Graben in alten Sachen befreit

Lokales
Schönsee
10.08.2015
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Ein Holzstoß, ein Hackstock und ein Sägebock - fertig ist die Bühne für "Pascher - die Nacht der langen Schatten". Damit symbolisiert sie auch das karge Leben der Grenzbewohner und den Kampf ums Überleben. Der Blick in die Vergangenheit hält aber auch eine Tragik von noch größerer Tragweite parat.

"Ein Theaterabend, der unter die Haut geht, der mit Humor gewürzt ist, etwas mit Vergangenheitsbewältigung zu tun hat und gerade deshalb auch in die Zukunft gerichtet ist und noch lange in guter Erinnerung bleibt": Auch bei der Premiere am Freitagabend im neunten Festspieljahr konnten die über 700 Gäste mit viel Beifall und Szenenapplaus unterstreichen, was Paschervereins-Vorsitzende und Bürgermeisterin Birgit Höcherl zu Beginn versprochen hatte.

Die Zeitreise von der Gegenwart in die 1920er Jahre führt authentisch und eindrucksvoll das harte Leben an der Grenze vor Augen. "Aus nix is wos gmacht woarn und pascht is woarn, wos ma zum Lebn braucht oder wos des Lebn angenehmer gmacht hot", erzählt Franz Langmeister. Aber auch, "dass wir immer gerichtet sein mussten zum Davonlaufen vor den Wölfen, den Grenzern und den Tschechen". Damit greift Autor Martin Winklbauer aus Halsbach eine geschichtliche Dimension auf, in der Hass, Krieg und Vertreibung eine unrühmliche Rolle spielen.

Meisterhaft inszeniert

Das Paschen bietet dazu den scheinbar unscheinbaren Rahmen. Im Wald bahnen sich aber nicht nur die Geschäfte zwischen Fritz von "drüben" und Adam von "herüben" an, sondern auch die Liebe zwischen Adam aus Bayern und der Kundschafterin Wanka aus dem Tschechischen. Doch die Liebesgeschichte findet ein jähes Ende, als die Schmuggler beim groß angelegten Viehtrieb ertappt werden. Totenstill ist es im Publikum, wenn beim Verhör einer nach dem anderen Wanka als Drahtzieherin benennt, um selbst dem Zuchthaus zu entgehen. "Sag schon meinen Namen, du kannst mich nicht mehr retten", sagt Wanka zu Adam, der als letzter ihren Namen preisgibt. Dass er sie verraten hat, hat ihn das ganze Leben belastet, erzählt er auf dem Sterbebett seinem Sohn Franz Langmeister. Im Zuchthaus hat Wanka Franz zur Welt gebracht und als Säugling hat man ihn vor Adams Tür gelegt.

Kein Einzelfall

Franz Langmeister ist kein Einzelschicksal, er teilt es mit vielen Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland. Und seine Meinung, "dass man die alten Sachen endlich in Ruhe lassen soll, wo doch endlich Gras drüber gewachsen ist", ist wohl auch keine Einzelmeinung. "Schweigen und Verschweigen" will der alte Mann die Vergangenheit und macht doch selber immer wieder deutlich, wie tief der Hass auch noch Jahrzehnte nach der Vertreibung sitzt. Das verlangt geradezu danach, über die Vergangenheit zu reden und sie aufzuarbeiten.

Den vom harten Grenzschicksal gezeichneten und vergrämten Mann zum Reden zu bringen, hat Autor Martin Winklbauer sicherlich nicht zufällig der jungen (Tschechin) Lucie (Wanka war ihre Urgroßmutter) zugedacht, die hartnäckig daran arbeitet. Die Handlung ist aber auch so inszeniert, dass Geschichte aufarbeiten und Versöhnung nur zweigleisig funktionieren. "Man kann sich vor der eigenen Vergangenheit nicht verstecken", erkennt Franz Langmeister am Ende und er stellt erleichtert fest, nachdem die ganze Wahrheit heraus ist: "Tut des guat". (Seiten 23 und 39)

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Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/pascher-schoensee-2015
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