Domchor Meißen mit Kantor Jörg Bräunig begeistert beim Erntedank-Konzert
Chorgesang in feinster Abstimmung

Der Domchor Meißen erntete viel Beifall. Bild: Tietz
Kultur
Schönsee
06.10.2014
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Gemessenen Schrittes erreichten die Sopranistinnen, Altistinnen, Tenöre und Bassisten den Altarraum der Stadtpfarrkirche St. Wenzeslaus. Der Domchor Meißen gestaltete das 21. Chor- und Orgelkonzert aus Anlass des Erntedankfestes. Domkantor Jörg Bräunig leitete den Chor präzise und einfühlsam.

Als erstes Stück intonierte der Chor ein "Halleluja" des noch lebenden Komponisten Paul Horn, das auf den Anlass des Konzerts einstimmte. Ein unbekannter italienischer Tondichter aus dem 15. Jahrhundert hat "Alta Trinita Beata", einen Preisgesang auf die Dreieinigkeit, verfasst und Gottfried August Homilius schrieb im 18. Jahrhundert die sechsstimmige Motette "Deo di camus gratias". Auch in diesen beiden Gesängen wird Gott mit kraftvollen Stimmen für sein Wirken gedankt.

Ganz anders klang der Chorsatz von Homilius "Siehe, das ist Gottes Lamm", den drei Frauen und zwei Männer mit feiner Stimmentfaltung darboten. Es folgten der Chor "Die Elenden sollen essen" und die Motette aus Thüringen "Lobe, lobe den Herrn", zwei Preislieder mit jauchzenden wie verhaltenen Passagen. Anschließend stand ein Choral von Johann Sebastian Bach auf dem Programm: "Nun lasst uns Gott, den Herren, Dank sagen" BWV 194, wurde mit ruhigen festen Stimmen vorgetragen.

Ein Orgelwerk, ebenfalls von Bach, schloss sich an: Domkantor Jörg Bräunig spielte in freier und deshalb besonders intensiver Manier die "Fantasie g-moll" BWV 542 ohne die abschließende Fuge. Und noch einmal Bach: Der Choral "Lobet den Herren" BWV 374 erfreut durch die berühmte Melodie, die begeistert gesungen wurde.

Von Michael Haydn erklang "Herr, großer Gott, dich loben wir" aus dem "Deutschen Te Deum" MH 836 als ausgereifter Lobgesang auf den "Schöpfer aller Welten". Anton Bruckners berühmtester Chorsatz "Locus iste" schloss sich an und pries Gottes Schöpfertum in demutsvoller Stimmgebung. Schließlich ertönte der "Sommarpsalm" des schwedischen Komponisten Waldemar Ahlén in zurückhaltender Innigkeit.

Eine Orgelmeditation von Jörg Bräunig folgte. Sie heißt "Himmelslichter" und ist gemäß Bräunigs Vorstellung inspiriert von den wechselnden Lichtverhältnissen des Meißner Doms. Daraus ergeben sich musikalisch unterschiedliche Tonvorstellungen, welche sowohl starken Lichteinfall wie karges Dämmerlicht nachempfinden. Dann wieder Chorgesang, jetzt aber in ungewohnter Manier. Wolfgang Stockmeier hat das "Vater unser" vertont als Sprechgesang mit unterlegter Flüsterkulisse. In seiner Ernsthaftigkeit überzeugt das leise Anfangsmurmeln, das sich erst allmählich zum Singen entwickelt. Die Krönung in intensiver Aussprache war das gemeinsame "Amen": ein höchst beeindruckend angelegter Gebetsgesang.

Stimmungsvoller Gesang

"Verleih uns Frieden" war das Anliegen der Motette von Heinrich Schütz, gestaltet in bittender Sangesstimmung. Ein zeitgenössischer Gesang folgte. "Christ, lass dich erbitten" von dem erst 2011 verstorbenen Herbert Gadsch klingt melodiös und zugleich bittend. Als letzter Programmpunkt ein Chorsatz des vor 399 Jahren gestorbenen Melchior Vulpius. "Hinunter ist der Sonnenschein" beschreibt die Stimmung, wenn die "finstre Nacht hereinbricht".

Starker Beifall initiierte ein gemeinsames Lied: "Dona nobis pacem" sangen Chor und Publikum gemeinsam, dabei schritt der Chor langsam aus dem Kirchenraum. Eine wunderbare Abschiedsidee!
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