Augenmerk auf Hut und Turm

Lokales
Schönsee
07.03.2015
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Paris glänzte mit dem Eiffelturm, Schönsee und Eslarn wollten um 1900 mit dem Stückberg für ihre Heimat werben. Ein Aussichtsturm musste her. Inzwischen sorgt ein Ersatzbau für Rundumsicht, doch auch dieses Bauwerk ist nach 40 Jahren marode.

Seit dem Jahr 1974 befindet sich auf dem 808 Meter hohen Stückberg ein vom Oberpfälzer Waldverein (OWV), Zweigverein Eslarn, errichteter gemauerter 32 Meter hoher Aussichtsturm. Jetzt steht die Sanierung des beliebten Ausflugsziels an. Dieser Aussichtspunkt, so ist unter "Vermischte Nachrichten" im Amtsblatt für das Bezirksamt Oberviechtach nachzulesen, hatte aber einen noch viel älteren Vorgänger.

So wird berichtet von einem am Donnerstag, 2. August 1900, gegründeten "Stücksteinverein". Dieser Verein hatte sich für einen 30 Meter hohen Turm aus Holz stark gemacht zu einer Zeit, als in Paris die Weltausstellung anstand und 20 000 deutsche Soldaten beim Boxer-Aufstand in China involviert waren.

Bahn weckt Hoffnungen

Begünstigt durch die Eröffnung der Bahnlinie Vohenstrauß-Waidhaus hatten immer mehr Gäste die örtliche mit Naturschönheiten reich ausgestattete Gegend für sich entdeckt. Weil eine Anbindung von Schönsee nach Nabburg bevorstand, hatten damals "ausschlaggebende Persönlichkeiten ihr Augenmerk darauf gerichtet, die schönsten Aussichtspunkte mehr zugänglich zu machen". Einer der schönsten Punkte war der zwischen Schönsee und Eslarn gelegene Stückberg (Stückstein) mit großartiger Rundsicht. Wer heute die über 144 Stufen erreichbare Aussichtskanzel hinauf klettert, kann dies nur bestätigen.

Zur Vereinsgründung fanden sich über "40 Herren aus der ganzen Umgebung" im Ettl'schen Gasthof in Schönsee ein. Als Vorsitzender des neuen Vereins wurde der von 1896 bis 1904 in Eslarn wirkende Pfarrer Alexius Sperl gewählt, als Schriftführer der Lehrer Schmidt, ebenfalls aus Eslarn, und als Kassier der Schönseer Landarzt Dr. Josef Herbeck, der drei Mark pro Mitglied kassieren musste. Der Statutenentwurf war vom Bezirksamt Vohenstrauß bereits genehmigt.

Holz gleich nebenan

Es wurde beschlossen, einen 30 Meter hohen Holzturm zu erbauen. Die "königliche Regierung" hatte den erforderlichen Platz zur Verfügung gestellt. Auch das Holz wurde damals an "Ort und Stelle" vom Staatswald abgezweigt. Der Turm, so wurde ebenfalls beschlossen, sollte um das Frühjahr 1901 erbaut werden, das erforderliche Holz noch im Jahr 1900 gefällt werden. Von der Existenz des Turmes zeugten Mitte des vorigen Jahrhunderts noch Reste. Wie das Amtsblatt berichtet, folgte der Vereinsgründung ein gemütliches Beisammensein mit allerlei neckischen Anmerkungen über die touristische Zukunft.

An der herrlichen Rundsicht vom Stückberg aus, in dessen unmittelbarem Bereich sich auch der imposante "Hutstein", ein riesiger Felsen in Hutform, befindet, hat sich in einem Jahrhundert nicht viel geändert. Früher haben sich unter dem riesigen Felsen die Köhler recht wohlgefühlt. Denn in der unmittelbaren Umgebung sind zahlreiche der früheren Meilerstätten zu finden, wo Holzkohle erzeugt wurde. Der Stückstein ist durch Wanderwege gut aus den umliegenden Orten erschlossen.
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