.11.2015
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(ads) Traditionell gedachten die Schnaittenbacher am Volkstrauertag mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Vitus und einer Feierstunde am Ehrenmal der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Nach der Messe zogen Pfarrer Josef Irlbacher, die Fahnenabordnungen der Vereine, Stadträte und Bevölkerung zum Ehrenmal, wo stellvertretender Bürgermeister Uwe Bergmann die Gedenkansprache hielt. Die Ehrenwache stellte das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd, die musikalische Gestaltung übernahm die Trachtenkapelle.

"Wo Menschen schweigen, sprechen die Steine", zitierte stellvertretender Bürgermeister Uwe Bergmann Heinrich Heine. Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges erinnere man am Volkstrauertag an Holocaust, Massenmord und Barbarei im Nationalsozialismus. Die Schreckensbilder in den Nachrichten machten deutlich, dass die Welt auch heute nicht vom Frieden regiert werde und Menschen nach wie vor unter Hunger, Krieg und Verfolgung litten. Er sprach die Flüchtlingssituation an und den sich daraus ergebenden Zustrom asylsuchender Menschen in Europa. "Angesichts der Kriege und Katastrophen dieser Welt werden die derzeit zwölf Millionen Flüchtlinge nach einer besseren Zukunft suchen", machte Bergmann klar. In Anlehnung an die Worte Willy Brandts "Die reichen Nationen werden nicht reich bleiben, wenn die Armenhäuser der Menschheit wachsen", zeigte sich der stellvertretende Bürgermeister sicher, dass die Welt wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht werden müsse. Momentan sei aber ein Rückgang der Akzeptanz für Zuwanderung und Integration auszumachen, verbunden mit einer gefährlichen politischen Polarisierung der Gesellschaft. Laut Bergmann wissen die Deutschen um die Verantwortung, "die ihnen aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts erwachsen ist und die ohne Zweifel den Tiefpunkt menschlicher Geschichte markieren". Heute lebe man hierzulande in einer stabilen Demokratie: "Dies muss uns Auftrag und Verpflichtung gleichermaßen sein."

Der Volkstrauertag sei ein Tag der Trauer, aber auch der Versöhnung und Verständigung. Auch wenn dieses seit 70 Jahren überwiegend befriedete Europa angesichts der aktuellen Krisen Schaden zu nehmen scheine, solle man sich an die Worte von Altkanzler Helmut Schmidt erinnern: "Wir Europäer können in diesem Weltgefüge nur gemeinsam bestehen, nur gemeinsam unsere Werte von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit behaupten." Ein wirklicher Friede sei niemals sicher. Das sei auf tragische Weise bei den jüngsten Terroranschlägen in Frankreich mit rund 130 Toten vor Augen geführt worden. Dennoch sei Europa ein Bollwerk der Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte. Bergmann legte einen Kranz am Ehrenmal nieder.
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