Weg noch nicht zu Ende

Eine Ausstellung zur deutschen Wiedervereinigung vor 25 Jahren organisierte der SPD-Ortsverein im Kulturstadl (von links): 2. Vorsitzender Daniel Hutzler, Vorsitzender Gerald Dagner, 2. Bürgermeister Uwe Bergmann, Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, Polizeidirektor a. D. Walter Wolf und Stadt- und Kreisrat Rudolf Bergmann. Bild: ads
Lokales
Schnaittenbach
08.11.2015
3
0

Es waren aufregende Tage, als vor 25 Jahren die Mauer fiel und die deutsche Wiedervereinigung Realität wurde. Anlässlich dieses Jubiläums erarbeiteten das Auswärtige Amt und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eine Ausstellung, die die Zeit von der friedlichen Revolution im Herbst 1989 bis zum 3. Oktober 1990 aufgreift.

Der Schnaittenbacher SPD-Ortsverein musste nicht lange überlegen, als sich die Gelegenheit bot, die eindrucksvolle Schau in die Kaolinstadt zu holen. Nach der Eröffnung war sie zwei Wochen im Kulturstadl der Bevölkerung zugänglich und wurde sehr gut besucht.

Nach einleitenden Worten des SPD-Ortsvorsitzenden Gerald Dagner stellte dessen Stellvertreter Daniel Hutzler bei der Vernissage fest, dass er, Jahrgang 1989, der Ausstellung anfangs eher skeptisch gegenübergestanden sei. "Ich habe aufgrund meines Alters unsere Bundesrepublik so kennengelernt, wie sie ist. Die deutsch-deutsche Vergangenheit nahm im Geschichtsunterricht wohl nicht den Raum ein, den sie verdient, wie ich, nachdem ich mich mit dem Thema nun näher befasst habe, meine,", sagte er. 25 Jahre deutsche Einheit - dieses Ereignis sollte besonders die Jugend, also die Jahrgänge nach 1990, beachten und auch verinnerlichen, wozu die Ausstellung ihren Beitrag leisten könne.

Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch widmete sich in seinem Referat dem Thema "Die Wiedervereinigung und ihre politische Bedeutung für Deutschland und Europa". Als "zauberhafte Zeiten" wertete er die Tage im Oktober 1990, als in Leipzig das Volk der DDR das Regime sanft gestürzt und die deutsche Einheit selbst herbeigeführt habe.

Auch wenn sich Bundeskanzler Helmut Kohl und SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine damals über diese Ereignisse nicht einig gewesen seien, so sei nach 25 Jahren Wiedervereinigung zu sagen: "Ja, das ist das vereinte Deutschland, wir sind eine Nation, wir sind ein Land." Grötsch verhehlte nicht, dass auch nach dem Fall der Mauer die Teilung Deutschlands in den Köpfen noch immer nicht ganz überwunden sei. Aufgabe der älteren Generationen sei es, an den Weg zur deutschen Einheit zu erinnern und darauf hinzuweisen, dass dieser Weg noch immer nicht zu Ende sei. Er wies auf die unterschiedlichen Renten und Löhne in Ost und West und auch auf das Unrecht hin, das die Menschen im Osten erfahren hätten. "Es hat Gründe, wieso in diesen Tagen die Menschen im Osten anders auf die hohe Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland reagieren als die im Westen", unterstrich Grötsch.

Aufgabe der Politik und der Zivilgesellschaft sei es, wachsam zu sein und sich die Frage zu stellen, "wieso die Menschen im Osten nach 25 Jahren noch nicht in der Lage sind, die selbst erfahrene Solidarität nun an andere Menschen weiterzugeben". Hier zeige sich, dass noch viel zu tun und die deutsche Einheit ein fortwährender Prozess sei, dessen erste Hürde die Deutschen vor 25 Jahren erfolgreich gemeistert hätten.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.