Schöne Klänge fluten Schönsee

Der Eichstätter Domchor und der Organist Maximilian Pöllner präsentieren in Schönsee faszinierende Musik. Bild: Donhauser
Kultur
Schönsee
14.10.2015
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Ätherisch schwebende Klänge, Chorkultur hoher Klasse, eine exquisite Orgel - ermöglicht vom Förderverein für Kirchenmusik: Der Eichstätter Domchor und der Organist Maximilian Pöllner geben eine beeindruckende Vorstellung in Schönsee.

Domkapellmeister Christian Heiß hat ein hervorragendes Vokalteam herangezogen. Präzise Einsätze, blitzsaubere Intonation, butterweiche Aussprache, sorgsame Deklamation, sie funktionieren wie selbstverständlich. Großen Anteil daran hat seine ökonomische, an Vokalen orientierte Dirigiertechnik. Das Klangideal zu Eichstätt an der Altmühl ist traditionell ein verhaltener luftiger Chorklang, mit Abstand von zu viel emotionaler Sinnlichkeit, gnädig erlöst von aller irdischen Sündenschwere. Die Besetzung mit 27 Damen und neun Herren macht ihn etwas oberstimmenlastig. Alle Phrasen bekommen Zeit zum Atmen, jeder Satz, jedes Wort wird ausgekostet und abgerundet. Dahinter verbirgt sich viel Detailarbeit, viel zielgerichtete Stimmbildung, viel Verständnis für die Sänger. 14 Chorsätze werden gesungen, ihre stilistische Breite reicht vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Die solistisch konzipierten Sätze von Ammon Blasius, Graziani oder Schütz kommen in Chorbesetzung ein wenig flächig und mit nobler Blässe über die Rampe.

Große Stunde

In seinem Element scheint der Chor bei Rheinbergers Hymnus op. 69/2, dem bekannten Abendlied, aber auch bei den sehr gemäßigt modernen Sätzen des estnischen Komponisten Urmas Sisask (*1960), des Norwegers Ola Gjeilo (*1978) und des Wieners Peter Planyavsky. Bei dessen 269. Psalm schlägt die große Stunde der kultiviert-schlanken Männerstimmen. Mitgerechnet? Der Titel ist ein typischer Plany-Scherz, eine Addition der Psalmnummern 148 + 121.

Die Eichstätter suchen die Herausforderung. Bachs Motette "Lobet den Herren alle Heiden" BWV 230, gesungen ohne die obligate Continuo-Stimme, lässt doch einige Konditions- und Intonationsprobleme aufscheinen. Die Bruckner-Sätze (Locus iste, Os justi, Ave Maria) fordern eigentlich extreme, auch plötzliche Dynamikkontraste, ohne die saubere Intonation zu schmälern. Das dreifache Piano in Os justi, die Fortissimi in tiefen Lagen zeigen dann doch Grenzen des von Heiß so geschätzten "Randkanten-Stimmklangs" auf, der einen Bogen um die Vollstimme macht: "Flöten statt Prinzipale", um den Bogen zur Orgel zu schlagen.

Zwei Zugaben

Maximilian Pöllner spielt dazwischen akkurat und feinsinnig registriert Mozarts Fantasie KV 594. Eine Prise mehr an musikantischem Risiko hätte ihr trotz der heiklen Terzgänge gut getan. Regers Scherzo op. 65/10 hat Pep, den Mittelteil wünscht Reger aber "istesso tempo", nicht mit langsamerem Grundmetrum. Die Sandtner-Orgel beweist erneut ihre überragenden klanglichen Qualitäten. Stehender Applaus, zwei delikate Zugaben.
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