Grenzen fallen im Zauberwald

Das neue Festspiel "Irrlichter" feierte am Freitag am Eulenberg bei Schönsee erfolgreich Premiere. Seppi befreit die Elfe von ihrem Bann. Bild: Götz
Lokales
Schönsee
13.07.2015
31
0

Jeder ist irgendwie anders. Aber einer, der mit Bäumen redet und dem Gesang der Elfen lauscht, der gehört ins Heim. Das Freilichtspiel "Irrlichter" beleuchtet Grenzen zwischen den Völkern und Menschen - die niemand braucht. Naturgeister sind hier so real wie Panzer und Soldaten.

Es gibt viele Geschichten aus der Zeit des "Kalten Krieges". Eine nicht ganz frei erfundene ist die von "Josef Krautner und den Irrlichtern", der 1938 in einem Oberpfälzer Grenzdorf geboren wurde und als 20-Jähriger in eine Anstalt eingewiesen wurde. Im neuen Stück des Paschervereins geht es um sichtbare und unsichtbare Grenzen. Dabei ist die Waldbühne, in 100 Meter Sichtweite zum ehemaligen "Eisernen Vorhang", von entscheidender Bedeutung. Bei der Premiere am Freitag strömten die Gäste auf das Freilichtgelände am Eulenberg in Friedrichshäng. "Mehr als eigentlich Platz hätten", freute sich Bürgermeisterin Birgit Höcherl. Martin Winklbauer aus Halsbach - Autor des Stücks - führte Regie. Die örtliche Spielleitung liegt wie beim Pascherspiel "Die Nacht der langen Schatten" bei Birgit Höcherl.

Mystische Welt

Das neue Stück hat eine tiefgründige Handlung, die sich mit dem Thema Behinderung, dem Umgang mit der Natur und der Gefahr an der einstigen Grenze auseinandersetzt. Zwischen den Sträuchern und Wurzelwerk hausen die Irrlichter. Seppi (Sebastian Betz) ist einer, der sie sehen und mit ihnen sprechen kann. Es ist eine mystische Welt, die da vor den Zuschauern entsteht. Blumenkinder, Elfen und Wichtel tanzen in farbenprächtigen Kostümen unter sphärischen Klängen auf der Waldwiese.

Ein Nebelweib übertritt die Grenze der Zwischenwelt und nennt Seppi ihren Namen. Sie wird verbannt und nur ein "besonderer Mensch" kann diesen Bann brechen. Doch Seppi, ein Grenzgänger der anderen Art, muss seine Freunde aus der Zwischenwelt für einige Zeit verlassen. Denn das Anderssein wird ihm zum Verhängnis, vor allem dann, als er beim Suchen von Fichtenzapfen im Nachbarland landet und von tschechischen Grenzern zurückgebracht wird. Der Akzent des tschechischen Darstellers Petr Koch lässt die Szene real erscheinen, als er im Disput mit den deutschen Grenzern stammelt: "Wollen nur helfen". Doch sie haben in voller Bewaffnung die Demarkationslinie zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt übertreten. Den Zuschauern stockt der Atem, als auf der bayerischen Seite ein Schützenpanzer auffährt. Der amerikanische Agent Henesy (Martin Fakler) sieht Seppi als unkalkulierbares Risiko und lässt ihn in einweisen: "Wenn eine Seite die Nerven verliert, dann eskaliert die Situation nicht nur hier an der Grenze."

Höhepunkte im Spiel sind die humorvollen Dialoge von Seppi und dem Fichtenzapfensammler Buzl (Michael Schwarz). Sebastian Betz spielt den behinderten jungen Mann mit beeindruckender Körperspannung. Bürgermeisterin Birgit Höcherl zeigt Schauspieltalent, als sie als Mutter um ihren weggesperrten Sohn trauert.

Ein Farbenmeer

Zart und mystisch wird es zum Schluss. Nebelfrau Lea tanzt um Seppi, der aus der Anstalt ausgerissen ist. Er fühlt sich schuldig an ihrer Verbannung und will sie befreien. Die Handlung taucht tief in die Gefühlswelt ein und das Technik-Team lässt einen farbenfrohen Zauberwald entstehen. Der Oberschrat (Stefan Reiminger) hält Gericht und die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde setzen sich in Szene. "Es liegt an der Wahrnehmung", sagt der Schrat und Agent Henesy stammelt, schwindlig vom Elfengesang: "Wir müssen die Grenze untergraben und dürfen diese niemals akzeptieren!" Ob es ein Happy-End für Seppi gibt? Wer es wissen möchte, hat dazu am 17. Juli Gelegenheit. (Innenteil)

Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/irrlichter2015
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13790)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.