"Im Stich gelassen"
Schnaittenbach protestiert gegen Sparkassen-Pläne

Unserer Meinung nach kann und darf es nicht das Ziel eines regional verwurzelten Finanzinstituts sein, grundsätzliche, wirtschaftliche Überlegungen über eine flächendeckende Versorgung mit qualifizierter Finanzberatung zu stellen.
Politik
Schnaittenbach
14.12.2015
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So harsch wie Freihung reagiert die Stadt Schnaittenbach (vorerst) nicht auf die Pläne der Sparkasse Amberg-Sulzbach zur Schließung der örtlichen Filiale. Zwischen den Zeilen aber hat Bürgermeister Josef Reindl den Verantwortlichen des Geldinstituts deutlich die Meinung gesagt.

Er gab in der Sitzung des Stadtrats den "Protestbrief" bekannt, den er auf Anregung des Gremiums an Verwaltungsrat und Vorstand des Sparkasse geschickt hatte. Darin heißt es, bereits im September seien die Schnaittenbacher Kunden schriftlich darauf hingewiesen worden, dass die Zweigstelle nur noch als Technikfiliale mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker geführt werden solle.

Zu spät informiert


Die Meinung des Stadtrats dazu fasste Reindl so zusammen: Es sei unbestritten, dass auch die Sparkasse angesichts der Veränderungen in der Finanzwelt vor großen Herausforderungen stehe. Dass dabei Zweigstellenschließungen oder Abstufungen zur Beibehaltung wirtschaftlicher Stabilität angedacht würden, liege auf der Hand. "Allerdings hätte die Stadt Schnaittenbach erwartet, dass sie als betroffene Kommune bereits im Vorfeld beteiligt und gemeinsam Alternativlösungen diskutiert worden wären." Man sei aber erst nachträglich informiert worden, "dass eine künftige Beratungsleistung für die Kunden der Zweigstelle vor Ort und damit der direkte Bezug zu 'seinem Berater' nur noch in ... Hirschau möglich sein wird, obwohl die Stadt Schnaittenbach immer noch einen Bevölkerungsstand von etwa 4200 Einwohnern aufweist und auch die demografische Entwicklung keinesfalls einen überdurchschnittlichen Negativtrend erwarten lässt. Dies lässt sich unseres Erachtens mit dem gesetzlichen Auftrag der Sparkasse, auch den ländlichen Raum zu versorgen, keinesfalls in Einklang bringen."

Es trifft die Senioren


Es dürfe nicht das Ziel eines regional verwurzelten Finanzinstituts sein, "grundsätzliche, wirtschaftliche Überlegungen über eine flächendeckende Versorgung mit qualifizierter Finanzberatung zu stellen". Die Abstufung zu einer Technischen Filiale treffe insbesondere ältere, weniger mobile Bürger, die sich üblicherweise auch nicht mehr dem Thema Online-Banking näherten. "Die ältere Generation ist deshalb auf den Sparkassenberater vor Ort angewiesen und findet künftig oftmals nur unter erschwerten Bedingungen die Möglichkeit, zu einer Bankberatung in die fünf Kilometer entfernte Filiale in Hirschau zu kommen. Genau diese Menschen fühlen sich nun von der Sparkasse im Stich gelassen."

Reindl bemerkt, "dass wir die in Ihren Kundenanschreiben vom September vermittelte Euphorie - gipfelnd in dem Slogan 'Wir warten nicht auf die Zukunft - wir gestalten sie' - weder für die Sparkassenkunden vor Ort noch für die Stadt selbst nachvollziehen können". Er fordert die Verantwortlichen auf, "Ihre Entscheidung ... nochmals zu überdenken und zu revidieren".
Unserer Meinung nach kann und darf es nicht das Ziel eines regional verwurzelten Finanzinstituts sein, grundsätzliche, wirtschaftliche Überlegungen über eine flächendeckende Versorgung mit qualifizierter Finanzberatung zu stellen.Bürgermeister Josef Reindl


"Sehr oberflächlich"Die Antwort der Sparkasse auf das Schreiben von Josef Reindl war schon eingegangen, bevor er es im Stadtrat bekanntgab. Der Bürgermeister nannte den Inhalt der Mitteilung "sehr oberflächlich", auf die spezifische Situation in Schnaittenbach werde nicht eingegangen. Umso dankbarer zeigte sich Reindl, dass die konkurrierende Raiffeisenbank ihr Beratungsangebot in Hirschau, Schnaittenbach und Freudenberg aufrechterhalte. (usc)
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