Beim Februar-Haflinger-Stammtisch Referat über „EIA-Infektion, Symptome und was dann?“
Gefahr aus Rumänien

Auf aufmerksame Zuhörer traf Dr. Susanne Tröster bei den Haflingerzüchtern mit ihrem Referat über die gefährliche EIA-Infektion. Bild: hfz
Vermischtes
Schnaittenbach
14.03.2016
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Sie hat schon in der Schweiz, in London und Hongkong und zuletzt in Hannover ihre tierärztlichen Erfahrungen gesammelt. Nun kam die Veterinärin Dr. Susanne Tröster nach Kemnath am Buchberg. Sie sprach bei den Haflingerzüchtern über EIA.

Kemnath am Buchberg. Beim Februar-Haflinger-Stammtisch im Vereinslokal Lubersaal starteten Züchter und Pferdefreunde ihre Reihe von Züchterreferaten für 2016 mit dem aktuellen Thema "EIA-Infektion, Symptome und was dann?". Auf Vorschlag von Zuchtleiter Hans Weich (Hirschau) wurde als Referentin die weit gereiste und engagierte Tierärztin Dr. Susanne Tröster (Hirschau) gewonnen. In einem interessanten und verständlichen Vortrag vermittelte sie zahlreichen Mitgliedern und auswärtigen Pferdehaltern die Besonderheiten und Auswirkungen der weltweit verbreiteten Pferdeseuche.

Lebenslang infiziert


EIA steht für Equine infektiöse Anämie, was übersetzt ansteckende Blutarmut bei Einhufern bedeutet. Wie jede andere Tierseuche (Pferdepest, Druse, Herpes, Tollwut) unterliegt sie der Anzeigepflicht nach dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) bei den zuständigen Tierärzten oder Veterinärämtern, um schon bei Verdacht vor weiteren Verlusten und Ansteckungen zu schützen. Diese Viruserkrankung attackiert das Immunsystem der Einhufer (Pferde, Esel, Ponys, Maultiere, Zebras), indem der Retrovirus, verwandt mit dem HIV-Virus, die Blut- und Immunzellen befällt und die roten Blutkörperchen zerstört. Ein infiziertes Tier bleibt lebenslang Träger der Viren und damit eine Gefahr für alle anderen empfänglichen Tiere. Behandlungsmöglichkeiten oder gar eine Heilung gibt es nicht, da in Europa kein Impfstoff zugelassen ist.

Die Krankheit ist weltweit verbreitet. Sie tritt in Europa insbesondere in Rumänien gehäuft auf. Vorsicht gilt beim Import von Tieren aus dieser Region. In Deutschland waren 2010 noch 19 Betriebe und 2014 keiner mehr befallen. 2015 aber wurden in Bayern in den Landkreisen Rosenheim und Schwandorf je drei und Regensburg zwei Betriebe angezeigt.

Es gibt drei Formen von Symptomen und Krankheitsbildern. Bei der perakuten Form kommt es zum plötzlichen Tod ohne klinische Symptome. Der akute Status zeigt sich durch Fieber bis 41 Grad, Apathie, erhöhte Puls- und Atemfrequenz. Die chronische Form offenbart über Wochen und Monate wiederkehrendes Fieber, diffuse Blutungen in Augen und Maulraum, einhergehend mit blutigem Durchfall, Leistungsschwäche und Gewichtsverlust.

Der Coggins-Test


Mit letzter Sicherheit gibt der Coggins-Test Aufschluss, mit dem sich Antikörper im Blut gewöhnlich sieben bis 14 Tage nach der Infektion nachweisen lassen. Die Übertragung erfolgt meist durch blutsaugende Insekten (Bremsen, Stechmücken) sowie durch Speichel und Urin eines infizierten Einhufers.

Bei EIA-Verdacht muss der Tierhalter unverzüglich alle Einhufer aufstallen, seuchenverdächtige Tiere absondern und getrennt versorgen, eine Insektenbekämpfung im Stall vornehmen und sämtliche Behälter und Gegenstände, die mit dem infiziertem Tier in Berührung kamen, unschädlich beseitigen. Ist der Ausbruch der Seuche amtlich festgestellt, ordnet die Veterinärbehörde die serologische Untersuchung der Einhufer des Betriebes an. Dann werden alle infizierten Tiere auf Anordnung getötet und beseitigt.

Ein Kilometer Sperrbezirk


An den Eingängen werden Schilder mit der Aufschrift "Einhufer-Blutarmut - unbefugter Zutritt verboten" angebracht. Die Behörde legt das Gebiet um den Seuchen-Betrieb in einem Radius von einem Kilometer als Sperrbezirk fest. Alle Einhufer in diesem Bereich müssen getestet werden. Bei positivem Ergebnis muss das Pferd eingeschläfert werden.

Als die Referentin alle Fragen geduldig beantwortet hatte, dankte ihr Vorsitzender Lorenz Gebert (Pirk) unter Beifall. Die Referentin stellte ihr Honorar dem Verein zur Verfügung und trat diesem sogar als aktuell 205. Mitglied bei.
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