Grenznah auf spirituellen Pfaden

Lokales
Schönsee
09.05.2015
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Gedenksteine zeugen vom Schicksal der Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Doch auch um diejenigen, die "aus dem Herzen vertrieben wurden", ging es bei der "heilsamen Grenzwanderung" nach Plöß.

Rund 30 Teilnehmer aus den drei Grenzlandkreisen Cham, Schwandorf und Neustadt/WN waren zu der mittlerweile sechsten "Heilsamen Grenzwanderung" mit Rudi Simeth und Paul Zetzlmann gekommen. Auch langjährige Feriengäste aus Herzogau hatten sich am Wanderparkplatz in Friedrichshäng bei Schönsee eingefunden.

Brücken bauen

Mit grenzüberschreitenden Wanderungen von 8 bis 12 Kilometer Länge werden seit Frühlingsanfang symbolisch Atzlern und Waidhaus verbunden. Die beiden Pilgerbegleiter sorgen dabei auch für eine spirituelle Anknüpfung an den Jakobsweg und wollen "auf und in die Natur eingehen". Der geschichtliche Hintergrund soll Brücken bauen zum besseren Verstehen und zu guter Nachbarschaft von Bayern und Böhmen.

Von Friedrichshäng zum Böhmerwaldturm und über Bügellohe nach Plöß (Ples) sollte es diesmal gehen.

Vor dem Gedenkstein des Vereins "Heimatgemeinde Plöß" wurden die Wanderer mit einem Auszug aus dem Büchlein "Über sieben Brücken" von Eva Meder-Thünemann auf die Tour eingestimmt. Nach der Überquerung des Weißbaches und heimatkundlichen Erklärungen lockerte ein Lied von Rudi Simeth den Marsch auf. Ein Abstecher zum fast 900 Meter hoch gelegenen Weingartenfels belohnte die Pilger mit einer herrlichen Aussicht vom Böhmerwaldturm.

Der Heimat nahe

Auf der Sautreibergasse gedachten die Teilnehmer der ehemaligen Bewohner von Bügellohe und erinnerten an ihre schwierige Lage. Nach ihrer Vertreibung im Jahre 1946 hatten die früheren Wenzelsdorfer dort in Sichtweite ihrer alten Heimat gelebt. Paul Zetzlmann erzählte von dem einzigen übriggebliebenen "Fleischhackerhaus" in Bügellohe. Danach staunten alle über die kräftige Quellschüttung des Weißbrunnens. Dem Quellbach folgend wurde dann die Grenze überquert. Auf böhmischer Seite "Plessky potok" genannt, wird der Weißbach ab Dietersdorf zur Ascha.

Am Gedenkstein des untergegangenen Wenzelsdorf folgte ein gemeinsamer Impuls über "Körper, Geist und Seele". Eine Zeichnung von Siegfried Weigl sollte veranschaulichen, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden und untrennbar mit der Natur verbunden sind. Über das einstige Rappauf (Rabov) wandernd, genossen die Pilger die Weite der Hochebene mit mächtigen Bäumen auf den Weiden und den Blick zum Plattenberg/Zvon mit Radarturm.

Nach einer Einkehr war der wieder instandgesetzte Friedhof von Plöß mit den Grundmauern der Friedhofskirche das Ziel. Vor dem Grab eines erschossenen Grenzsoldaten wurde all jener gedacht, die bei Kriegen, Vertreibung und in unmenschlichen Systemen ums Leben kamen. Heilsame Gedanken sollten sich die Wanderer machen über jene, die sie "aus ihren Herzen vertrieben haben" oder in deren Herzen sie keinen Platz mehr haben. Danach war es nicht mehr weit zum Grenzübergang Friedrichshäng mit aktuellen Wegweisern für den neu markierten Europäischen "Eisernen Vorhang Radweg" Nummer 13, der entlang vom Nordmeer bis zum Schwarzen Meer führt.

Infos zu dieser und weiteren Wanderungen bietet Simeth unter www.waldaugen.de.
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