Kein Biotop für Bauschutt

Der große Glashaufen ist weg, aber zwischen groben Gesteinsbrocken stecken Scherben.
Lokales
Schönsee
30.05.2015
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Ein Meer aus roten Dachziegeln, dazwischen Fliesenstücke, Glasscherben und blaue Keramik. Was sich so den Spaziergängern präsentiert, ist keine Schutthalde, sondern ein Forstweg bei Schönsee.

"Im September hat das noch viel schlimmer ausgesehen", berichtet Margot Funk, die mit ihren beiden Hunden in dem Waldstück zwischen Schönsee und dem Ortsteil Lindau unterwegs war. Einen großen Haufen spitzer Glas- und Keramikscherben auf einer Fläche von etwa einem Quadratmeter habe sie da vorgefunden, und deshalb auch "aus Tierschutzgründen" versucht, bei Behörden auf den Missstand hinzuweisen. Doch das entpuppte sich als gar nicht so einfach.

Den richtigen Ansprechpartner zu finden, war für die 61-Jährige eine Odyssee. Als erstes kontaktierte sie bereits im September 2014 einen Förster, doch der war für dieses Gebiet nicht zuständig. Auch zum Büro von Alexander Flierl, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Jagdverbands-Kreisgruppe, nahm Funk Kontakt auf, eine schriftliche Stellungnahme aber wollte sie nicht abgeben. Sie versuchte es beim Forstbetrieb Flossenbürg, landete schließlich bei den Bayerischen Staatsforsten in Regensburg und erneut in Flossenbürg, bevor das Landratsamt Schwandorf als richtige Adresse für solche Fälle ausgemacht wurde. Über die Untere Naturschutzbehörde hangelte sich die Frau schließlich im November zum eigentlich zuständigen Sachgebiet für Abfallwirtschaft vor. Dort versprach man, der Sache nachzugehen.

"Jeglicher Bauschutt ist im Wald verboten", erklärt nun Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt, auf NT-Nachfrage. Allerdings gebe es "eng zu ziehende Ausnahmen". Falls das Material sortenrein ist, also beispielsweise nur aus Ziegeln besteht, dürfe es als Unterbau benutzt werden, es gelte dann als Wertstoff. "Die Ziegel sind dann aber mit Schotter abzudecken", ergänzt Prechtl. Eine Abgrenzung kann da schwierig sein, wenn zwischendrin ein paar Fremdkörper stecken.

Nur mit Zertifikat

"Wenn im Staatsforst ein neuer Weg gebaut wird, dann muss das Material dafür zertifiziert sein", berichtete der Schönseer Förster Michael Forster und verweist auf je nach Waldgebiet unterschiedliche Schutzgebietsverordnungen, die unter Umständen auch dem Harvester ein Parken im Wald untersagen. "Viele Waldbesitzer wissen gar nicht, was erlaubt ist. Und ich möchte nicht wissen, was in alten Hohlwegen alles drinsteckt", ergänzt der Förster und erinnert an die Zeiten als es noch keine Müllabfuhr gab. Als Vertrauensperson der Waldbesitzer möchte er aber ungern in die Rolle des Anklägers schlüpfen.

Wer sich heutzutage nicht an die Regeln hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. "Pro Jahr haben wir etwa 50 bis 60 solcher Verfahren", berichtet der Pressesprecher. "Das Bußgeld ist gestaffelt, beginnt ab 100 Euro und kann auch mal die 1000-Euro-Grenze überschreiten." Schließlich sei das Einbringen von Bauschutt im Wald kein Kavaliersdelikt, meint Prechtl, der einen "dicken Akt" aus dem Jahr 2011 über ein Waldstück bei Schönsee kennt. "Das Material musste nach einer Ortseinsicht durch ein Transportunternehmen entsorgt werden, für den Umweltsünder gab es einen Bußgeldbescheid in vierstelliger Höhe."

Appell an die Vernunft

Lieber als mit Bußgeld zu drohen, ist es Prechtl, an die Vernunft der Bürger zu appellieren: "Ich hoffe, dass die Leute Skrupel haben, im Wald etwas abzuladen." Zu dem von Margot Funk gemeldeten Fall sei beim Landratsamt derzeit "nichts anhängig", erklärt er nach Rücksprache mit dem zuständigen Sachgebiet. Die Spaziergängerin will sich damit nicht zufrieden geben. "Mir geht es ja auch nicht nur um ein persönliches Interesse", rechtfertigt sie ihre Intervention bei den Behörden und fügt hinzu: "Bei uns wird viel weggeschaut."
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