"Selbstbewusst" für neue Schule

Die Naabtal-Realschule besuchen derzeit 81 Jungen und Mädchen aus dem nordöstlichen Landkreis. Der Löwenanteil kommt sogar aus Schnaittenbach, weil für diese Kinder die Busverbindung nach Nabburg wesentlich besser ist als beispielsweise nach Sulzbach-Rosenberg. An der Naabtal-Realschule wird aktuell erneut saniert. Bild: Götz
Politik
Schnaittenbach
24.04.2015
9
0

Wie schnell würde sich eine neue Realschule im nordöstlichen Landkreis etablieren? Und wie (rasch) entscheiden sich Eltern in Schnaittenbach um, ihre Kinder hierhin zu schicken und nicht mehr an die seit langem beliebte Realschule nach Nabburg? Zwei Kernfragen, mit denen sich der Stadtrat befasste.

Die SPD-Fraktion hatte per Antrag dafür gesorgt, dass das Thema aktuell auf der Tagesordnung landete, nachdem die Amberger Realschule vor rund sechs Wochen verkündet hatte, wegen Überfüllung für drei Schuljahre keine Fünftklässler vor allem aus den nördlichen Landkreisgemeinden mehr aufnehmen zu können. Wie berichtet, wurde für sie als Alternative die Sulzbach-Rosenberger Walter-Höllerer-Realschule angeboten, die aber von den Busanbindungen her für Hirschauer und Schnaittenbacher Kinder nicht günstig zu erreichen ist.

81 fahren nach Nabburg

Aus dieser Landkreis-Ecke fahren schon jetzt viele lieber nach Nabburg - aktuell 81 Jungen und Mädchen -, die sich jenen Weg bei einer wohnortnahen Realschule beispielsweise in Hirschau sparen könnten. Dieser Vorschlag war zuletzt vom Schnaittenbacher Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl (SPD) gemacht und vom Rektor der dortigen Grund- und Mittelschule aufgrund freier Gebäudekapazitäten unterstützt worden. Der Landkreis stellte nach ähnlichen Diskussionen in weiteren vom Amberger Aufnahmestopp betroffenen Gemeinden nun offiziell die Anfrage ans Kultusministerium, ob in Amberg-Sulzbach die Errichtung einer neuen Realschule möglich wäre.

Nach Hirschau sprach sich auch der Schnaittenbacher Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend einhellig dafür aus, dieses Ansinnen mit der Nachbarstadt als Wunschstandort zu unterstützen. Zuvor hatte Erich Findl vom Landratsamt aktuelle Schülerzahlen und eine Prognose ihrer Entwicklung bis ins Jahr 2035 vorgelegt, die er am Montag bereits im Kreistag vorgestellt hatte (AZ berichtete). Auch auf dieser Basis - und im Hinblick auf Vorgaben des Ministeriums, wie die in Hirschau eher als zweifelhaft anzusehende Dreizügigkeit der Realschule - warnte Markus Nagler für die CSU-Fraktion, dass die Realisierungschancen des Vorstoßes "überschaubar sind".

Versuch einfach mal wagen

Stadträte der SPD und der Freien Wählergemeinschaft plädierten jedoch dafür, diesen Versuch einfach mal zu machen, auch um Schnaittenbach als Wohn- und Schulstandort zu stärken. "Wenn wir uns hier in unserer Euphorie bremsen, würden wir das falsche Fass aufmachen", meinte zum Beispiel FWG-Fraktionschef Manfred Schlosser. "Irgendwann sind wir mal dran mit dem Erhalt einer Landkreis-Einrichtung", meinte auch Bürgermeister Sepp Reindl, der prinzipiell appellierte, "so viel Selbstbewusstsein" für diese Forderung zu haben.

Doch er versuchte ebenso das "Anspruchsdenken" mancher Eltern und Kinder herunterzuschrauben, die Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten auf den Bus oder zwischen zwei Verbindungen schon als "schlimm" empfänden. "Ich war auch jahrelang Fahrschüler und möchte keine Stunde davon missen", sagte Reindl mit Blick auf seine Kindheit und die Jugend, die solche vermeintlichen Leerlaufzeiten schon zu nutzen wisse.

Der Bürgermeister warnte auch vor einer "Gefahr für den M-Zug an unserer Mittelschule", wollte aber die Diskussion um Sinn und Zweck dieses Zweigs im Vergleich zur Realschule nicht eröffnen. Für seinen Stellvertreter Uwe Bergmann (SPD) wäre eine weitere Schule für das Schnaittenbacher Einzugsgebiet in jedem Fall eine "Aufwertung". "Die eine oder andere Behördenverlagerung funktioniert doch auch", forderte er Mut für diesen Vorstoß und einen "Ruck" im Kultusministerium. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: Stadtrat (438)Schule (575)Kultusministerium (22)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.