Zeitgeschichte als Wegbegleiter

Der Friedhof in Plöß ist ein stummer Zeuge der Vergangenheit.
Freizeit
Schönsee
24.06.2016
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Auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl (Zweite von links) war dabei, als Wanderführer Ernst Meindl (Mitte, kniend) bei der Exkursion nach Plöß mit interessanten Details aufwartete. Bilder: Meindl (hfz)

Es ist ein Rückmarsch in die Vergangenheit, und der Weg hält spannende und überraschende Eindrücke parat. Gemeinsam mit Wanderführer Ernst Meindl will die Stadt Schönsee die geführten Touren über die Grenze wieder aufleben lassen. Die erste Resonanz konnte sich sehen lassen.

Gemeinsam mit dem Tourismusbüro sollen die geführten Wanderungen zum untergegangenem Dorf Plöß - zwei Kilometer östlich der bayerischen Staatsgrenze - in Erinnerung gerufen werden. Treffpunkt zur ersten Tour mit Wanderführer Ernst Meindl war bei den Gedenksteinen des Heimatvereins Plöß in Friedrichshäng beim Grenzwirtshaus Gerstmeier. 28 Teilnehmer machten sich mit auf den Weg zu dieser zeitgeschichtlichen Wanderungen, darunter auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl.

Literatur besorgt


Unterwegs wartete Meindl mit zahlreichen Infos auf, die er sich unter anderem von seinem Vorgänger - dem im Vorjahr verstorbenen und aus Plöß stammenden Alfred Drachsler - geholt hatte. Zusätzlich hatte er sich Literatur über die einstige Gemeinde Plöß besorgt.

Nach zwei Kilometern Fußmarsch erreichte die Gruppe das ehemalige Ortszentrum des untergegangenen Dorfes. Zuerst wurde der sanierte Friedhof mit seiner Kirche Johannes der Täufer angesteuert. Hier erfuhr die Teilnehmerschar Wesentliches zur Historie der Ortschaft, unter anderem, dass die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1606 stammt.

Danach hielt man an der im Jahre 2005 sanierten Nepomukstatue, die früher bei der Moosburger Glashütte stand. Nach deren Stilllegung, hatte der Plößer Gastwirt Neff diese käuflich erworben und auf seinem Grundstück aufgestellt. Da der Torso nicht mehr vollständig war, konnte die Firma Flöttl aus Schönsee, nach erfolgreicher Suche eines gleichwertigen Granites, die Statue mit seinem alten unteren Teil erneuern und noch im selben Jahr erfolgte die Einweihung.

"Für Sommerfrische"


Auf dem Platz der erst im Jahre 1906 fertiggestellten Dorfkirche, einer pseudogotischen Marienkirche, bewunderten die Grenzgänger die neu errichtete Dorfkapelle. Erbauer ist Marek Hrusa, jetziger Wirt des Gasthauses in Plöß. Das Wirtshaus ist das einzig übrig gebliebene Originalgebäude des Dorfes und war einst das ehemalige Forsthaus. Im Vorjahr hatte Hrusa den Standort der ehemaligen Dorfkirche für die Errichtung der Kapelle freigelegt. Er war es auch, der auf dem ehemaligen Gelände des bekannten Gasthauses und Hotels Flor drei Ferienhäuser baute. Diese Lokalität war einst für die "Sommerfrische in Böhmen" bekannt, Gäste reisten bis aus Berlin und Prag an.

Im Jahre 1945 hatte Plöß 189 Anwesen mit 1338 Einwohnern, hier gehörten die Ortsteile Wenzelsdorf, Rappauf und Strasshütte dazu. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann schon im Jahre 1946 aufgrund der Benes-Dekrete die Aussiedlung von mehr als 3,5 Millionen Sudetendeutschen. 1948, als die Tschechische Republik kommunistisch wurde, begann man auch mit dem Abriss und der Zerstörung der Orte und Dörfer in Grenznähe. Zu erwähnen bleibt noch die einstweilige Siedlung von zwölf Familien aus Wenzelsdorf auf der Bügellohe bei Stadlern, die sich ein Zurückgehen in ihre Heimat erhofften, was aber mit der Errichtung des Eisernen Vorhanges nicht mehr möglich wurde.

Die Kaffeepause fand im ehemaligen Forsthaus Rössler und jetzigem Restaurant Plesi statt. Nach dem Rückmarsch ließ die Gruppe die beeindruckende Wanderung im Grenzwirtshaus Gerstmeier ausklingen.

AnmeldungDie geführten Wanderungen können beim Tourismusbüro der Stadt Schönsee unter Telefon 09674/317 für jeden Freitag gebucht werden. Bei Interesse wird um frühzeitige Anmeldung - etwa drei Tage vorher - gebeten.
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