Tschechischer Schrift
Wo das Verzeihen bleibt

Autor Friedrich Brandl (links), Moderator David Stecher (Mitte) und Schriftsteller Bretislav Ditrych (rechts) diskutierten über Literatur. Bild: eib
Kultur
Schönsee
25.11.2016
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Poesie liefert den Diskussionsstoff für eine Debatte über Schuld und Versöhnung: Möglich wird das, wenn ein tschechischer Autor wie Bretislav Ditrych auf den deutschen Kollegen Friedrich Brandl trifft. Dem Ergebnis lauschten Interessierte bei den Literarischen Tagen im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB)

Nach der Eröffnung der Literarischen Tage des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) mit einem Lesevormittag in der Grundschule (siehe oben) folgte die literarische Begegnung des tschechischen Schriftstellers Bretislav Ditrych mit Lyriker Friedrich Brandl aus Amberg. Letzterer hat die Gedichte aus der Sammlung "Bitter duftet Arnika - Der andere Böhmerwald" aus einer wörtlichen Übersetzung von Studenten der Uni Pilsen "nachgedichtet". Zwischen den beiden Autoren nahm David Stecher, Direktor des Prager Literaturhauses deutschsprachiger Autoren, als Moderator Platz. Im Gespräch mit den beiden Gästen schälten sich die Beweggründe heraus, die Bretislav Ditrych bewogen, sich in einer Gedichtsammlung mit menschlichen Schicksalen, Kriegs- und Nachkriegsereignissen und der Landschaft des Böhmerwalds zu befassen.

Verbindung über CeBB


Irgendwann fanden die beiden Schriftsteller Ditrych und Brandl zusammen. Ein zweisprachiges Buchprojekt mit Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds war das Ergebnis dieser Begegnung. Und das CeBB fungierte dabei als Vernetzungsstelle, Mitarbeiter Václav Vrbík stellte die Verbindungen her. Abwechselnd lasen Ditrych und Brandl nun die Texte mit viel Stoff zum Nachdenken vor, jeder in seiner Sprache. So klangen das Deutsche und das Tschechische nebeneinander durch den Raum mit dem treffenden Türschild "bb-Dialog".

Die Gäste der literarischen Begegnung hörten gespannt zu, vertieften ihre Gedanken in jene verschwundenen Orte, die das Buch beschrieb, samt dem Leid, das an diesen Orten herrschte und in den Köpfen der Menschen noch nicht vergangen ist.

"Die Welt ist nie schwarz und weiß, ich habe versucht zu erzählen, jedoch nicht Richter zu sein" sagte Bretislav Ditrych in der abschließenden Diskussion auf die Frage aus dem Publikum, wo zwischen Gerechtigkeit und Schuld in seinen Texten die Verzeihung als Brücke zwischen beiden bleibe. Einer der Besucher empfand die Atmosphäre des Buches etwas düster. Für Friedrich Brandl ist "Bitter duftet Arnika" aber nicht düster, nicht bedrückend, sondern voller Hoffnungen und in Fragen der Schuld oder Unschuld ausgeglichen. Keine Abrechnung und auch kein Urteil - das ist der Tenor des Buchs.

Bilder aus Krumau


Nach der Lesung vertieften die Gäste an den Stehtischen mit beiden Autoren die Eindrücke des Abends, die mit Bilderfolgen aus dem Fotoatelier Seidel in Krumau - die auch das Buch illustrieren - verstärkt wurden. Hans Eibauer dankte als Leiter des CeBB dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds für die Förderung der literarischen Begegnung.

Die Welt ist nie schwarz und weiß, ich habe versucht zu erzählen, jedoch nicht Richter zu sein.Autor Bretislav Ditrych
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