Grenzen auch in Köpfen streichen

"Wir lachen, singen, tanzen und springen": Unbeschwert eröffnen die Blumenkinder das Freilichtspiel.
Kultur
Schönsee
11.07.2016
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Wenn Wichtel, Elfen und die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft auf der Bühne erscheinen, bietet sich den Zuschauern eine farbenprächtige und phantasievolle Zauberwelt. Bilder: Baehnisch (5)

Wer ist normal, wer verrückt? Ein behinderter Mensch, der angeblich den Gesang von Elfen hört und mit Bäumen redet, oder Machthaber, die mit Krieg Leid und Tod bringen und Grenzen schaffen, die Menschen ihrer Freiheit berauben? Antworten darauf will das Freilichtspiel "Irrlichter" geben.

-Friedrichshäng. "Viel Vergnügen und auch nachdenkliche Momente" wünschte Bürgermeisterin und Paschervereinsvorsitzende Birgit Höcherl am Freitagabend vor vollen Zuschauerrängen dem erwartungsvollen Publikum. Unter ihnen waren zahlreiche Ehrengäste wie beispielsweise stellvertretender Landrat Joachim Hanisch, Bürgermeister, Geistliche, Repräsentanten von Banken und Behörden und auch Gäste aus Tschechien. Das Vergnügen wie etwa bei den humorvollen Dialogen zwischen Seppi und Buzl, aber auch viele nachdenkliche Momente, für die der Schrat und Agent Henesy sorgten, reihten sich in den folgenden zwei Stunden nahtlos aneinander. Die farbenfrohen Kostüme von Blumenkindern, Wichteln und Elfen sowie deren Gesang sorgten zudem für einen Augen- und Ohrenschmaus.

Sehr gute Leistung


Mit der phantasievollen Zauberwelt, welche die rund 50 Darsteller des Paschervereins in einer geschlossenen hervorragenden schauspielerischen Leistung auf die Bühne brachten, will Autor Martin Winklbauer natürlich nicht nur unterhalten. "Irrlichter" schürft tiefer, setzt sich mit den Thema Behinderung und "Handicap", mit unserer Einstellung zu Natur und Umwelt, mit Krieg und "Eisernem Vorhang" und deren Folgen auseinander. Die Geschichte von "Josef Krautner und den Irrlichtern", der 1938 in einem Grenzdorf geboren wurde, hat einen realen Hintergrund.

Seppi ist ein besonderes Kind, weiß der Fichtenzapfen-Sammler Buzl angeblich von den Nebelfrauen, die bei seiner Geburt aus der Zwischenwelt heruntergekommen sind. Die Nebelfrauen sind aber auch gefährlich - wer ihrem Gesang zulange zuhört, wird verrückt. Irgendwie entwickelt sich Seppi tatsächlich anders, die Leute sagen, er ist nicht normal und auch als Erwachsener im Kopf ein Kind geblieben. Als Seppi in seiner Unbekümmertheit die tschechische Grenze überschreitet, wird es dramatisch. Ein Schützenpanzer fährt auf, der amerikanische Agent Henesy will Seppi in eine Anstalt einweisen, weil er angeblich den Frieden an der Grenze gefährdet und ein unkalkulierbares Risiko darstellt. Die Eltern wehren sich, können die Zwangseinweisung aber schließlich doch nicht verhindern.

Weitere Vorstellung


Neben dieser realen Welt tut sich im Freilichtspiel auch die Zauberwelt von Elfen und Wichteln auf, mit der Seppi über die Nebelfrau Lea in Kontakt kommt. Als der Schrat Gericht hält, weil Lea verbotenerweise mit Seppi Kontakt aufgenommen hat, erfahren die Zuschauer auch den Grund: "Die Menschen benehmen sich, wie wenn die Welt ihnen gehören würde und zerstören die Natur", so der Schrat. Seppi kann letztlich den Bann über Lea brechen und "als besonderer Mensch" weiterhin mit Lea in Kontakt bleiben, "damit der Kampf der Menschen gegen die Natur aufhört".

Und schließlich bewirken Seppi und Lea auch bei Agent Henesy ein Umdenken. Er grübelt nach, ob die Grenze ein "unverrückbares Faktum oder eher Schwachsinn ist" und gibt die Devise aus: "Wir müssen die Grenze untergraben und dürfen sie niemals akzeptieren". Am Ende sind sich alle einig: "Unser Seppi ist doch ein besonderer Mensch".

Wer noch in die "Irrlichter" eintauchen will, hat heuer letztmals am Freitag, 15. Juli, um 20 Uhr die Gelegenheit. Am Freitag und Samstag, 5. und 6. August öffnet sich dann der "Vorhang" für das Erfolgsstück "Pascher - die Nacht der langen Schatten". (Seite 21)
Weitere Beiträge zu den Themen: Irrlichter (2)Premiere (68)
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