Literarische Tage im Centrum Bavaria Bohemia Schönsee
Literatur an der Grenze

Oskar Siebert ist einer von insgesamt sechs Autoren, die zur literarischen Begegnung ins CeBB kommen. Bilder: eib (2)
Kultur
Schönsee
15.11.2016
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Mit von der Partie ist auch Kinderbuchautorin Gabriele Kiesl.

Ob Kinderkrimi oder Kriegsschauplatz: Das Centrum Bavaria Bohemia steht vom 23. bis 25. November ganz im Zeichen des Wortes. Ein Thema eint dabei die Autoren, denen Interessierte hier begegnen können.

Die Literarischen Tage starten eigentlich am 23. November in der Grundschule Schönsee und werden dann im CeBB fortgesetzt . Alle Autoren präsentieren Themen, die sich mit zerstörten Orten im Grenzgebiet, mit der Kriegs- und Nachkriegszeit, mit der Flucht und Vertreibung, mit Judendeportationen und den Beziehungen von Deutschen und Tschechen befassen.

In der Grundschule


Zum Auftakt besucht die Oberpfälzer Kinderbuchautorin Gabriele Kiesl am Mittwochvormittag die Schönseer Grundschule und liest aus dem zweiten Band der Pöppl-Trilogie "Pöppl und die geheimnisvolle Christbaumkugel". Das Buch vom kleinen Mäuserich Pöppl bewegt scih zwischen Märchenwelt und Kinderkrimi, seine Kapitel führen quer durch Oberpfälzer Region führen.

Am Donnerstag, 24. November, steht um 18 Uhr eine literarische Begegnung mit dem tschechischen Schriftsteller Bretislav Ditrych auf dem Programm, der aus seiner Gedichtesammlung "Bitter duftet Arnika - Der andere Böhmerwald" liest. Neben ihm nimmt der Amberger Autor und Lyriker Friedrich Brandl Platz, dem zu verdanken ist, dass es vom Werk eine deutsche Ausgabe gibt. Friedrich Brandl hat sich von Germanistik-Studenten der Uni Pilsen die Gedichte übersetzen lassen und sich mit ihrer Hilfe in die Gedankenwelt und Diktion des Autors hineinversetzt. So konnte er den Band in deutscher Sprache und in Reimform bringen.

Bretislav Ditrych erzählt von untergegangenen Dörfern und Generationen, die im Lauf der Zeit verschwunden sind. Moderator des Abends ist David Stecher, Direktor des Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren in Prag. Am Freitag, 25. November, stellen sich um 18 Uhr drei deutsche und tschechische Autoren mit Werken vor, die den Blick auf die Kriegs- und Nachkriegszeit, den Verlust der Heimat und auf die deutsch-tschechischen Beziehungen verbindet.

Diskriminierung


Der Regensburger Kurzfilmer Oskar Siebert schildert in seinem autobiografischen Roman "Einmal ein Fremder, immer ein Fremder" seine schwere Lebensgeschichte voll von Diskriminierung und politischer Verfolgung.

Der Roman "Die Deutschen - Geographie eines Verlustes" von Jakuba Katalpa beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen inmitten von Krieg und Diktatur in Europa. Die Autorin wurde 2013 für den tschechischen Preis "Magnesia Litera" nominiert. Das Buch beginnt mit dem Tod des Vaters, der von seiner Mutter als kleines Kind in der Tschechoslowakei verlassen wurde. Beide haben sich nicht mehr gesehen, die Mutter schickte aus Deutschland Päckchen und Geschenke. Die Tochter drängt nun darauf, alles zu erfahren.

Als dritte Schriftstellerin zeichnet an diesem Abend Regina Gottschalk im Roman "Auf Nachricht warten" mit Briefen aus der Schreckenszeit die Geschichte der jüdischen Familie Getreuer nach. Sie stammt aus Schwanenbrückl, das nur ein paar Kilometer hinter der Grenze bei Tillyschanz liegt. Die Familie wird vom NS-Regime getrennt - die Kinder emigrieren, und die Eltern bleiben in Prag. Alle hoffen auf ein Wiedersehen, aber die Zurückgebliebenen kommen zu Tode, während die Kinder noch lange vergeblich auf Nachricht warten.

Der Abend wird von Ondrej Cerný, dem Direktor des Tschechischen Zentrums in München moderiert. An beiden Tagen signieren die Autoren ihre Werke am Büchertisch und vertiefen gerne mit den Gästen die in den Büchern beschriebenen Gedanken.

AutorenFolgende Autoren kommen zu den der Literarischen Tagen nach Schönsee:

Gabriele Kiesl ist gebürtige Oberbayerin und lebt als freie Autorin in der Oberpfalz. Sie schreibt Bücher, Drehbücher und Theaterstücke für Kinder und Erwachsene.

Bretislav Ditrych ist tschechischer Schriftsteller, Dichter, Publizist und Drehbuchautor. Der 74-Jährige ist an der Elbe geboren, hat inzwischen enge Beziehungen zum Böhmerwald.

Friedrich Brandl, Amberger Lyriker und Schriftsteller, setzt sich in seinen Gedichten, Sonetten, Essays und Geschichten mit seiner Heimat Oberpfalz, den Verbindungen zum tschechischen Nachbarn und mit der Natur auseinander. Er ist Oberpfälzer Kulturpreisträger und wurde von Bavaria Bohemia mit dem Brückenbauerpreis ausgezeichnet.

Oskar Siebert, international ausgezeichneter Regensburger Kurzfilmregisseur und Produzent, hat den Weg seiner Flucht aus der Tschechoslowakei und sein Ankommen in Deutschland autobiographisch interessant und berührend nachgezeichnet.

Jakuba Katalpa, Schriftstellerin und bildende Künstlerin, lebt in Westböhmen. Die Region spielt in ihren Werken eine wichtige Rolle. Die talentierten Autorin wurde mit dem Preis Ceská kniha (Tschechischer Roman des Jahres) für das Jahr 2012 ausgezeichnet. Sie ist die Trägerin des Josef-Skvorecký-Preises und wurde für weitere Auszeichnungen nominiert.

Regina Gottschalk (geb. Getreuer) wurde Prag geboren und ist in Dresden aufgewachsen, 1957 floh die Schriftstellerin mit den Eltern in die Bundesrepublik und lebt jetzt in Oberbayern. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft hat sie ihr ganzes Leben als Gymnasiallehrerin unterrichtet. (eib)
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