Reinhold Strobl feiert Geburtstag
Zum 65. nur fromme Wünsche

Der 65. Geburtstag am Sonntag ist für Reinhold Strobl kein Grund für schlechte Laune - auch wenn er damit den Abschied vom SPD-Kreisvorsitz verbinden will. Bild: Hartl
Politik
Schnaittenbach
08.05.2015
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Es liegt wohl an seiner Körpergröße, dass man Reinhold Strobl öfter mal als Typ ruhiger und gemütlicher Brummbär wahrnimmt. Aber es gibt durchaus Sachen, die ihn auch mit 65 Jahren noch grantig werden lassen.

"Wenn ich denke, das ist ungerecht, dann kann ich mich richtig aufregen", sagt der Sozialdemokrat aus Schnaittenbach kurz vor seinem halbrunden Geburtstag. "Wenn ich zum Beispiel sehe, woanders geht das, bei uns aber nicht."

"Wechsel wäre mal gut"

Es gehört wohl zum Schicksal der Oppositionsabgeordneten in Bayern, dass man jede ihrer kritischen Äußerungen immer sofort auf die Dauerregierungspartei CSU bezieht. Aber Strobl macht das Spiel auch gerne mit. Was es denn wäre, wenn er zum 65. einen politischen Wunsch frei hätte? Die Antwort überrascht nicht: "Einfach mal einen Wechsel in Bayern, damit die Strukturen aufgebrochen werden. Das wäre mal gut." Strobl lächelt etwas: "Aber das wird nicht gleich übermorgen passieren." Diese Erkenntnis entspringt nicht der Resignation eines Menschen, der sein Leben lang vergebens gegen die herrschende Meinung angerannt ist, sondern dem Realitätssinn des erfahrenen Politikers. Strobl vertrat seine Partei und seine Heimat von 1999 bis 2002 im Bundestag; seit 2005 sitzt er im Landtag.

Über 30 Jahre an der Spitze

Ob er sich jetzt - im früheren Rentenalter angekommen - schon Gedanken über den Ruhestand gemacht hat, will Strobl eigentlich gar nicht sagen. Lediglich ein nicht wirklich erhellendes "die Entscheidung muss man dann treffen, wenn es so weit ist" kann man ihm entlocken. Dann aber gibt er doch preis, was er sich zum SPD-Kreisvorsitz überlegt hat: Den will Strobl, inzwischen über 30 Jahre im Amt, abgeben, im Herbst, bei der nächsten Kreiskonferenz. Die engere Führung weiß schon Bescheid, dass er mit 65 gerne an eine Jüngeren übergeben möchte. "Platz machen für neue Ideen, solange man seinen Abgang noch selbst bestimmen kann" lautet da Strobls Devise.

Lebendige Volkskultur

Viel mehr Zeit mit Ehefrau Mathilde daheim in Schnaittenbach wird er dadurch aber auch nicht verbringen können. Die eine oder andere zusätzliche Mußestunde am Sonntagabend auf der Terrasse - den Buchberg vor Augen - sollte aber schon rausspringen. Der Gemütsmensch Strobl schätzt an seinem Geburtsort Schnaittenbach nicht nur die herrliche Landschaft, sondern auch die lebendige Volkskultur. "Ihr wisst ja nicht, was auf dem Land alles geboten ist", hat er seinen Abgeordnetenkollegen aus den größeren Städten oft erzählt, wenn sie von den kulturellen Höhepunkten dort schwärmten. "Bei uns wird Kultur produziert, ihr konsumiert sie nur noch."

Politik mach noch heute Spaß

Vielleicht hat es Strobl auch deshalb nie aus seiner Heimat fortgezogen. Er lernte hier in der Lampenfabrik von Fritz Kaa den Beruf des Industriekaufmanns, war zwei Jahre beim Grenzschutz in Schwandorf, arbeitete in einer Spedition und einem Verwaltungsfachverlag. Bis dann die hohe Politik rief. Die macht ihm heute noch Spaß, sagt Strobl, "vor allem, wenn man was bewegen kann, und wenn es Kleinigkeiten sind". Man müsse aber damit zurechtkommen, dass sich ihre Mühlen oft langsam drehen. Nicht verstehen will der Sozialdemokrat dagegen, wenn Menschen zu schnell etwas für sie Nachteiliges akzeptieren, "wenn sie es mit ein bisschen mehr Engagement relativ leicht abbiegen könnten".

Spenden für Blaskapelle

Weil der private Wunsch zum 65. ein Geschenk der schwierigeren Art ist ("lange gesund bleiben") und weil er eigentlich alles hat, was er zum Leben braucht, stellt Reinhold Strobl bei seiner offiziellen Geburtstagsfeier am Sonntagvormittag beim Saller in Schnaittenbach eine Spendenbox zugunsten der örtlichen Jugendblaskapelle auf. "Die brauchen immer Geld, für Instrumente oder für den Unterricht." Reden sollen bei diesem ungezwungenen Frühschoppen nach Strobls Vorstellung nicht geschwungen werden. Kommen kann aber jeder, der gratulieren will - "solange die Weißwürste reichen".
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