"Blanko-Vollmacht" auf Zeit

Diplom-Sozialpädagogin Birgit Kramer, die Vorsitzende Christa Dobmeier, Stadtpfarrer Wolfgang Dietz sowie Schriftführerin und Kassenverwalterin Anni Hammerer (von links) kennen die Vorteile einer guten Lebensplanung. Bild: gl
Lokales
Schönsee
24.11.2014
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Die Zahl der Mitglieder im Krankenpflegeverein schrumpft. Dafür steigt die Zahl der Handgriffe, die bei der Versorgung von kranken und gebrechlichen Menschen erforderlich sind. Wie man rechtzeitig die Weichen stellt, erfuhren die Mitglieder bei der Jahresbilanz.

Stadtpfarrer Wolfgang Dietz lenkte bei der Jahreshauptversammlung des Krankenpflegevereins den Blick von versäumten persönlichen Chancen auf die vielschichtigen Möglichkeiten im Umgang mit den Mitmenschen. Er verwies auf die Standhaftigkeit der heiligen Elisabeth als Patronin der Caritas und des Franz von Assisi und regte zum Nachdenken darüber an, dass aktive Veränderungen besser als Hinweise sind.

Weniger Mitglieder

Schriftführerin Anni Hammerer berichtete über die Finanzen des Vereins, der von den Beiträgen der Mitglieder 85 Prozent als Pauschale an die Sozialstationen abführt. Die Zahl der Mitglieder hat sich auf 434 reduziert, nachdem es 20 Sterbefälle und zwei Umzüge ins Seniorenheim gab. Aktuell bestehen 231 Einzel- und 203 Familien-Mitgliedschaften.

Vorsitzende Christa Dobmeier verwies auf die Statistik. Die Zahl der betreuten Patienten ging auf 69 (Vorjahr 71) zurück, doch stiegen die Hausbesuche auf 12 029 (10 390) und die Verrichtungen auf 32 137 (31 884) an. Die Summe der erbrachten Leistungen betrug 2013 insgesamt rund 3400 Euro. Es gab 79 Pflegeeinsätze, eine Beratung und rund 2900 Portionen Essen auf Rädern. Drei Mitglieder nutzten den Haus-Notruf, 14 die Behindertenpflege, fünf die medizinische Fußpflege und neun das Betreute Wohnen. Im Gesamtbereich der Caritas-Sozialstation Oberviechtach gab es elf Personen, die in 319 Stunden die ehrenamtliche Hospiz-Helfer beanspruchten.

Diplom-Sozialpädagogin Birgit Kramer stellte fest, dass die Betreuungstreffen einen guten Ruf haben. Die Mitarbeiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige empfahl dem Verein, für mehr Mitglieder zu werben. Ein Beitritt in jungen Jahren bei gleichbleibenden Beiträgen sei besonders günstig. Probleme von denen Andere heute betroffen sind, könnten morgen schon die eigenen sein, warnte sie. Bei ihrem Fachvortrag ging sie sowohl auf Patientenverfügung, besonders aber auf die Vorsorgevollmacht ein, mit denen persönliche Entscheidungen dokumentiert werden.

Mit einer Vorsorgevollmacht erhalte eine Vertrauensperson eigener Wahl die Möglichkeit, rechtsverbindliche Entscheidungen zu treffen, wenn man selbst vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr dazu in der Lage ist. Besteht keine Vorsorgevollmacht bestimme das Gericht eine Person, was zusätzlich Kosten verursache. Die Auswahl sollte aber wohlüberlegt sein. Wenn sie auf alle Lebensbereiche ausgedehnt werde, handle es sich um eine "Blanko-Vollmacht"; sie könne aber jederzeit bei Geschäftsfähigkeit formlos widerrufen werden. Eine Patientenverfügung hingegen sei eine in Voraus erteilte Willensäußerung zu bestimmten, noch nicht unmittelbar bevorstehenden medizinische Maßnahmen wie Untersuchungen des Gesundheitszustandes, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe.

Empfehlenswert

Der Gesetzgeber habe den Patientenverfügungen seit 1. September 2009 durch eine Verankerung im Betreuungsgesetz Rechtsverbindlichkeit zugesprochen, sofern die real gegebene Situation in der Patientenverfügung konkret genannt ist. Eine Patientenverfügung richte sich an den behandelnden Arzt und an den bevollmächtigten Betreuer. Deshalb sei es sehr zu empfehlen, eine Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht zumindest für Gesundheitsangelegenheiten zu verbinden.
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