Lesung mit Bernhard Setzwein im CeBB
Über die Flucht nach Ägypten

Schriftsteller Bernhard Setzwein las aus dem Buch "Die Flucht nach Ägypten" von Otfried Preußler. Als kongenialer Partner erwies sich Hans Kistler mit seiner Musik. Bild: weu
Kultur
Schönsee
12.01.2016
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Eine Lesung mit Bernhard Setzwein bildete den Auftakt des Veranstaltungsprogramms der "Freunde der Kunst". Mit dem Buchtitel "Die Flucht nach Ägypten" wurde auch zugleich die Weihnachtszeit auf entspannende Weise abgeschlossen.

/Oberviechtach. So drückte es Anne Gierlach bei der Verabschiedung der Gäste im Centrum Bavaria Bohemia aus. Der bekannte Kinderbuchautor Otfried Preußler hat dieses Werk 1978 für Erwachsene geschrieben und zur Weihnachtszeit immer daraus vorgelesen. Allerdings erhebt der Inhalt keinen Anspruch auf Bibeltreue. Der Schriftsteller mischt Jahreszeiten und geografische Gegebenheiten bunt durcheinander, was aber gerade den Charme des Buches ausmacht, erklärte Setzwein.

Nach Böhmen verlegt


Da Otfried Preußler 1923 im nordböhmischen Reichenberg geboren wurde, hat er einen Teil der Handlung nach Böhmen gelegt. Die Begründung, warum die Heilige Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten auch Böhmen durchquerte, ist laut Preußler ganz einfach: Heutige Landkarten gab es damals noch nicht und die Örtlichkeiten könnten sich auch verschoben haben. Außerdem seien seine beiden Großmütter sowie ein Gendarm Zeugen gewesen. Die Reise begann im Stall von Bethlehem, als der Erzengel Gabriel andeutete, dass die Heilige Familie ins Ausland fliehen müsse, da Jesus umgebracht werden soll.

"Aber die Reisepässe nicht vergessen", ermahnte der Himmelsbote. Zweifel plagten Josef: Findet er den Weg nach Ägypten? Außerdem ist Jesus nicht in den Pass eingetragen. Schließlich ließ sich der Engel zur Hilfe breitschlagen und marschierte in Gestalt des Esels voran. Als die Soldaten in Bethlehem einmarschierten, befand sich die Heilige Familie bereits in der Lausitz, gegen Abend war die böhmische Grenze erreicht. ls König Herodes wegen der Flucht einen Wutanfall bekam, mischte sich Luzifer ins Geschehen ein. Er empfahl Herodes, ein Telegramm an Kaiser Franz Josef in Wien zu schicken, der zugleich Kaiser von Böhmen war.

Passende Untermalung


Was Frau Kaiserin mit Tafelspitz und Apfelstrudel zu tun hatte, wie die K.u.K.-Behörden in Böhmen bemüht wurden, was die Großmutter aus dem Kaffeesatz herauslas, welche Vorschläge Luzifer und sechs Höllenfürsten machten und was die Krippe im Wohnzimmer der Familie Möldner mit der Flucht der Heiligen Familie zu tun hatte, das trug Bernhard Setzwein so natürlich vor, als hätte sich das alles wirklich so ereignet. Hans Kistler sorgte mit Klarinette, Flöte und Saxophon für die passende Untermalung oder Betonung der Textpassagen und ließ so den Vortrag Setzweins noch lebendiger werden.

Nach knapp zwei Stunden war die Lesung zu Ende und das Publikum bedankte sich mit viel Applaus. Ob Luzifer seinen Auftrag erfüllen konnte, blieb bei der Lesung offen. Da empfiehlt es sich, im Buch nachzulesen.
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