Wem die Totenglocke läutet

Über den geplanten Film "Endstation" informierte vorab das junge Fernsehteam, an der Spitze Regisseurin Pauline Roenneberg (Dritte von links). Auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl (rechts) interessierte sich für das Konzept. Bild: mmj
Kultur
Schönsee
15.01.2015
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Fernab von der anonymen Großstadt hört man sie noch: die Totenglocke. Schnell spricht sich herum, wer gestorben ist. Ausgerechnet eine Gruppe junger Menschen hat sich nun aufgemacht, um dort, wo Trauer noch Raum hat, einen Film zu drehen.

Es ist ein Thema, das häufig in der Gesellschaft verdrängt wird: das Sterben. Junge Filmemacher, unter ihrem Mentor Hans Fischer aus Rackenthal, haben im Auftrag des Bayerischen Rundfunks das Thema aufgegriffen, und planen in Schönsee für das Fernsehen den Film "Endstation" zu drehen. Zunächst wurde Kontakt mit Bürgermeisterin Birgit Höcherl aufgenommen. Sie sicherte dem Team daraufhin Unterstützung hinsichtlich der Einladungen und der Organisation eines Informationsabends zu.

Recherche für 30 Minuten

Viele werden sich im Raum Schönsee im vergangenen Jahr gefragt haben, wer denn die Insassen eines roten VW-Busses sind, der so häufig in Schönsee erblickt wurde. Es handelte sich um junge Filmemacher, die vor Ort waren, um Grundlagen für einen Kurzfilm zu schaffen, den sie hier drehen wollen. Alle sind sie Studierende der Hochschule für Fernsehen und Film in München: Paulinne Roenneberg, Britta Schwem, Benedikt Weber, Isabelle Bertolone und Zoe Schmederer. In diesem Jahr soll nun ein 30-minütiger Film in Schönsee und Umgebung mit der Kamera aufgenommen werden. Ausgerechnet das Thema "Sterben" haben sich die Filmemacher dabei ausgesucht.

Gegen Entfremdung

Mit liebevollem Blick möchte das Team Geschichten aus dem Leben in Schönsee erzählen, wo der Umgang mit dem Tod noch selbstverständlicher zu sein scheint als in der Stadt und die Hinterbliebenen in ihrer Trauer von der Gemeinschaft nicht allein gelassen werden. Ziel des Films soll es sein, der gesellschaftlichen Entfremdung vom Tod entgegenzuwirken und ihn wieder ein kleines Stück ins Leben zu integrieren.

Viele Vereinsvorsitzende und weitere Interessierte waren der Einladung zur Informationsveranstaltung über dieses Filmvorhaben ins Hutscha-Haus gefolgt und wurden von Bürgermeisterin Birgit Höcherl empfangen. Die jungen Filmemacher stellten sich anschließend persönlich vor und legten ihre Gedanken über den geplanten Film dar. In Großstädten, so Regisseurin Pauline Roenneberg, sei der Tod etwas Anonymes, man bekomme selbst vom Ableben eines Nachbarn nichts mehr mit. Ganz anders sei es auf dem Land. Hier nehme die Gemeinschaft noch an der Trauer mit den Familienmitgliedern eines Verstorbenen teil.

Selbst das Läuten der Totenglocke wecke hier noch das Interesse. "Wer wird denn gestorben sein?", fragen sich hier die Menschen. Die Nachrichten vom Tod oft nur entfernter Bekannter ruft das Mitgefühl mit den Angehörigen hervor. Alle Mitarbeiter des Filmteams stellten heraus, dass sie diese Dokumentation äußerst sensibel bearbeiten wollen. Sie hätten auch Verständnis für Bedenken in Bezug auf ihre Arbeit. Im vergangenen Jahr habe man mit verschiedenen Personen gesprochen, die mit einem Sterbefall zu tun hatten. Die Studierenden legten ihr Vorhaben dar und konnten selbst Skeptiker zur Mitarbeit an der Aufarbeitung des Themas "Sterben" bewegen.

Würde im Blick

In einer lebhaften Diskussion ging es um das Für und Wider eines solchen Films. Vor allem für Regisseurin Pauline Roenneberg war mancher Einwand verständlich. Von verschiedenen Kurzfilmen sei man nicht so überzeugt gewesen. Im Nachhall habe es diesbezüglich auch harsche Kritik gegeben. Roenneberg versicherte, dass in ihrem geplanten 30-minütigen Streifen keine Person und kein Landstrich Anlass zu Kritik geben sollten. Es gehe vielmehr um den Beweis, dass mit dem Thema "Sterben" in dieser Gegend noch würdevoll in der Gemeinschaft umgegangen wird. Trotz mancher Skepsis unter den Besuchern wurde an diesem Abend deutlich, dass das Fernsehteam sich hier einem wichtigen Thema widmet. Das bewies an diesem Abend auch die Tatsache, dass noch lange nach dem offiziellen Schluss über den geplanten Film diskutiert wurde. Und auch in kleiner Runde gab es für Pauline Roenneberg und ihre Mitarbeiter noch viel Interessantes zu erfahren.

Nächster Schritt zu diesem Film wird eine Einladung an Interessierte sein, um über den dann aktuellen Sachstand und die weitere Vorgehensweise zu informieren.
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