Amberg-Sulzbach: Rufschädigung bei Spediteur Frank Heindl
Spediteur wehrt sich: Anzeige

Politik
Schnaittenbach
12.08.2015
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Als Rufschädigung betrachtet Frank Heindl die Vorwürfe, die im AZ-Artikel "Spediteur wird rabiat" vom 6. August gegen ihn erhoben wurden. Er hat deshalb den Fahrer angezeigt, der der Polizei erzählte, Heindl habe ihn geschlagen.

Der 54-jährige Berufskraftfahrer, der erst seit wenigen Tagen für die Spedition von Heindls Tochter arbeite, hatte den Beamten gegenüber angegeben, Heindl habe ihn nach einem Streit um Lohn erst mit den Fäusten traktiert und dann sein Handy aus einer Tüte gestohlen, die vor seinem Lkw lag. Laut Polizeibericht vom 5. August hatte sich der 54-Jährige anschließend auf einer Wiese versteckt und die Polizei verständigt. Daraufhin waren Streifenbesatzungen zum Wohnort des Spediteurs gefahren und hatten das Handy sichergestellt.

Gleich fristlos gekündigt

Frank Heindl bemüht sich, ruhig zu bleiben, wenn er über die Geschehnisse dieser Nacht und ihre Vorgeschichte spricht, aber man sieht, wie es in ihm arbeitet. Falschaussage, Nötigung, Beleidigung, Bedrohung und Rufschädigung wirft er dem inzwischen gekündigten Fahrer in seiner Anzeige vor. Der habe erst seit dem 29. Juli für die Firma gearbeitet, auf Probe. Für seine erste Tour nach Frankreich sei er mit 900 Euro in bar, einem Firmenhandy und einer Kreditkarte ausgestattet worden. "Die 900 Euro hätten locker reichen müssen", erzählt Heindl. Doch der Fahrer habe angerufen, er brauche mehr, und habe weitere 500 Euro übermittelt bekommen. Außerdem 350 Euro Lohnvorschuss auf sein Privatkonto. In Frankreich habe der Mann aber sehr viele Fehler gemacht ("der ist dort kreuz und quer gefahren") und einen Unfall gebaut. Heindl und seine Tochter, die die Spedition leitet, sprachen ihm deshalb laut Heindl am 4. August telefonisch die fristlose Kündigung aus. Schon da sei der 54-Jährige beleidigend geworden und habe gedroht: "Warte nur, bis ich wieder in Schnaittenbach bin."

Das war dann schon am Tag darauf der Fall - unerlaubt, wie Heindl betont, denn der Mann hätte auf der Rückfahrt eigentlich in München Fracht mitnehmen sollen. Für Heindl war das Arbeitsverweigerung. "Du kannst dein Zeug packen", habe er dem Mann deshalb gesagt, als dieser gegen 21.45 Uhr im Schnaittenbacher Industriegebiet aufschlug. Auf die erneuten Beleidigungen und Drohungen des 54-Jährigen hin habe er ihn dort stehenlassen, nachdem der Mann erzählt hatte, dass er schon jemand anders angerufen habe: "Dann fährst du mit dem heim."

Den Lkw-Schlüssel, das Firmenhandy und die Lieferpapiere nahm Heindl nach eigener Schilderung in der Fahrermappe mit. Dass auch das Privathandy des 54-Jährigen darin war, habe er nicht gewusst. Damit verband sich aber der Vorwurf des Diebstahls, der die Polizei auf den Plan rief. Sie erschien laut Heindl um 23 Uhr - er habe bereits geschlafen - mit acht Mann bei seiner Wohnung. "Sie haben Ihren Fahrer niedergeschlagen", sei ihm eröffnet worden. "Kein Wort wahr", meint Heindl dazu gegenüber der AZ. "Ich habe ihn vielleicht Depp und Lügner genannt, aber bestimmt nicht angefasst. Er war es, der mich geschubst hat."

Das Handy habe die Polizei dann in der Mappe gefunden und sichergestellt. Da der Fahrer den Beamten erzählt habe, dass sein Arbeitgeber während der Attacke nach Alkohol gerochen habe, hätten die ihn auch einen Alkotest machen lassen. Ergebnis: 0,1 Promille.

Schwer hat Heindl an dem unterschwelligen Vorwurf zu kauen, er habe dem Fahrer seinen verdienten Lohn vorenthalten. "Wir sind keine Firma, die ihre Leute nicht bezahlt", sagt er. Nach fünf Arbeitstagen sei gar kein Lohn fällig - er legt als Beweis den Arbeitsvertrag vor. Außerdem habe der Mann den erwähnten Vorschuss bekommen. Und sich im Gegenzug nur undankbar gezeigt: "Er hat uns den Schaden mit voller Absicht zugefügt - ich habe bis jetzt noch keine Quittungen - und uns mit Lügen und Falschaussagen überzogen." Nach den "wirren Anrufen", in denen der 54-Jährige ihm am Wochenende in Frankreich mitgeteilt habe, er müsse jetzt nach Hause, weil seine Mutter oder seine Frau krank seien, stuft Heindl den Mann als "Märchenerzähler" ein.

Später Widerspruch

Was passiert jetzt nach der Anzeige von Heindl? Laut Polizei-Pressesprecher Peter Krämer bekommt die ein Sachbearbeiter, der Heindl und den Fahrer dazu vernehmen werde. "Und wenn es ganz ausermittelt ist, wird es der Staatsanwaltschaft zur Entscheidung vorgelegt." Dass das Privathandy des Fahrers bei Heindl gefunden wurde, sei wohl unstrittig. Dass Heindl nicht geschlagen habe, sondern selbst geschubst worden sei, habe dieser in der Tatnacht den Beamten offensichtlich nicht mitgeteilt. "Sonst hätten wir im Pressebericht geschrieben, dass sich die Angaben dazu widersprechen."
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