Flucht und Polizeigewalt

Die Kapelle "Frajara putika" umrahmte die Ausstellungseröffnung.
Lokales
Schönsee
07.11.2015
4
0

Grenzüberschreitende Kunstausstellungen sind ein wichtiger Teil im Programm des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee. Erstmals ist seit Donnerstag das Kunst-Genre Comic im CeBB präsent.

Die Ausstellung zeigt unter dem Titel "Superhelden aus dem Ostblock" Werke im Comic-Stil, die im Sommer bei einem zweiwöchigen deutsch-tschechischen Symposium mit neun Künstlern in der tschechischen Galerie Klatovy/Klenová mit dem CeBB als deutschem Projektpartner entstanden sind.

Die Werke der Comic-Künstler hängen großformatig im Luftraum des Treppenhauses und kleinformatiger an den Stellwänden der Gewölbehalle. Spannend ist, wie die Autoren die Themen Flucht, Schleusen und Polizeigewalt in der Zeit des Eisernen Vorhangs mit Pinsel, Zeichen- oder Filzstift in ihren Comics zu Papier gebracht haben. Comic-Kunst war auch immer eine Interpretation der Zeitgeschichte, von Strömungen in der Gesellschaft und der Versuch, hintergründig mit Stift und Sprechblasen politische Ereignisse zu kommentieren.

Darauf verwies der Comic-Experte und Mitarbeiter des Instituts für die tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Pavel Korínek, in seinem Vortrag. Er ging auf die Strategien ein, die Comic-Künstler nach dem Jahr 1948 in der damaligen Tschechoslowakei entwickelten, um unter dem kommunistischen Regime weiterarbeiten zu dürfen. Für viele war es eine Gratwanderung, die oft so gelöst wurde, dass die Sprechblasen einfach leer blieben - jeder konnte sich selbst seinen Teil dazu denken.

Die Ausstellungsverantwortlichen der Galerie Klatovy/Klenvová und das CeBB-Team freute es, dass zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Donnerstag sehr viele junge Leute ins CeBB nach Schönsee kamen, darunter Studenten der Fakultät für Kunst und Design der Westböhmischen Universität. Nach dem schwungvollen musikalischen Auftakt der Kapelle "Frajara putika" begrüßten die CeBB-Mitarbeiterin Magdalena Becher und Karolína Svobodová die Gäste. Anschließend gaben die Kuratoren, Petra Mazácová und Michal Lazorcík, einen Überblick über die Schaffensphase beim Workshop im August, die Themenwahl, die künstlerischen Ergebnisse und die weiteren Pläne.

Nach dem offiziellen Teil und dem Ausstellungsrundgang trafen sich die Gäste im bb-dialog zum Stehempfang in lockerer Atmosphäre. Die Musikanten aus Pilsen spielten munter auf ,und die tschechischen Partner sorgten mit Fassbier aus Böhmen, Häppchen und Kolatschen für das leibliche Wohl.

Die Ausstellung ist im CeBB bis 31. Dezember zu sehen. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Galerie Klatovy/Klenová und des CeBB. Möglich wurde die Realisierung des Projekts dank der Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.