Schnelle Route

Rainer J. Christoph (links) hatte interessante Daten und Geschichten über die sogenannte Verbotene Straße vorzutragen. Arbeitskreisleiter Heinz Steinkohl und Bürgermeister Sepp Reindl (rechts) waren sehr angetan.
Lokales
Schnaittenbach
30.09.2015
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Eine Reise zurück in das 14. Jahrhundert unternahm Rainer J. Christoph im Schnaittenbacher Kulturstadl. Die Zuhörer verfolgten seinen Vortrag, in dem es um die Goldene, aber auch um die Verbotene Straße ging, die den Abschnitt zwischen Hirschau und Kladruby (Kladrau) auf der Handelsstraße Nürnberg - Prag markiert.

Rainer J. Christoph, der Vorsitzende des Fördervereins Goldene Straße, beleuchtete zunächst die Veränderungen im Böhmischen Reich im Spätmittelalter. Diese waren begründet mit der Herrschaftsübernahme durch die Luxemburger, Anfang des 14. Jahrhunderts durch Johann von Luxemburg.

Neue Reichsstraße

Weiter erklärte er, dass der Begriff Verbotene Straße, nicht negativ zu bewerten sei. Die Namensgebung sei nicht, wie oft vermutet, durch Kaiser Karl IV erfolgt, sondern erst im 19. Jahrhundert durch den Altstraßenforscher Anton Dollacker. Ausgehend von einem Dekret des Kaiser Karl IV. aus dem Jahre 1367, welches besagt, dass die Böhmenkönige den Weg über Bärnau nach Nürnberg nehmen müssen. Dies war wohl auch im Misstrauen gegenüber der Burggrafen von Lechtenberg begründet, und so wurde diese Route zur neuen Reichsstraße.

Mit Strafe wurde die kürzere Trasse der heutigen Bundesstraße 14 von Hirschau bis Kladruby verboten. Der Begriff Goldene Straße hat sich aber erst später eingebürgert. Der Kaiser wollte auf seinem Weg von Prag nach Nürnberg auf eigenem Territorium und nicht durch das Gebiet der Leuchtenberger Burggrafen reisen. Vorrangig ging es ihm wohl darum, die Länder der Böhmischen Krone zu stärken und Prag in den Wirtschaftsraum bis ins reiche Flandern einzubinden. Da die befohlene Umleitung kaum Zollstellen hatte, galt die Straße auch für Handelszüge.

Christoph berichtete, dass Karl IV. selbst die von ihm befohlene Route nicht immer einhielt. Dies lasse sich am Transport der Reichskleinodien von Karlstein nach Nürnberg im Jahre 1350 nachvollziehen. Belegbar sei der Abgang in Prag am 29. März 1350, der Transport über Waidhaus sowie die Ankunft in Nürnberg am 3. April. Aus diesem Bericht könne gut ersehen werden, wie lange damals die Reise von Prag nach Nürnberg dauerte.

Reiter und Wägen

So gesehen, dürfte der Zug am 1. April 1350 Schnaittenbach durchquert haben. Dies sei der Bevölkerung mit Sicherheit nicht entgangen, da der Tross aus mehreren hundert Reitern und einer großen Anzahl von Wägen bestanden habe. Aber auch schaurige Geschichten haben sich zugetragen, beispielsweise am 15. April 1559. So wurde Vizenz Rajsky, der reichste Viehhändler und Ratsherr zu Pilsen, auf der Pragerstraße bei dem Dorf Oberlind kurz vor Vohenstrauß ermordet und ausgeraubt. Sein Vermögen wurde auf 100 000 Meißner Taler geschätzt, in seinem Haus beherbergte er des öfters Kaiser Ferdinand mit Gemahlin. Im 16. Jahrhundert hat die Goldene Straße ihre Bedeutung wieder verloren und die Handelswege verliefen wieder auf der kürzeren Route.
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