Sterbebilder von anno dazumal: Hinterbliebenen kommt Humor nicht gänzlich abhanden - ...
"... im 17. Jahr, just als sie zu brauchen war"

Lokales
Schnaittenbach
03.12.2015
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Einen kurzweiligen Abend kündigte der Sprecher des Arbeitskreises Heimat und Kultur, Heinz Steinkohl, an. Und so kam es dann auch. "Lustig g'lebt und selig g'storbn" - unter diesem Motto stand der Brauchtumsabend, bei dem es um Sitten im Zusammenhang mit dem Sterben ging. Referent war der Heimatpfleger Josef Schmaußer, für die musikalische Gestaltung sorgten Sabine Kroll und Heinz Steinkohl.

"Früher starben die Leute daheim und wurden auch dort aufgebahrt, wo Angehörige sich verabschiedeten und auch Totenwache gehalten wurde", beschrieb Schmaußer, wie es noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts üblich war. Dazu gehörten auch die Leichbeter, die die Angehörigen vom Tod informiert und zum Leichtrunk geladen hatten. Für die armen Leute habe es sogenannte Ausschuttruhen gegeben, die mehrfache Verwendung erfuhren. Die Feuerbestattung sei noch vor 15 Jahren auf dem Land eine Seltenheit gewesen. Auch die Sterbebilder haben es den Referenten angetan, er hatte einen Teil seiner Sammlung dabei. Ein Schatz ist das Bild von König Ludwig III.(1848 bis 1921).

"Früher war das Grab über fünf oder mehr Generationen in der Hand einer Familie, und Grabinschriften stellten eine Familienchronik dar", sagte Schmaußer. Dass auch beim Tod eines Angehörigen so mancher seinen Humor nicht verlor, beweisen oft Grabinschriften wie: "Hier liegt Martin Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug." Oder: "Hier liegt begraben Jungfrau Nothburg Nindl - gestorben ist sie im 17. Jahr, just als sie zu brauchen war."

Das Brauchtum um Allerheiligen war ein weiterer Aspekt, den Josef Schmaußer beleuchtete. Das Allerheiligenspitzel sei in vielen Familien noch Tradition und werde vom Firmpaten drei Jahre lang geschenkt. Der letzte sei der Spießwecken, der mindestens zwei Meter lang sein müsse und zur Hochzeit übergeben werde. Bereichert wurde der Abend durch Beiträge aus dem Publikum.
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