Vor 70 Jahren besetzte die US-Armee Schnaittenbach
Gefechtsstand im Wirtshaus

Lokales
Schnaittenbach
22.04.2015
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Heute vor 70 Jahren marschierten die Amerikaner nicht nur in Amberg ein, sondern auch in Schnaittenbach. Es war ein Sonntag und in der Stadt feierten die Kinder Erstkommunion. In Gesprächen mit Zeitzeugen hat sich der Arbeitskreis Heimat und Kultur dieses Themas angenommen. Unter anderem hat Michael Heindl in einem Bericht niedergelegt, wie er das Kriegsende und den Einmarsch der Amerikaner erlebte.

Heindls Schilderungen zufolge habe 2. Bürgermeister Lorenz Haider gegen 13.30 Uhr die Nachricht erhalten, dass die Amerikaner die Nachbarstadt Hirschau besetzen und nach Schnaittenbach vorrücken würden. Schnaittenbach sei letztendlich nicht verteidigt worden, die Amerikaner hätten die Stadt kampflos besetzt. Einige US-Offiziere seien dann mit dem 2. Bürgermeister in die Kanzlei gegangen und hätten sich über vorhandene Industriewerke und unter anderem auch über die Brieftaubenzüchter erkundigt. Georg Häusler war einer dieser Züchter und habe den Befehl erhalten, seine Brieftauben nicht mehr fliegen zu lassen. Amtsbote Georg Weigert habe auf Befehl mit der Amtsglocke die Bevölkerung zur Ablieferung von Ferngläsern, Fotoapparaten und Waffen aufgefordert und auf die Einhaltung der Ausgangssperre hingewiesen. Außerdem habe ein großer Teil der Bevölkerung Häuser und Wohnungen verlassen und den Amerikanern zur Verfügung stellen müssen.

Im Lindner-Wirtshaus und bei Dr. Winkler richteten die Amerikaner ihren Gefechtsstand und die Funkzentrale ein. Die vierköpfige Familie Lindner musste das Haus räumen und durfte nur zum Füttern der Tiere jeweils zwei Stunden am Tag zurückkommen. Resi Bothner erzählte, dass es in Schnaittenbach eine deutsche Instandsetzungskompanie gegeben habe, die beim Anrücken der Amerikaner geflohen sei. Fahrzeuge und Geschütze blieben zurück. Pferde, die Geschütze zogen, seien abgespannt worden und liefen herrenlos umher. "Einmal hatten wir große Angst, als die Amerikaner mit Gewalt in unseren Rohbau durch ein Kellerfenster einbrachen und uns mit Maschinengewehren bedrohten."

Die SS-Soldaten flüchteten

Ella Heldmann erinnerte sich an den Einmarsch in Holzhammer. Sie berichtete von der großen Angst, die in der Bevölkerung herrschte, als sich im Wald Panzer in Stellung brachten. "Amerikanische Soldaten durchsuchten Häuser und wir Kinder wunderten uns, als deutsche Soldaten unser Haus fluchtartig verließen", erzählte sie. "Sie wohnten bei uns und es stellte sich heraus, dass sie von der SS waren. Jetzt begriffen wir, warum die Besatzer unser Dorf belagerten."

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Weitere Zeitzeugenberichte im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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