Auswandern vor 90 Jahren eine Alternative
Magere Zeiten

Mit diesem 1974 im Schönseer Friedhof aufgestellten rustikalen Findling würdigen der Heimatverein Schönsee in Nürnberg und die Landsmannschaft in München die Verstorbenen und Gefallenen beider Vereine in der angestammten Heimat. Bild: gl
Lokales
Schönsee
25.09.2015
6
0
Vor einem Jahrhundert waren die Verdienstmöglichkeiten in der Oberpfalz nicht gerade üppig. Auch viele Bewohner des Schönseer Landes zog es in die Ferne. Damals tröstete oft ein Treffen mit Gleichgesinnten über die Trennung. So wurde vor 90 Jahren der "Heimatverein Schönsee und Umgebung in Nürnberg" gegründet, der an diesem Wochenende Jubiläum feiert.

Meist waren es junge Menschen aus kinderreichen Familien, die fernab von der Heimat eine Erwerbsmöglichkeit suchten. Jobs fanden sie in den aufstrebenden Industriegebieten in Sachsen sowie Nürnberg und München, und mancher ging sogar nach Amerika.

"Viel Steine gab's und wenig Brot", lautete ein Spruch, der sich auf die "Steinpfalz" bezog. Die Bewohner aber waren für ihren Fleiß bekannt, weshalb viele auch bald einen ständigen Arbeitsplatz fanden und eine Existenz oder Familie gründeten. In den Ballungszentren traf man auf Gleichgesinnte, Landsmannschaften und Heimatvereine entstanden. Am 25. September 1926 wurde der "Heimatverein Schönsee und Umgebung" in Nürnberg gegründet. Am Sonntag, 27. September, feiert er sein 90-jähriges Bestehen in der "Gaststätte Rosenhof" in Nürnberg mit Ehrungen. Nach etwas älter ist allerdings die am 11. März 1906 gegründete "Landsmannschaft Schönsee und Umgebung in München". Beide Heimatorganisationen pflegten engen Kontakt mit der Heimat. Manches Jubiläum wurde auch gemeinsam in Schönsee gefeiert. Das belegt der 1974 auf dem Schönseer Friedhof aufgestellte Gedenkstein für die Verstorbenen und Gefallenen beider Vereine.

Was den Heimatverein in der Frankenmetropole anbelangt, so entstanden erste Kontakte in der vom Schönseer Josef Bauer geführten Gaststätte Johannisbrücke oder in der Galgenhofer Bierhalle von Konrad Polster aus Pullenried. 13 Männer wählten als Gründungsmitglieder Andreas Utz zum Vorsitzenden. Rasch gab es einen Zuwachs an Mitgliedern, 1926 wurde eine Fahne geweiht, die sogar den Krieg überstand. Seit 1961 wird der Heimatverein von dem aus Pondorf stammenden Albert Tischler geführt, er ist seit 1975 Ehrenmitglied und gilt als "Schönseer Außenminister in Nürnberg".
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.