Erneut lange Diskussionen im Stadtrat um Kastanienbäume in Bahnhofstraße
Für weiteren Gutachter plädiert

Lokales
Schönsee
22.10.2015
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"Mir ist das Thema wichtig, deshalb will ich nochmal auf die zeitliche Entwicklung eingehen", setze Stadtrat Thomas Schiller für die FWG Schönsee und Umgebung in der Stadtratssitzung am Dienstagabend zu einer umfangreichen Stellungnahme an. Er erinnerte an einen erster Ortstermin unter anderem mit der Kreisstraßenverwaltung und der Kreisfachberaterin Heidi Schmid bereits am 14. März 2013.

Er prangerte an, dass den Bürgern nicht schon vor der Wahl im Februar 2014 aufgezeigt wurde, was hinsichtlich der Kastanienbäume auf sie zukomme. Erst im Mai 2014 sei das Thema öffentlich geworden. Den Vorwurf, das Thema sei verheimlicht worden, wies die Bürgermeisterin als "ungeheuere Unterstellung" scharf zurück. Schiller zitierte aus der Niederschrift der Sitzung vom 20. Mai 2014. Darin heißt es unter anderem: "Die Tiefbauabteilung des Landkreises Schwandorf hat festgestellt, dass die Kastanienbäume zum großen Teil nicht mehr verkehrssicher sind und die Stadt verpflichtet ist, einen verkehrssicheren Zustand herzustellen."

Geschäftsstellenleiter Josef Spachtholz habe erläutert, "dass die Bäume von der Einmündung in die Staatsstraße 2159 bis zur Einfahrt zur Scheune des Hans Betz alle erhebliche Faulstellen aufweisen und deshalb der gesamte Abschnitt gerodet werden sollte."

Der Stadtrat habe, so Schiller weiter, zwar nicht gleich eine Fällung aller Kastanien beschlossen, wohl aber sollten für eine Rodung im Spätherbst 2014 Angebote eingeholt werden. Die schriftliche Stellungnahme der Tiefbauverwaltung des Landkreises spreche von "einigen" Bäumen, die starke Schädigungen aufweisen und im Schreiben der Kreisfachberaterin Heidi Schmid heiße es, dass sich die Kastanienbäume "teilweise in einem sehr schlechten Zustand" befinden. Schiller bezog sich im weiteren Statement auf den Stadtratsbeschluss vom 10. März 2015, nach dem "die schadhaften Bäume baldmöglichst zu entfernen sind".

Um zu wissen, welche Bäume wirklich so kaputt sind, dass sie entfernt werden müssen, müsse seiner Ansicht nach unbedingt ein Baumsachverständiger einbezogen werden. Die Kosten dafür seien mit circa 2000 Euro überschaubar. Eindringlich bat Schiller den Stadtrat, die Entscheidung zur Fällung zu revidieren. Das richtige Motto bezüglich der Kastanienbäume sei für ihn: "Pflegen statt Fällen."

Abschließend hatte er noch einen "Vorschlag zur Güte": Er beantragte, einen weiteren Gutachter für eine zweite Meinung einzuschalten. Wenn dieser ebenfalls zu dem Ergebnis kommen sollte, dass 20 Bäume des fraglichen Abschnitts gefällt werden müssen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, dann werde auch die Fraktion der Freien Wähler der Rodung des gesamten Abschnitts zustimmen.

Hans Schieber und 2. Bürgermeister Josef Irlbacher hakten bei den von Thomas Schiller genannten Kosten für ein Gutachten nach. Nach dem vorliegenden Angebot koste jeder Baum 1000 Euro; das mache bei 20 Bäumen 20 000 Euro aus. Josef Irlbacher sah aufgrund der Schädigung und der Haftungsfrage keine andere Möglichkeit als die fraglichen Bäume zu entfernen. Er sprach sich dafür aus, in diesem Zug auch den Gehweg zu erneuern, der durch das Wurzelwerk der Bäume eine Gefahr darstelle. Wenn nur vereinzelt Bäume entfernt werden, könnte auch der Gehweg nicht erneuert werden.

Josef Eibauer hielt teure Gutachten nicht für zielführend, plädierte aber für ein weitaus billigeres Gutachten einer Baumpflegefirma. Er zeigte sich überzeugt, dass ein Gutachten auch so formuliert werden könne, dass der Gutachter in Regress zu nehmen ist. In die gleiche Richtung argumentierte Reinhard Kreuzer, der sich "für eine zweite Meinung" aussprach. "Wenn wir ein paar Bäume stehen lassen, haben wir ein zerrissenes Bild und können den Gehweg nicht richten", war sich Michael Präßl mit Josef Irlbacher einig.

Johann Pfistermeister vertraut auf die Einschätzung von Kreisbauamt und Gartenbauamt. Deshalb müssen mit Blick auf Haftungsgründe die betreffenden Bäume weichen, so Pfistermeister. "Wenn wir nicht handeln, handeln wir vorsätzlich", merkte Josef Fleißer an und war ebenfalls für die bereits beschlossene Vorgehensweise.
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