"Ciao e grazie"

Resi und Ciro Iaccarino schließen nach 35 Jahren das "Ischia" in der Schönseer Hauptstraße und gehen in Ruhestand. Bild: eib
Lokales
Schönsee
11.12.2015
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Ein herber Verlust für die Schönseer Gastronomie: Das Café Ischia schließt seine Pforten noch vor Weihnachten. "Wir treffen uns beim Ciro", gehört der Vergangenheit an.

Zerknirschte Stimmung macht sich in diesen Tagen bei den Stammgästen des Restaurants und Cafés Ischia breit, denn am 20. Dezember werden Resi und Ciro Iaccarino nach 35 erfolgreichen Jahren das beliebte Lokal in der Schönseer Hauptstraße schließen. Schöne Erinnerungen, aber auch Wehmut wechseln sich ab, wenn die beiden leidenschaftliche Wirte erzählen.

Der Italiener Ciro Iaccarino kam als Kellner zu den Olympischen Spielen 1972 nach München, blieb in Stadt an der Isar und übernahm nach ein paar Jahren im Service geschäftsführende Verantwortung in Restaurants. Um diese Zeit ging auch Resi Haberl nach München, aus einer alteingesessenen Schönseer Brauerei- und Gastwirtsfamilie stammend. Hausdame bei Hilton und Käfer waren ihre beruflichen Stationen in den 70er Jahren. 1973 lernten sich Resi und Ciro kennen und blieben bis Ende der 70er-Jahre in München.

Eis vom Italiener

Mutter Haberl machte den beiden die Übernahme des neben dem Brauereigasthof liegenden ehemaligen "Ettl"-Wirtshauses schmackhaft, das frei war und zwischenzeitlich dem Schützenverein als Schießraum und einem Wanderkino als Saal diente. Um einen wärmeverwöhnten Italiener - gebürtig auf der traumhaften Insel Ischia - in die raue Oberpfalz zu ziehen, kostete es gehörige Überzeugungsarbeit. Mit der Hochzeit im Frühjahr 1980 fiel die Entscheidung, sich in Schönsee eine Existenz aufzubauen, das Gasthaus mit Saal umfassend zu renovieren und im Frühjahr 1981 als Café und Eisdiele zu eröffnen. Anfang der 80er Jahre herrschte im Schönseer Land Aufbruchsstimmung im Fremdenverkehr, die Betten- und die Gästezahlen stiegen, gute Voraussetzungen für unternehmungslustige Gastronomen. Junge Wirte ziehen natürlich auch junges Publikum an. So erwarben sich Resi und Ciro Iaccarino schnell einen guten Namen: Eis von einem echten Italiener war in Schönsee der Renner und die Kuchenspezialitäten Zuppa Romana, Tiramisu und diverse Dolcis von Resi sprachen sich herum.

15 Jahre später. 1996 waren erste Anzeichen der Stagnation im Tourismus zu spüren. "Um diesen Abwärtstrend entgegenzusteuern, erweiterten wir unser Angebot mit einem Restaurant, das abends mit italienischen Gerichten, von Pasta bis Pizza, neue Gäste ansprechen sollte. Die Spezialisierung auf die Küche war eine gute Entscheidung", meint Resi Iaccarino rückblickend. Bei einem Ruhetag in der Woche und höchstens mal einer Aushilfe, waren auch die Kinder Laura und Fabian gefordert, die beide inzwischen ihre berufliche Zukunft außerhalb der Gastronomie in München und Nordrhein-Westfalen fanden. Die Begründung, jetzt aufzuhören, liegt bei Resi und Ciro Iaccarino im persönlichen, nicht im wirtschaftlichen Bereich: "Vor allem die letzte Dekade ist gut gelaufen. Aber die 35 Jahre als selbstständige Gastronomen sind an uns nicht spurlos vorübergegangen. Jetzt mit über 60 nehmen wir am 20. Dezember Abschied von unseren Gästen."

Noch kein Nachfolger

"Geht es mit anderen Besitzern oder Pächtern weiter?", fragen sich die Schönseer, für die jetzt ein gastronomischer Eckpfeiler wegbricht. Dafür haben sie noch keine konkreten Schritte unternommen, "aber vielleicht finden sich ja junge Leute mit Liebe für Gäste und Küche!"
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