Hermann Frieser schildert Bräuche rund um Ostern
Hilfreiche Palmkatzerln

Vermischtes
Schnaittenbach
05.04.2016
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Über das Brauchtum rund um Ostern referierte Hermann Frieser bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Heimat und Kultur in der Gaststätte Haas.

"Was d' Leit seng, glaubn s' leichter", meinte der Referent im Hinblick auf die besondere Dramaturgie der Karwoche von Palmsonntag bis Ostermontag. Zum Beispiel der Palmesel. Der älteste Beleg dafür findet sich bei Bischof Ulrich von Augsburg im 10. Jahrhundert. Auf einem Bildnis wird die Jesusfigur, auf einem Esel sitzend, bei der Prozession mitgeführt. Die Leute schimpften gegen die Obrigkeit, als 1806 das Palmesel-Ziehen abgeschafft wurde. Zuerst kümmerte man sich nicht um das Verbot, bis dann die "Eselmetzger" anrückten - so in der Münchener Peterskirche, wo ein Gendarm dem dortigen Palmesel einfach den Kopf abgesägt hat.

Fliegende Glocken


Nach dem Einzug der Palmprozession schweigen Orgel und Glocken, die nach Rom fliegen, heißt es, und Ratschen übernehmen ihre Arbeit. Bei den Palmbuschen gibt es eine breite Palette. Manche binden Äpfel, die an den Sündenfall erinnern, oder fünf rote Bänder als Sinnbild für die Wundmale mit hinein. Die Buschen finden daheim ihren Platz beim Kreuz, während die vom Vorjahr verbrannt werden. Das Schlucken von drei geweihten Palmkatzerln soll gegen Fieber und böse Nachrede helfen. Ein weiteres Katzerl darf im Geldbeutel nicht fehlen, verhindert es doch die dortige Schwindsucht, zwei gehören einem ledigen Mädel vor dem Fortgehen in den Schuh gesteckt, "dass nix passiert". Und später werden Katzerln in die vier Ecken des Brautbetts genäht, damit nach der Hochzeit bald was passiert.

Fruchtbar durch Antlaßeier


Der Gründonnerstag, seit dem vierten Jahrhundert Tag der Fußwaschung, war auch der Antlaßtag, an dem öffentliche Büßer wieder in die Kirche aufgenommen wurden. Die an diesem Tag gelegten Antlaßeier sorgten für Fruchtbarkeit auf den Feldern, verhinderten Unheil, Krankheit und Viehseuchen. Die Bräuche werden nach dem Karfreitag hoffnungsvoller. Die Burschen entzünden das Osterfeuer und verbrennen den Judas. Dabei werden Holzbündel angekohlt, aus deren Spänen kleine Kreuze gebildet und die bei der Saatenweihe mit Palmkätzchen an drei Ecken der Saatfelder gesteckt werden, um den "Böhmesschnittermann" zu vertreiben.

Vor allem Kinder waren es, die seit Alters her an Ostern beschenkt wurden. In Deutschland wurde das Eiersammeln erst im 16. Jahrhundert üblich. Auf den Dörfern waren es vor allem die ledigen Mädchen, die mit rot gefärbten Eiern, den "Röitl-Oiern", den Burschen ihre Zuneigung verrieten. Nachmittags ging es dann zum Oiastoußn, Oiapecken oder Oiarudln, den Rollen über zwei Rechenstiele. Der Ostermontag, an dem man auch wieder tanzen durfte, wurde durch den Emmausgang zu einem besonderen Ereignis.
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