Erinnerungen an den "Schnoittnbecka Bockl"
Vor 40 Jahren aufs Abstellgleis

Ein skurriles Bild: Im Vordergrund ist der der abgeschnittene Schienenstrang mit dem versetzten Prellbock zu sehen und dahinter die einem Katamaran nachempfundene Zentrale der MST-Reederei.
Vermischtes
Schnaittenbach
23.08.2016
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Das noch existierende, ehemalige Bahnhofsgebäude wird heute gewerblich genutzt. Bilder: sh (2)

Der Dampf des legendären "Schnoittnbecka Bockls" ist längst versiegt. Die Zugpassagiere von einst steigen heute in Busse oder Autos. Damit gehören aber auch die kleinen Flirts im Waggon zwischen Mädchen und Jungen der Vergangenheit an. Was bleibt, sind Erinnerungen.

Vor 40 Jahren endete die Lokalbahnromantik auf der "Bockerl-Bahn" Amberg-Schnaittenbach. Lange ist es her, seit im Jahre 1976 von der Bundesbahn die Personenbeförderung auf dieser Nebenstrecke aufgegeben wurde,

21,53 Kilometer lang


Vor 118 Jahren, exakt am 5. Oktober 1898, war die Nebenbahn Amberg - Schnaittenbach offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen worden. Für die an der Strecke gelegenen Orte Amberg, Schnaittenbach, Hirschau, Gebenbach, Mimbach, Ursulapoppenricht und Neumühle war dies einst ein bedeutender Tag und ein besonderes Ereignis. An der Eröffnungsfahrt, so ist in alten Unterlagen zu lesen, nahmen neben zahlreichen Honoratioren auch die Schulkinder der an den Haltestellen gelegenen Orte teil. Der Schwerpunkt auf dieser, insgesamt 21,53 Kilometer langen Bahnstrecke lag auf dem Gütertransport, besonders für die Kaolinfirmen AKW, Kick und Dorfner.

An Personenzügen verkehrten im Einweihungsjahr 1898 drei Fahrtenpaare in jeder Richtung - um die Jahrhundertwende waren es bereits sechs. Die Fahr-, Rangier- und Aufenthaltszeit für den Zug Amberg - Schnaittenbach betrug damals 75 Minuten. Sie konnte bis zum Jahr 1960 auf nur noch 37 Minuten verkürzt werden. Der Einzelfahrpreis lag 1910 bei etwa 90 Pfennig, anfangs der 70er Jahre bei etwas über drei DM.

Gerammelt voller Zug


Die romantische Bockerl-Bahn beförderte zwischen den 50ern und den 70ern mit bis zu fünf Zugpaaren neben den Berufspendlern hauptsächlich Schüler aus dem Kaolinpott und den angrenzenden Orten nach Amberg zur Berufs-, zur Handels- und zu den weiterführenden Schulen und zu den Gymnasien. Um die 350 Kinder dürften es damals gewesen sein, die für einen gerammelt vollen Zug sorgten. In den Abteilen wurden damals nicht nur vergessene Hausaufgaben nachgeholt sondern auch gar manche Freundschaften und Bekanntschaften geknüpft und die Zugfahrt, vor allem abends, die eine oder andere Turtelei genutzt.

Durch den vermehrten Einsatz von Omnibussen in den 60er Jahren auf der Strecke Amberg - Schnaittenbach verlor der Reisezugverkehr immer mehr an Bedeutung, so dass zu Beginn der 70er Jahre nur noch täglich ein Zugpaar rollte, und zwar am Morgen von Schnaittenbach nach Amberg und am frühen Nachmittag wieder zurück. Die Anzahl der Benutzer ging pro Fahrt auf circa 110 zurück und während der Ferien sogar auf etwa 20, was ein Zeichen dafür war, dass überwiegend Schüler und nur mehr wenige Berufspendler die letzten treuen Passagiere waren.

Nur noch Güterverkehr


Der Reisezugverkehr war zu dieser Zeit für die Bundesbahn nicht mehr kostendeckend, so dass Stilllegungspläne ins Auge gefasst wurden. 1976 - vor 40 Jahren - war es dann vorbei mit der Lokalbahnromantik auf der "Bockerl-Bahn": Die Personenbeförderung wurde eingestellt und der Reiseverkehr seitdem mit Bussen abgewickelt. Lediglich der Güterverkehr aus dem Kaolinpott rollt bis heute noch immer.

Seit diesen vier Jahrzehnten hat sich, zumindest was Schnaittenbach betrifft, auf dem Bahngelände einiges verändert. Der Bahnhof wurde, genauso wie die anderen, etwa in Hirschau und Gebenbach, Schritt für Schritt aufgelassen. Das 118 Jahre alte und markante Bahnhofsgebäude in Schnaittenbach wurde, ebenso wie das Gelände zwischen der Galgenbühlstraße und der Alten Kolonie veräußert und wird heute gewerblich genutzt. Der ursprünglich bis kurz vor die Kick-Rasel-Straße reichende Schienenstrang wurde abgeschnitten und der Prellbock etwa 100 Meter nach Westen zurückversetzt. Auf dem zentralgelegenen, ehemaligen Bahnhofsareal entstanden Parkplätze für Arztpraxis und ein markantes Bürogebäude der MST Mineralien Schifffahrt Spedition und Transport GmbH.
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