Auch im zehnten Jahr bewegendes Pascherspiel am Eulenberg
Bewegend und eindringlich

Wanka (Magdalena Höcherl, Zweite von rechts) setzt als Baldowerin eine Schar Kinder ein, die sich angeblich im Grenzwald verlaufen haben, um die Zöllner hinters Licht zu führen. Bei zwei Vorführungen ist am Freitag und Samstag das Freilichtspiel "Pascher - die Nacht der langen Schatten" aufgeführt worden.
Kultur
Schönsee
07.08.2016
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Die Protagonisten mit Spielleiterin Birgit Höcherl (links). Nach der Jubiläumsaufführung gab es Blumen für Tereza Dubnickova und Magdalena Höcherl. Bilder: lg (4)

Das Stück geht mit seinem schweren geschichtlichen Stoff unter die Haut. Das Ensemble bringt Leid und Freude, Schuld und Vergebung auf der Naturbühne am Eulenberg authentisch zu Geltung. Aber auch humorvolle Motive würzen das Geschehen im Spiel an der Grenze.

-Friedrichshäng. "Vor der eigenen Vergangenheit kann man sich nicht verstecken!", sagt Franz Langmeister (Ludwig Zwick). Er würde es gern, aber er wird herausgerissen aus seiner Einsamkeit und Eigenbrötelei, als die junge Tschechin Lucie (Tereza Dubnickova) zusammen mit ihrem Freund Mike (Franz Dietl) auf dem abgelegenen Hof auftaucht, um etwas über ihre Ahnen in Erfahrung zu bringen. Für den wortkargen Alten wirkt es aber wie eine Befreiung, als er nach der allmählichen Ausbreitung seiner Familiengeschichte am Schluss mit Lucie tanzt.

Im zehnten Jahr


"Pascher - die Nacht der langen Schatten" führte das eingespielte Ensemble am Freitag im zehnten Jahr auf. Die Vorsitzende des "Paschervereins Schönseer Land", Bürgermeisterin Birgit Höcherl, freute sich bei der Begrüßung über eine voll besetzte Tribüne. Manche Zuschauer sahen die ergreifende Inszenierung schon mehrmals, andere zum ersten Mal. Der schwere Stoff der Vertreibung der "Deutsch-Böhmen", aber auch der Aussöhnung mit den Tschechen gräbt sich in die Herzen der Zuschauer ein.

Zur Wirkung trägt die Naturbühne mitten im Wald zusammen mit dem Bergweber-Haus bei, das in die Inszenierung einbezogen ist. Die mit Blech eingedeckte imposante Scheune ist Kulisse und Backstage. Haus und Hof bieten vor und nach dem Spiel sowie in der Pause die ideale Lokalität für die passende Verköstigung und gepflegte Gespräche. Allgegenwärtig beim Spiel und in den Pausen sind die Paschermusikanten, die unentwegt fleißig aufspielen.

Bei der Inszenierung stehen Franz Langmeister, Lucie und Mike für das Gegenwartsgeschehen. Ausgehend von ihren Gesprächen wird zurückgeblendet auf die Zeit der Pascher, wie die Schmuggler genannt wurden. "Da hat in mondloser Nacht so mancher Ochs seine Nationalität gewechselt", erzählt Langmeister dem jungen Paar, bevor die Pascher Fritz (Herbert Ried) und Adam (Herbert Spichtinger) ihr Geschäft anbahnen. Da wird ein Rind als Hirsch ausstaffiert, um die Finanzer hinters Licht zu führen. Ähnlich agiert die raffinierte Wanka (Magdalena Höcherl), die als Baldowerin die Situation auskundschaftet und die Abläufe steuert, beispielsweise indem eine ganze Kinderschar eingesetzt wird, um die Zöllner zu täuschen. Das heute noch existierende Grenzgasthaus Gerstmeier, in dem sich die Zöllner gerne aufhalten, wird immer wieder einbezogen.

Ganz authentisch wird auch das Schicksal des niedergebrannten Grenzortes Wenzelsdorf und seiner Bewohner vorgestellt, die auf bayerischer Seite in Bügellohe ein neues Dorf zu gründen versuchten. Es wurde aber keine Straße errichtet. "Weglos, ausweglos!", resümiert Franz Langmeister und bringt das geschichtliche Fazit: "Ein Unrecht hat das andere gegeben!"

Parallel zum Paschergeschehen entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen dem bayerischen Schmuggler Adam und der tschechischen Baldowerin Wanka, die mit ihrem Organisationstalent den Männern voraus ist. Adam imponiert diese resolute Frau, die für ihn respektvoll "Louda", aber auch Engerl ist. Am Schluss fliegt der von Wanka eingefädelte große Coup auf und als der Zollinspektor nach dem Drahtzieher forscht, fallen nach und nach alle der Baldowerin in den Rücken, um selbst dem Zuchthaus zu entgehen. Zuletzt verrät sie auch Adam, von dem sie ein Kind erwartet. "Du kannst mich nicht mehr retten!", beruhigt sie ihn. Das Kind, das im Zuchthaus geboren wird und der Familie Langmeister vor die Tür gelegt wird, ist Franz Langmeister, der dem jungen Paar seine Lebensgeschichte preisgibt.

Voller Authentizität


Im zehnten Jahr des Pascherspiels präsentiert sich auf der Naturbühne am Eulenberg ein hervorragend agierendes Ensemble, in dem nicht nur die Protagonisten eine exzellente schauspielerische Leistung vollbringen, sondern auch die Darsteller des Volkes, die Kinder und die Schar der Schmuggler mit ihrem authentischen Spiel zur Wirkung des Stücks beitragen. Großes Lob auch für die Verantwortlichen bei Kostümen und Maske und insbesondere auch für Martin Ebenhöch für die spielgerechte Titelmelodie. Gratulation an die souveräne Spielleiterin Birgit Höcherl und den Regisseur Martin Winklbauer.
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