Familie Ruttmann trotzt mit Firma MST der Krise in der Container-Schifffahrt
Oberpfälzer Reeder: 85 Millionen Dollar für neue Schiffe

Die "Marguerita" ist eines von den neuen "Flex"-Schiffen, welche die MST-Flotte auf den Weltmeeren verstärken.
Wirtschaft
Schnaittenbach
18.10.2016
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Es klingt so exotisch wie eine Ananas-Pflanzung in Alaska: Inmitten des Binnenlands, in Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach), hat die auf den Weltmeeren tätige Reederei MST seit 1985 ihren Sitz. Das von Jürgen W. Ruttmann gegründete und heute von seinem Sohn Matthias M. Ruttmann geführte Unternehmen schwimmt wieder einmal gegen den Strom und investiert antizyklisch: Denn die Branche kämpft seit Jahren mit massiven Überkapazitäten in der internationalen Container-Schifffahrt.

Trotz dieser Flaute investiert das Oberpfälzer Unternehmen rund 85 Millionen US-Dollar in neue Schiffe. Die Ruttmanns schippern nämlich nicht das krisengebeutelte Stückgut über die Ozeane, sondern auf Spezialschiffen sogenanntes Schüttgut wie Getreide, Erze. Düngemittel oder Salze: "Alles, was sich schütten und saugen lässt - flüssig und trocken", sagt Matthias Ruttmann. Nach der neuen MS "Audrey-Tracy" aus Japan (34 000 Tonnen) setzt die Oberpfälzer Reederei zwei Spezialschiffe (ausgelastet durch Mehrjahres-Frachtverträge) in Fahrt. Die neuen "Flex"-Schiffe sind laut Ruttmann vielseitig einsetzbar sowohl für Trocken- als auch Flüssig-ladungen. "Dies ist weltweit in diesem Größensegment einzigartig." Gleichzeitig sind die Schiffe schlank genug, um in Nordamerika durch die 26,4 Meter engen Schleusen der Großen Seen zu bugsieren, selbst bei Eis.

Deutliche Kritik übt Ruttmann an der mangelhaften Zusammenarbeit mit Behörden und Politik: "Es dauerte fast 15 Monate bis zur Genehmigung. MST musste deshalb Millionenbeträge vorfinanzieren, die dann bei anderen Projekten fehlten und zu Verzögerungen führten."

Insgesamt umfasst jetzt der Bestand der Ruttmann-Flotte 17 Schiffe (2013: 15); dazu kommen fünf weitere im "Management" für Fonds und Reedereien. Auf See bzw. "standby" auf Land sind rund 500 Mitarbeiter. Die MST verdoppelte in den vergangenen fünf Jahren ihre Transport-Tonnage auf 5,3 Millionen Tonnen im Jahr: Ein Mehrfaches dessen, was der Donau-Hafen Regensburg im gesamten Schiffsgüterverkehr mit 1,65 Millionen Tonnen 2015 umschlug. Am Firmensitz in Schnaittenbach kümmern sich 55 Angestellte (2013: 50) um das weltweite Frachtgeschäft. Zu den eigenen Hochsee-Schiffen stoßen noch mehr als 55 Frachter des von Rotterdam aus verwalteten Schwester-Unternehmens, an dem die Familie Ruttmann beteiligt ist.

Weil das Geschäft so prächtig floriert, genehmigte die Finanzaufsicht Bafin erstmals seit 2013 wieder einen Publikumsschiffsfonds: die MST AIFM Fondsmanager GmbH als 100-prozentige Tochter der MST in Schnaittenbach. Ein weiteres Projekt haben die Ruttmanns bereits in der "Pipeline": In China erfolgt 2017/18 der Stapellauf von zwei Massengut-Frachtern von je 38 000 Tonnen. "Führende Getreide-Handelshäuser" der Welt haben dafür mit MST mehrjährige Frachtverträge geschlossen.
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